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Umfrage: Die meisten Eltern wollen Lehrer, die viel fordern

BERLIN. Unter deutschen Eltern herrscht Einigkeit: 94 Prozent aller Eltern in Deutschland verbinden mit guter Bildung bessere Chancen im Beruf und 83 Prozent sehen in guter Bildung die Basis für berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie mit dem Titel „Zwischen Ehrgeiz und Überforderung: Eine Studie zu Bildungsambitionen und Erziehungszielen von Eltern in Deutschland“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat. Befragt wurden 1.256 repräsentativ ausgewählte Eltern, darunter 214 Eltern mit türkischem Migrationshintergrund.

Wunsch nach gezielter Förderung an Schulen

Am wichtigsten finden 76 Prozent aller Eltern in Schulen, dass Kindern nach deren individuellen Fähigkeiten gefördert werden sowie spezielle Förderkurse für benachteiligte Schüler (71 Prozent), Ein hohes Anforderungsniveau macht nur für eine Minderheit der Eltern in Deutschland (32 Prozent) eine gute Schule aus. Dennoch präferieren Eltern Lehrer, die viel fordern und auf Disziplin achten (52 Prozent) bzw. die konsequent in ihrer Benotung sind (53 Prozent). Dies gilt mit 63 Prozent bzw. 66 Prozent insbesondere für die neuen Bundesländer.

Schaut man auf die kleinen Kinder, sind insgesamt 90 Prozent aller Eltern mit Kindergartenkindern mit der Förderung ihres Kindes dort zufrieden. Bei der Vermittlung von schulischen Grundkenntnissen wie Lesen und Schreiben schon im Kindergarten scheiden sich aber die Geister: Jeder Zweite (47 Prozent) der Eltern hält es für sinnvoll, während 43 Prozent der Eltern dies noch für zu früh halten.

Eltern mit türkischem Migrationshintergrund sind sehr engagiert

Besonders Schulen in Großstädten sind von dem Thema Integration betroffen. Die Integrationsleistung der Schulen wird überwiegend positiv beurteilt. 72 Prozent aller Eltern von Schulkindern, in deren Klassen Schüler mit Migrationshintergrund lernen, schätzen dies so ein, bei Eltern mit türkischem Migrationshintergrund sind es sogar 79 Prozent.

Geht es jedoch ganz konkret um Chancengleichheit sind die Eltern kritischer. Zwar sehen 43 Prozent aller Eltern Chancengleichheit an deutschen Schulen für Schüler mit Migrationshintergrund gegeben, allerdings haben auch 38 Prozent nicht diesen Eindruck. Mit 59 Prozent sind Eltern mit türkischem Migrationshintergrund hier besonders skeptisch. Hauptursachen der mangelnden Chancengleichheit sind für alle Eltern unzureichende Deutschkenntnisse der Kinder (87 Prozent), fehlende Unterstützung der Kinder durch ihre Eltern (86 Prozent) bzw. ein zu geringer Gebrauch der deutschen Sprache in den Familien (85 Prozent). In Zuwandererfamilien wird diese Einschätzung weitgehend geteilt, allerdings werden dort auch die Lehrer ausdrücklich für die fehlende Chancengleichheit verantwortlich gemacht. 63 Prozent der Eltern mit türkischem Migrationshintergrund glauben, dass viele Lehrer gegenüber ihren Kindern Vorurteile haben, dass sie diese zu wenig fördern (54 Prozent) oder dass sie diese bei gleicher Leistung schlechter beurteilen als deutsche Schüler (51 Prozent). Vor diesem Hintergrund fällt auf, dass die Befragten mit türkischem Migrationshintergrund überdurchschnittlich engagiert bei der Unterstützung ihrer Kinder sind. 64 Prozent helfen ihren Kindern wenigstens gelegentlich bei den Hausaufgaben – acht Prozentpunkte mehr als der Gesamtdurchschnitt –, obwohl sich diese Eltern damit wesentlich schwerer tun (48 Prozent) als das Mittel aller Eltern (35 Prozent).

