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Studie zum Missbrauch: Opfer an fast jeder zweiten Schule

BERLIN. Die Bundesbeauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, Christine Bergmann, hat gemeinsam mit dem Deutschen Kinder- und Jugendinstitut in Berlin die Ergebnisse einer Befragung vorgestellt.

Die Kampagne „Sprechen hilft“ soll für das Thema sexueller Missbrauch sensibilisieren. Angeboten wird auch eine telefonische Anlaufstelle: 0800 / 22 55 530.

Die Kampagne „Sprechen hilft“ soll für das Thema sexueller Missbrauch sensibilisieren. Angeboten wird auch eine telefonische Anlaufstelle: 0800 / 22 55 530.

Ergebnis: Schulen, Internate und Heime sind mit unterschiedlichen Formen von Übergriffen konfrontiert – Heime sind am stärksten betroffen. Schulen sahen sich zu 43 Prozent, Internate zu knapp 40 Prozent und Heime zu über 70 Prozent mit verschiedenen Verdachtsfällen auf sexuelle Gewalt in den letzten drei Jahren konfrontiert. Mit 82 Prozent sind Mädchen wesentlich häufiger von sexueller Gewalt betroffen als Jungen – die verdächtigten Täter sind überwiegend männlich. Für die Studie wurden ein Jahr lang bundesweite Fach- und Führungskräfte an Heimen, Schulen und Internaten befragt.

Bergmann forderte: „Der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch muss integraler Bestandteil des Auftrags von Schulen, Internaten und Heimen werden.“ Übergriffe durch an den Institutionen beschäftigte erwachsene Personen sind vergleichsweise selten, wiegen aber schwer, da Kinder wie Eltern Fachkräften vertrauen können müssen. Überwiegend handelte es sich um strafrechtlich schwer fassbare Vorwürfe. Vier Prozent der Schulen, drei Prozent der Internate und zehn Prozent der Heime nannten einen solchen bekannt gewordenen Verdachtsfall – in  jedem zehnten Heim wurden zu 20 Prozent auch Verdachtsfälle mit Penetration genannt. Mit Übergriffen der Kinder und Jugendlichen untereinander sind die Institutionen deutlich häufiger konfrontiert 16 Prozent der befragten Lehrkräfte, 29 Prozent der Internatsleitungen und 39 Prozent der Heimleitungen berichteten von einem solchen Verdachtsfall in den letzten drei Jahren. 50 Prozent der Verdächtigten waren unter 14 Jahre.

Nur die Hälfte der Opfer bitten um Hilfe

Die Vorwürfe bezogen sich vor allem auf Berührungen am Körper beziehungsweise an den Geschlechtsteilen. In Heimen wurde zu 17 Prozent auch von Verdachtsfällen mit Penetration berichtet. Am häufigsten entstand Handlungsbedarf durch Verdachtsfälle auf sexuelle Gewalt, die sich zwar außerhalb der Einrichtung ereigneten, aber in der Schule bzw. im Internat oder Heim einer Fachkraft mitgeteilt wurden. 32 Prozent der Schulleitungen und 31 Prozent der Lehrkräfte, 34 Prozent der Internatsleitungen und 17 Prozent der Schülervertretungen in Internaten sowie 49 Prozent der Teilnehmenden aus den Heimen nannten hierzu Verdachtsfälle. In rund 50 Prozent der Verdachtsfälle sind die betroffenen Kinder selbst aktiv geworden und haben sich einer Lehr- oder Fachkraft anvertraut, auch Gleichaltrige, die von betroffenen Kindern eingeweiht wurden, spielten oftmals eine wichtige Rolle bei der Aufdeckung. Nur selten haben Verhaltensauffälligkeiten auf Seiten der Kinder bei Lehr- oder Fachkräften zu einem Verdacht geführt. Alle Lehr- und Fachkräfte benötigen deshalb Kompetenzen und Ressourcen, die sie befähigen, mit Verdachtsfällen qualifiziert umzugehen.

Präventionsmaßnahmen längst noch nicht überall

Als Präventionsmaßnahmen wurden in Schulen zu 38 Prozent, in Heimen zu 30 Prozent und in Internaten zu 23 Prozent spezifische Veranstaltungen mit Kindern benannt. Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden unter den Befragten von 21 Prozent der Schulleitungen, 38 Prozent der Internats- und 40 Prozent der Heimleitungen angegeben. Sexualpädagogische Konzepte schienen ebenfalls wenig verbreitet zu sein, sie wurden nur von etwa 25 Prozent der Befragten erwähnt. Etwa 25 Prozent der Befragten aller Institutionen konnten zu Präventions-maßnahmen keine Angaben machen.

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