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„Mein Lehrer zwang mich, zu singen“

HAMBURG. Der Regisseur Werner Herzog wurde in der Schule gezwungen, vor seiner Klasse zu singen. Das sei eigentlich keine Strafe gewesen, sondern Teil des Unterrichts.

Es sei nach dem Alphabet gegangen und jeder Schüler hatte einmal vorsingen müssen. Als die Reihe an ihm gewesen sei, weigerte er sich, sagte der 69-Jährige dem Zeit-Magazin. Er habe einfach nicht gewollt. Also sei der Direktor gerufen worden und die ganze Klasse in Geiselhaft genommen worden. Der Direktor habe gesagt, die Schüler könnten erst in die Pause, wenn er gesungen hätte. Herzog verweigerte sich eine knappe Stunde, dann gab er auf. Er habe gesungen und sich anschließend geschworen, nie wieder zu singen. Schlagartig sei Musik danach für ihn erledigt gewesen.

Werner Herzogs Begeisterung für Musik wurde in jungen Jahren schwer beschädigt (Foto: Commonurblock23/Wikimedia CC BY-SA 2.0)

Werner Herzogs Begeisterung für Musik wurde in jungen Jahren schwer beschädigt (Foto: Commonurbock23/Wikimedia CC BY-SA 2.0)

Aktuelle Musik habe ihn nicht mehr begeistern können. Er sei fast nie in Rockkonzerte gegangen. Nur einmal, Ende der Siebziger Jahre, habe Mick Jagger ihn mit zu einem Konzert von Pink Floyd geschleppt. Das habe ihn aber auch nicht beeindruckt.

Eines Tages sei der Alptraum des Vorsingens dann doch überwunden gewesen. Vielleicht habe er das der Arbeit an seinen Filmen zu verdanken, vermutet der Regisseur. Da habe er Musik immer sehr bewußt eingesetzt.

In den achtziger Jahren begann Herzog sogar, erfolgreich klassische Opern zu inszenieren. Heute spiele er manchmal damit, dass er keine Ahnung von Musik habe, sagte  er dem Zeit-Magazin. Er warne die Dirigenten, mit denen er arbeite, dass er keine Noten lesen könne. Riccardo Muti, mit dem er einmal an der Mailänder Scala an „Fidelio“ arbeitete, habe er gesagt: „Maestro, Fidelio ist meine Lieblingsoper von Mozart.“ Sein Lächeln sei gefroren und lachend habe Herzog ihn aufgeklärt, dass er sehr wohl wisse, dass die Oper von Beethoven sei.

Neulich habe er sogar wieder gesungen: Happy Birthday für seinen Sohn. Es sei nicht gut gewesen, aber habe Spaß gemacht. (nin)

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