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Belgien: Lehrer als Serienmörder – Minister entschuldigt sich

TOGEREN (red). Im belgischen Tongeren in der flämischen Provinz Limburg hat mit der Auswahl der zwölfköpfigen Geschworenenjury der Prozess gegen den mutmaßlichen Serienmörder Ronald Janssen begonnen. Janssen, Lehrer und Vater von zwei Kindern, ist angeklagt, drei junge Menschen ermordet zu haben. Er hat diese Morde bereits gestanden.

Die Zeitung „Het Nieuwsblad“ schrieb von einem „Monsterprozess“. 179 Zeugen sollen vor Gericht gehört werden. Am 20. Oktober soll das Urteil fallen, einen Tag später das Strafmaß verkündet werden.

In Belgien fühlen sich viele Menschen bereits an den Fall Dutroux erinnert, der bis 2004 das Land erschütterte: Wieder geht es um sexuelle Motive, erneut geriet die Arbeit der Polizei in die Kritik. Ermittlungspannen, die möglicherweise eine frühere Festnahme verhinderten, veranlassten den belgischen Justizminister Stefaan De Clerck, sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen. De Clerck bemängelte vor allem die schlechte Zusammenarbeit der verschiedenen Polizeibehörden.

Der belgische Justizminister De Clerck kritisierte die Polizeiarbeit im Fall Janssen. Foto: Luc van Braekel / Flickr (CC-BY-2.0)

Der belgische Justizminister Stefaan De Clerck kritisierte die Polizeiarbeit im Fall Janssen. Foto: Luc van Braekel / Flickr (CC-BY-2.0)

Rückblende: In Loksbergen werden Anfang Januar 2010 die Leichen einer 18-Jährigen und ihres 22-jährigen Freundes in einem brennenden Opel Corsa gefunden. Ihr Mörder ist – wie sich schnell herausstellt – der heute 40-jährige Ronald Janssen, ein  Lehrer, der Technisches Zeichnen unterrichtet. Er ist  geschieden und hat zwei Töchter. Bereits kurz nach seiner Festnahme wird er mit anderen Verbrechen in Verbindung gebracht, mindestens einem weiteren Mord und zahlreichen Sexualdelikten, für die er sich später noch in einem weiteren Verfahren verantworten muss. Janssen hat die beiden jungen Leute eigenen Angaben zufolge erschossen, weil er sich von dem jungen Mann beleidigt fühlte. Anschließend versuchte er, die Leichen  in deren Auto zu verbrennen.

„In die Trauer der Angehörigen mischt sich auch Ärger über die schlampige Arbeit der Ermittler“, schreibt der Nachrichtendienst „Grenzecho.net“. Denn Janssen habe zwar als unauffällig, als „netter Nachbar“ und „Ronny, der beliebte Lehrer“ gegolten, sei  aber bereits vor dem Doppelmord an den beiden Jugendlichen ins Visier der Behörden geraten. Doch die Hinweise, er könnte etwas mit dem Tod einer 18-Jährigen 2007 zu tun haben, hätten nicht zu seiner Festnahme geführt. Das Mädchen war nach einer Party spurlos verschwunden. Ihre Leiche wurde einige Tage später in einem Kanal entdeckt. Der Fall und die damit verbundene Suchaktion hatten ganz Belgien in Atem gehalten. Ronald Janssen, der die junge Frau in seinen Wagen gezwungen, vergewaltigt und dann erschlagen haben soll, blieb jedoch unbehelligt – und konnte so einige Jahre später wieder zuschlagen. „Heute scheint festzustehen: Der Doppelmord in Loksbergen hätte verhindert werden können“, schreibt „Grenzecho.net“.

Schon 2008 als verdächtig eingestuft

Ein Polizeibeamter habe Janssen nämlich schon 2008 als verdächtig eingestuft und belastendes Material zusammengestellt – auch vor dem Hintergrund von Vergewaltigungsvorwürfen einer Frau. Die zuständigen Ermittler hätten den Bericht aber ignoriert. Eine weitere Ermittlungspanne: Das letzte Signal des Handys des 18-jährigen Opfers sei an einem Sendemast aufgefangen worden, der nur wenige Meter von Janssens Wohnung entfernt liege. Und schließlich sei das Fahrrad der jungen Frau wenige Monate nach ihrem Tod im Zentrum von Löwen gefunden worden – in der Nähe der ehemaligen Studentenwohnung Janssens.

In Belgien wird nun darüber spekuliert, ob Janssen noch als Täter in weiteren Mordfällen infrage kommt. „Er hat noch nicht alles gesagt“, meinte die Zeitung „L’Avenir“. Unter Berufung auf die Ermittler berichteten Medien, Janssen habe unter anderem über eine schon länger zurückliegende Bluttat in Ostbelgien geredet, doch hätten die Ermittler keine Leiche finden können. Verdachtsmomente, dass der mutmaßliche Mörder auch die seit 2007 in Trier vermisste Studentin Tanja Gräff umgebracht haben könnte, bestätigten sich nicht.

Anspruch auf Lehrerpension bleibt bestehen

Aus dem staatlichen Schuldienst wurde Ronald Janssen bereits vor dem Urteil entlassen. Ein Sonderausschuss des freien Unterrichtswesens in Flandern entschied aufgrund von Janssens Geständnis auf fristlose Kündigung. Trotz der Entlassung behält Janssen seine Pensionsansprüche, meldete der Belgische Rundfunk Online.

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