Gute Bildung ist vor allem breites Wissen, Fremdsprachen und gute Manieren

Primär besteht gute Bildung für mehr als drei Viertel der befragten Eltern (76 Prozent) in einem breiten Wissen. Daneben gehört ein gutes sprachliches Ausdrucksvermögen für 70 Prozent aller Eltern „unbedingt“ zu guter Bildung. Fremdsprachenkenntnisse sind ebenfalls noch für die Hälfte der Eltern Ausdruck guter Bildung, gleichauf mit guten Manieren.

Erweitert wird dieser Kernbestand um Fähigkeiten, die für Eltern „auch noch“ wichtig, aber eher sekundär für eine gute Bildung sind. Neben naturwissenschaftlichen Kenntnissen gilt dies vor allem für wirtschaftliches Verständnis (28 Prozent) und gute Geschichtskenntnisse (23 Prozent). Musik, Philosophie und Religion bleiben im Bildungsbegriff der meisten Eltern hingegen außen vor. Und nur für lediglich 27 Prozent der Eltern mit türkischem Migrationshintergrund gehört die Beschäftigung mit religiösen Fragen unbedingt zu einer guten Bildung.

Schichtspezifische Einstellungen zu Bildungskanon

Teilweise zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede in der Definition des Bildungskanons. So ist etwa Medienkompetenz für 56 Prozent der sozial besser gestellten Eltern Ausdruck guter Bildung, gegenüber nur 31 Prozent der Eltern aus sozial schwächeren Gesellschaftsschichten. Handwerkliches Geschick hingegen ist für Letztere (18 Prozent) deutlich wichtiger als für Erstere (8 Prozent). Auch das Bild von einer optimalen Förderung der Kinder unterscheidet sich teils stark.

Während etwa die gezielte Wahl einer guten Schule für 61 Prozent der sozial besser gestellten Eltern besonders wichtig ist, gilt dies nur für 36 Prozent der sozial schwächeren Eltern. „Diese enge Korrelation zwischen der Bildung der Eltern und dem Bildungsweg der Kinder ist im internationalen Vergleich ungewöhnlich und unbefriedigend, belegt sie doch, dass Bildung in Deutschland in hohem Maße gleichsam ‚vererbt‘ wird“, kommentiert Professor Renate Köcher, Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch die Autoren der letzten PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die diesen Zusammenhang zuletzt öffentlich kritisierte.

Bildungshintergrund der Eltern beeinflusst Bildungskarriere der Kinder

Die folgenden Ergebnisse bestätigen diesen Zusammenhang nochmal: So übt der Bildungsgang der Eltern einen sehr großen Einfluss auf die Bildungskarriere der Kinder aus. Kinder von mehr als drei Viertel der Eltern mit höherer Schulbildung (77 Prozent) besuchen heute selbst ein Gymnasium. Bei Eltern mit mittlerer Schulbildung liegt dieser Wert bei 47 Prozent, bei Eltern mit einfacher Schulbildung nur bei 29 Prozent.
Die Mehrheit aller Eltern (53 Prozent) wäre zufrieden, wenn es ihren Kindern später genauso geht wie ihnen selbst im Moment. 41 Prozent wünschen sich hingegen eine bessere Zukunft für ihre Kinder. Besonders auffällig ist dies unter Eltern mit türkischem Migrationshintergrund (71 Prozent) sowie unter sozial schwächeren Eltern (59 Prozent). Allerdings sind auch diese mit 55 Prozent bzw. 38 Prozent deutlich zurückhaltender in ihrer Prognose, ob dieser Wunsch auch in Erfüllung geht.

Insgesamt wünschen sich 40 Prozent aller Eltern in Deutschland eine stärkere staatliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung und -erziehung jenseits der Schule. Dies trifft vor allem auf Eltern aus den neuen Bundesländern (50 Prozent) und auf sozial schwächere Eltern (49 Prozent) zu. 62 Prozent der sozial schwächeren Eltern geben zudem an, zur Förderung ihrer Kinder auf einiges oder sogar auf vieles verzichten zu müssen – zwölf Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt. (nin)

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