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Pannenserie um die zentrale Uni-Zulassung setzt sich fort

BERLIN. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) gerät immer stärker unter Druck: Beim zum Wintersemester 2012/2013 avisierten Start der bundesweiten Online-Bewerbung fürs Studium werden wohl viele Hochschulen nicht angeschlossen sein – wenn das System überhaupt starten kann.

"Auswechsel- statt Regierungsbank": Der Hochschulverband kritisiert Ministerin Annette Schavan scharf. Foto: Andreas Schepers / Wikimedia Commons(CC-BY-SA-3.0)

"Eine Enttäuschung": SPD und Grüne kritisieren Ministerin Annette Schavan scharf. Foto: Andreas Schepers / Wikimedia Commons(CC-BY-SA-3.0)

„Offensichtlich wird es mit der umfassenden Lösung wieder nichts“, sagte der zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss, Klaus Hagemann. „Nach Aussagen des Bundesbildungsministeriums befinden sich die technischen Lösungen für die Anbindung der Universitäten an die vom Bund finanzierte, einsatzbereite Software noch immer ‚in der laufenden Bestellphase‘“. Auch das Bundesbildungsministerium räume ein, dass ein Probelauf bislang noch nicht stattgefunden habe. Die Frage, wie viele Hochschulen aktuell stabil an das System angeschlossen seien, habe das Haus nicht beantworten können. „Es ist verwunderlich, dass Ministerin Schavan zwar für ein Computerprogramm bezahlt, dann aber dessen Einsatz nicht vertraglich sichergestellt hat. Gerade auf dem Höhepunkt des Studieninteresses steht Deutschland ohne bundesweit funktionierendes Hochschulzulassungsverfahren da“, sagte Hagemann.

Kai Gehring, Sprecher der Grünen-Fraktion für Hochschulpolitik, erklärte: „Das fortdauernde Versagen des dialogorientierten Serviceverfahrens ist eine schwere Schlappe für Schavan und eine Blamage für den Technologiestandort Deutschland. Für Studienberechtigte und Hochschulen ist das andauernde Zulassungschaos eine Zumutung und die wiederholte Warteschleife ohne verlässliches System eine Enttäuschung.“  Dilettantisches Projektmanagement und politisches Versagen des Bundesbildungsministeriums hätten zur Verschleppung und Verschärfung der Zulassungsprobleme geführt.  „Anstatt das Zulassungschaos als Zaungast zu beobachten, muss Ministerin Schavan endlich als Krisenmanagerin eingreifen und das Projektmanagement zur Chefinnensache machen“, forderte Gehring.

Erster Anlauf scheiterte bereits 2008

“Dialogorientiertes Serviceverfahren”, kurz DoSV, heißt das geplante System, das Bewerbungen an Hochschulen verwalten soll. Es geht dabei um einen Nachfolger des bisherigen Systems der Zentralen Vergabestelle (ZVS). Das neue Bewerbungsverfahren ist für alle lokal zulassungsbeschränkten Studiengänge gedacht, das sind derzeit etwa die Hälfte. Bisher müssen sich Abiturienten dafür bei jeder einzelnen Hochschule bewerben; ein zentrales Verfahren gab es zuletzt nur noch für Pharmazie und die medizinischen Fächer.

Die dezentrale Bewerbung bringt jedoch Koordinationsprobleme mit sich. Weil sich viele Studierwillige bei mehreren Unis bewerben, wissen die Hochschulen zunächst nicht, wer am Ende wirklich kommt. Die Folge sind aufwendige Nachrückverfahren. In den vergangenen Semestern sind deshalb Zehntausende Studienplätze wochenlang oder ganz unbesetzt geblieben. Das soll die neue Software verhindern.

Ein erster Anlauf zur Umsetzung des neuen Verfahrens scheiterte bereits 2008. Die Unis fürchteten laut „Hamburger Abendblatt“ um ihre Autonomie bei der Bewerberauswahl. Anfang 2011 sollte das überarbeitete Konzept dann getestet werden. Doch im April hieß es dann, dass der Probelauf scheitern würde. Technisch habe sich die Anbindung der Hochschulen an das DoSV als Schwachpunkt erwiesen; Probleme mit Support und Datenschutz habe es zudem gegeben, berichtete das Blatt. Der Bund finanzierte den – bislang gescheiterten – Anschub von DoSV mit 15 Millionen Euro; für den künftigen Aufwand werden die Länder aufkommen müssen.

Zum Bericht “‘Studienplatz-Chaos’: Professoren nehmen Schavan ins Visier”

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