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Das Schulessen soll besser werden – aber wer zahlt?

BERLIN. Die Schulverpflegung in Deutschland ist nicht zufriedenstellend. Dies ist das Ergebnis einer Anhörung des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bei der Sachverständige ihre Erkenntnisse erläuterten. Die SPD forderte eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und Kommunen. Die CDU reagierte zurückhaltend.

Problemzone Mensa: Experten beklagen zu knappe Mittel, fehlendes Fachpersonal und unangemessene Zeitpläne in den Schulen. Foto: calaggie / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Problemzone Mensa: Experten beklagen zu knappe Mittel, fehlendes Fachpersonal und unangemessene Zeitpläne in den Schulen. Foto: calaggie / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Rund zweieinhalb Millionen Schüler werden in Deutschland an etwa 15.000 Schulen verpflegt. „Wir haben das Problem, dass wir keine Daten über Qualität und Umfang über die Ernährung an Schulen haben“, sagte Margit Bölts von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie stellte aber fest, dass die Fallzahlen von Übergewicht und Adipositas, also Fettleibigkeit, bei Jugendlichen dermaßen angestiegen seien, dass ein koordiniertes Vorgehen notwendig sei. Dieter Dohmen vom Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie forderte, Bund und Länder, Krankenversicherungen und Sozialversicherer in die Finanzierung einzubeziehen.

Zu knappe Mittel, fehlendes Fachpersonal und Zeitprobleme im Ablauf des Schulalltages beschrieb Michael Polster vom Deutschen Netzwerk Schulverpflegung als größte Probleme. Er forderte die Abschaffung der 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Schulverpflegung. Selbst Fastfood und Hundefutter würden nur mit dem ermäßigten Satz von sieben Prozent belegt.

Andrea Lambeck von der Plattform Ernährung und Bewegung sah eine Chance für das Thema Ernährung darin, dass immer mehr Schulen in den Ganztagsbetrieb übergehen. In diesem Rahmen sei auch eine „Ritualisierung des Schulfrühstücks“ möglich. Tatsächlich wirke sich fehlendes Frühstück negativ auf die Schulnoten aus, erklärte Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München. Etwa 20 bis 30 Prozent der Schüler würden in Deutschland ohne Frühstück in die Schule gehen – was ihrem Leistungsvermögen abträglich sei. Koletzko plädierte dafür, dass Schulen grundsätzlich Wasser kostenlos anbieten und zuckerhaltige Getränke bannen sollen. So habe nach einer Studie die Installation von Wasserspendern in einer Schule nach nur einem Jahr zu dreißig Prozent weniger übergewichtigen Schülern beigetragen. Grundsätzlich gelte: Das Problem Übergewicht entstehe im Grundschulalter, erklärte die Expertin Lambeck. „Die Kinder nehmen in der Grundschulzeit zu, während sie bei der Einschulung noch nicht so übergewichtig sind.“

Union: Familien nicht aus der Verantwortung nehmen

„Eine Schulverpflegung für alle muss Bestandteil des Schullebens werden. Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen, um diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu lösen“, befand die zuständige Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion, Petra Crone, im Anschluss an die Anhörung. Die CDU/CSU-Fraktion belässt die Verantwortung bei den Ländern – und bei den Familien. Ihre Vertreter in dem Ausschuss stellten fest: „Als Ergebnis der Anhörung lässt sich festhalten, dass die Verpflegung in Schulmensen fast flächendeckend verbessert werden muss. Dabei geht es nicht nur um die Qualität der Speisen, sondern auch um die Ausstattung der Räumlichkeiten. Deshalb fordern wir die Bundesländer auf, ihren Beitrag zur Gesundheitserziehung zu leisten und gemeinsame Mindeststandards bei der Schulverpflegung zu schaffen. Die Einführung eines Schulfachs Ernährung sollte eingehend geprüft werden.“  Bei allen Überlegungen zu politischen Maßnahmen dürfe die zentrale Verantwortung der Familien in Ernährungsfragen jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

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