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McAllister will Bundes-Abi – Forscher winken ab

HANNOVER (red). Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat im „Spiegel“ eine bundesweite Hochschulreife gefordert und dafür prompt Kritik aus der Wissenschaft geerntet. Bei einem internationalen  Symposium an der Universität Kassel lehnten Bildungsforscher zentrale Abitur-Abschlussprüfungen für alle Bundesländer ab.

Fordert ein "Deutschland-Abitur": Niedersachsens Ministerpräsident McAllister. Foto: Michael Aldick / Wikemedia Commons (CC BY 3.0)

Fordert ein "Deutschland-Abitur": Niedersachsens Ministerpräsident McAllister. Foto: Michael Aldick / Wikemedia Commons (CC BY 3.0)

„Mit der föderalen Bildungsvielfalt haben wir es übertrieben, sie darf nicht zum Mobilitätshindernis werden“, hatte McAllister (CDU) im Interview gesagt. Er forderte eine Reduzierung der „Kleinstaaterei im Bildungswesen“. Notwendig seien länderübergreifende Vereinbarungen über gemeinsame Ziele, die Kontrolle der Ergebnisse und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Ein Ziel müsse eine bundesweite Hochschulreife sein, sagte McAllister, „man könnte es auch Deutschland-Abitur nennen“.

Vor diesem Hintergrund sei zu klären, wie sich die zunehmende Standardisierung und die Schulzeitverkürzung auf die Qualität von Unterricht und auf das Niveau des Abiturs auswirkten, so meinte die Kasseler Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Dorit Bosse, die das Symposium zum Thema „Abitur und Matura zwischen Standardisierung und Beschleunigung“ leitete. Gegen die Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs sprach sich Prof. Olaf Köller von der Universität Kiel aus. Dafür sei das Leistungsgefälle zwischen den einzelnen Bundesländern zu groß: „Wenn alle Abiturienten in Deutschland die gleichen Aufgaben bearbeiten müssten, könnte man der Forderung nach der Ausweitung der Abiturquote nur noch mit einer erheblichen Niveauabsenkung nachkommen“, befand Köller. Er ist Autor der TOSCA-Studie, einer Untersuchung über die gymnasiale Oberstufe und das Abitur; als Gründungsdirektor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gehört er zu den führenden Bildungsforscher Deutschlands.

Köller: Allenfalls Kombi-Lösung möglich

Köller schlug eine Kombinationslösung vor: Wenn überhaupt ein „Deutschland-Abitur“, dann bestenfalls in Kombination aus Aufgaben, die alle Abiturienten in allen Bundesländern lösen müssten, und spezifischen, also auf das jeweilige Bundesland abgestimmten. Für den nach dem Abitur folgenden Übergang zur Hochschule schlug er vor, hier als Instrument zur Zulassung nicht nur die Durchschnittsnote der Schulabschlussprüfung heranzuziehen, sondern auch Studieneignungstests einzusetzen.

Neben Köller trugen weitere namhafte Bildungswissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor: Ludwig Huber, Nachfolger von Hartmut von Hentig als Professor für Pädagogik und Wissenschaftlicher Leiter des Oberstufen-Kollegs in Bielefeld, ging in seinen Überlegungen darauf ein, welche Wahl Oberstufenschüler bei der gegenwärtigen Gestaltung der gymnasialen Oberstufe überhaupt noch haben. Er stellte fest, dass eine Spezialisierung für Schüler mit besonderem Interesse an bestimmten Fächern über die Bundesländer hinweg eher schwierig sei. „Es muss da wieder eine größere Liberalität her“, meinte Huber. Prof. Barbara Schneider-Taylor forderte, dass Schülern trotz G8 genug Zeit eingeräumt werden müsse, nicht nur Wissen anzuhäufen, sondern sich im Humboldt’schen Sinne umfassend bilden zu können.

„Deutschland-Abi steht jetzt nicht an“

Der emeritierte Kasseler Erziehungswissenschaftler Prof. Rudolf Messner widmete sich der Frage, ob Bildung sich überhaupt standardisieren lasse. Er kam zu dem Schluss, dass Standards als Instrumente des Schulunterrichts durchaus wichtig seien, allerdings nicht als Normierung, sondern eher als Orientierung. Welche Auswirkungen die Einführung des Zentralabiturs in Hessen und Bremen mit sich brachte, untersucht Prof. Katharina Maag-Merki von der Universität Zürich. Sie machte deutlich, dass gerade bei den Lehrern viel Unsicherheit mit den zentralen Prüfungen einhergehe. Diesen Ängsten müsse mit Fortbildungsmaßnahmen begegnet werden. Auch sie erteilte Plänen, ein „Deutschland-Abitur“ einzuführen, eine Absage. „Das steht in den nächsten Jahren nicht an“, schlussfolgerte dann auch Initiatorin Bosse.

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