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Die „Super Nanny“ steigt aus – und geht auf die Bühne

KÖLN. Voyeurismus oder Aufklärung? Die Fernseh-Sendung „Super Nanny“ war von ihrem Anfang 2004 an umstritten. Jetzt schmeißt die Pädagogin Katharina Saalfrank (40) hin – offenbar, weil der Sender RTL zu stark in ihre Arbeit eingreifen wollte. Dies berichtet jedenfalls der „Spiegel“.

Mag nicht mehr die "Super Nanny" sein: Katharina Saalfrank. Foto: SPD Saar / Flickr

Mag nicht mehr die "Super Nanny" sein: Katharina Saalfrank. Foto: SPD Saar / Flickr

Bis zu sechs Millionen Zuschauer zog Saalfrank als „Super Nanny“ pro Sendung an. In 145 Folgen wurden Familien vorgestellt, die mit der Erziehung überfordert waren und sich Rat von der Expertin erhofften. Plus 1000 Euro Honorar, wie die „Bild“-Zeitung herausgefunden haben will. Anerkennung wie der Deutsche Fernsehpreis wechselte mit Kritik an dem Format. Der Kinderschutzbund etwa sah immer wieder die Würde der beteiligten Kinder verletzt. Dann gab es Vorwürfe, viele Szenen seien gestellt (was stets bestritten wurde). Die Kommission für Jugendmedienschutz verhängte schließlich ein Bußgeld von 30.000 Euro gegen RTL. Der Sender behauptet nun, die Sendung wegen sinkender Quoten eingestellt zu haben. Tatsächlich hatte ihm Saalfrank, selbst Mutter von vier Kindern und bekennendes SPD-Mitglied, offenbar zuvor mitgeteilt, angesichts eines zunehmenden Druckes, Probleme zu inszenieren, „nicht mehr zur Verfügung zu stehen“.

Ist das wirklich kein Verlust, wie die Kritiker der Sendung zweifellos meinen? „Es kann ja sein, dass vielen Menschen die TV-Besuche bei Problemfamilien nicht gefallen haben. Ja, man kann diskutieren, ob man Kinder, Väter und Mütter so im Fernsehen vorführen darf. Fest steht: Die Pforten sind geschlossen, die Kameras bleiben ausgeschaltet. Aber das Leben in all den schwierigen Verhältnissen wird nicht besser, nur weil niemand mehr zuschaut“, kommentiert „Welt online“. Ergänzen ließe sich noch: Das Leben in schwierigen Verhältnissen mit Kindern wird nicht besser, wenn niemand den Eltern mehr die Grundlagen von Erziehung vermittelt – und zwar in einer auch für bildungsferne Familien verständlichen Weise. Zumindest in kleinerer Form will Saalfrank diese Arbeit fortsetzen: Sie hat laut „Rheinischer Post“ ein Bühnenprogramm entwickelt, in dem sie „mit kleinen Filmausschnitten“ Erziehungsratschläge geben will.

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