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„Förderschulen meist eine Sackgasse“: Jakob-Muth-Preis verliehen

GÜTERSLOH. Den „Jakob Muth-Preis für inklusive Schule” 2011/12 haben die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule im brandenburgischen Birkenwerder, die Gemeinschaftsgrundschule Eitorf in Nordrhein-Westfalen, die Grundschule Langbargheide in Hamburg und das Regionale Integrationskonzept Altenmedingen, Bad Bevensen, Bienenbüttel und Himbergen in Niedersachsen erhalten.

Gemeinsamer Unterricht an der Grundschule Langbargheide. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes

Gemeinsamer Unterricht an der Grundschule Langbargheide. Foto: Bertelsmann Stiftung / Ulfert Engelkes

„Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Begründungen”, meint Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen und – neben der Deutschen UNESCO-Kommision, der Sinn-Stiftung und der Bertelsmann Stiftung – einer der Träger des Preises. „Die diesjährigen Gewinner des Jakob Muth-Preises und viele weitere Bewerberschulen zeigen eindrucksvoll, wie Inklusion im Schulalltag gelebt wird und funktioniert und wie sie die Leistungen von behinderten und nicht behinderten Schülern steigert“, sagte Hüppe. „Besonders beeindruckt mich, dass an den Preisträgerschulen Leistung und Gerechtigkeit keine Gegensätze sind. Davon kann unser Bildungssystem als Ganzes lernen”, betonte Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Die seit Anfang 2009 für Deutschland verbindliche UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert nach Möglichkeit inklusive Bildung für alle Kinder. In Deutschland bleibe das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf jedoch die Ausnahme, so heißt es in einer Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung. Im Schuljahr 2009/2010 habe nur jeder fünfte Förderschüler eine Regelschule besucht, alle anderen seien in getrennten Förderschulen unterrichtet worden. „Doch das Förderschulsystem erweist sich meist als Sackgasse: Drei Viertel der Förderschüler verlassen die Schule Jahr für Jahr ohne Hauptschulabschluss“, meint die Stiftung. In vielen europäischen Ländern wie Spanien, Italien oder Schweden sei inklusiver Unterricht hingegen längst Alltag. Unter den deutschen Bundesländern seien Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin die Spitzenreiter beim Ausbau inklusiver Bildungsangebote.

Für ihren vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern erhalten die vier Preisträger jeweils ein Preisgeld von 3.000 bzw. 5.000 Euro. Der Preis ist benannt nach einem Vorkämpfer und Wegbereiter des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern, dem Pädagogen Jakob Muth (1927-1993). Mit der Auszeichnung wollen die Projektträger positive Beispiele für gemeinsamen Unterricht bekannt machen und zur Nachahmung anregen. Insgesamt hatten sich 90 Schulen aller Schulformen aus ganz Deutschland für den Jakob Muth-Preis beworben.

(22.1.2012)

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