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Bisexuelle Jugendliche sind besonders gefährdet

CHAMPAIGN. Lesbische, schwule und bi- und transsexuelle Jugendliche sowie diejenigen, die bei ihrer sexuellen Orientierung noch unsicher sind, (LGBTQ) sind einem höheren Risiko ausgesetzt, Selbstmordgedanken zu haben und Suizide zu versuchen, als ihre heterosexuellen Mitschüler. Auch die Gefahr, Opfer von Mobbingangriffen durch Gleichaltrige zu werden oder die Schule zu schwänzen, ist bei ihnen größer.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universität Illinois, die in der Oktoberausgabe des Magazins „Educational Researcher“ veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung wurden 13.000 Jugendliche aus Dane County im US-Bundesstaat Wisconsin anonym über einen Onlinefragebogen befragt.

Zwar gab die Mehrheit der LGBTQ-Jugendlichen an, keinem Risiko ausgesetzt zu sein, Selbstmord zu begehen, gemobbt zu werden oder die Schule zu schwänzen, aber mithilfe spezieller Fragen und Antwortvorgaben fanden die Forscher heraus, dass diese Jugendlichen tatsächlich gefährdeter sind als ihre heterosexuellen Mitschüler.

Bisexuelle Jugendliche sind am stärksten betroffen

Während etwas mehr als sieben Prozent der heterosexuellen Jugendlichen mitteilten, in den vergangenen 30 Tagen über Selbstmord nachgedacht zu haben, war dies bei einem Drittel der LGBTQ-Jugendlichen der Fall. Mit knapp 44 Prozent sind bisexuelle Jugendliche dem größten Risiko ausgeliefert, gefolgt von denjenigen, die sich wegen ihrer sexuellen Orientierung noch nicht sicher sind (32 Prozent). Bisexuelle Schüler weisen zudem die meisten Selbstmordversuche auf: Der Studie zufolge hat mehr als ein Fünftel von ihnen im vergangenen Jahr einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Bisexuelle Jugendliche sind dem größten Risiko ausgesetzt; Foto: IvanClow / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Bisexuelle Jugendliche sind dem größten Risiko ausgesetzt; Foto: IvanClow / Flickr (CC BY-NC 2.0)

In der Befragung sagten fast zweimal so viele LGBTQ-Jugendliche wie heterosexuelle Schüler (39 zu 20 Prozent), dass sie über das Internet gemobbt, beleidigt und belästigt worden sind. Mit knapp 50 Prozent waren die bisexuellen Jugendlichen auch hier am stärksten vertreten.

Gleichzeitig gaben die LGBTQ-Jugendlichen im Vergleich zu den heterosexuellen Klassenkameraden viel seltener an, sich ihrer Schulen zugehörig zu fühlen, mit Erwachsenen über ihre Probleme reden zu können und den Schulabschluss für wichtig zu halten. Dies spielt der Studie zufolge besonders während der „Middle School“, also der Klassen 6 bis 8/9, eine Rolle.

Forscher raten frühzeitig einzugreifen

Während dieser Zeit haben – laut Studie – mehr als 22 Prozent der LGBTQ-Jugendlichen die Schule geschwänzt. Diese Zahl bleibt nach Aussage der Forscher auch bis zur „High School“ (also bis zur Klasse 12) stabil. Bei den befragten Heterosexuellen bejahten sehr viel weniger, unentschuldigt gefehlt zu haben: In den Klassen 6 bis 8/9 war dies bei sieben Prozent der Fall in den höheren Klassen bei etwa 14 Prozent.

Da das Risiko unentschuldigt nicht zur Schule zu gehen, bei LGBTQ-Jugendlichen schon ab der sechsten Klasse deutlich höher ist als bei ihren heterosexuellen Mitschülern, plädieren die Forscher dafür, sich schon sehr früh sie einzusetzen und zu untersuchen, warum so ein Ungleichgewicht zwischen den Schülern besteht. Den Wissenschaftlern zufolge ist es wichtig, in der Schule über sexuelle Orientierung zu diskutieren und das Thema „sexuelle Identität“ in Mobbingpräventionsprogramme  einzubeziehen, damit sich das schulische Umfeld für die LGBTQ-Jugendlichen verbessert. (kö)

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