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Albert-Schweitzer-Schule in Neukölln bekommt erneut Wachschutz

BERLIN. Nur einen Tag nach dem Abzug des jährlich 700.000 Euro teuren Wachschutzes an 16 Schulen im Berliner Stadtteil Neukölln hat es am Albert-Schweitzer-Gymnasium einen drastischen Zwischenfall gegeben. Ab Montag wird die Schule nun wieder bewacht – von Ein-Euro-Jobbern. Das berichtet die „Berliner Morgenpost“.

Die Albert-Schweitzer-Schule wird ab Montag wieder bewacht; Foto: Jan Brünig / Wikimedia Commons

Die Albert-Schweitzer-Schule wird ab Montag wieder bewacht; Foto: Jan Brünig / Wikimedia Commons

Nachdem ein privater Wachdienst an 16 Neuköllner Schulen trotz heftiger Kritik von Schule, Eltern und Lehrern zu Beginn des Jahres aus Kostengründen abgeschafft wurde, sind am Albert-Schweitzer-Gymnasium ab Montag wieder drei Sicherheitsleute im Einsatz. Das bestätigte Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) dem „Tagesspiegel“. Die drei Männer, die eine Wachschutzprüfung abgelegt haben, werden von sieben Uhr bis 16 Uhr vor Ort sein. Das Geld für den Einsatz der Sicherheitskräfte komme vom Jobcenter und reiche aus, um bis zu acht Schulen in Neukölln bewachen zu lassen. Es müsse nun geprüft werden, bei welchen Schulen der Bedarf am größten ist, sagte Giffey dem „Tagesspiegel“. Dies sei eine „Notlösung“, die bis zum Ende des Schuljahres befristet sei, aber aufgrund des schwerwiegenden Vorfalls am Albert-Schweitzer-Gymnasium nötig gewesen wäre.

Nur einen Tag nach dem Abzug des Wachpersonals hatten zwei Oberstufenschüler auf der Jungentoilette im Erdgeschoss offenbar Drogenabhängige gefunden, die sich etwas gespritzt hatten. Sie verständigten den Schulleiter Georg Krapp. Wie die Schüler berichten, hätten sie eine Frau und einen bewusstlos wirkenden Mann gesehen, dem eine Spritze aus dem Arm hing. Die Jungen – „eigentlich gestandene Kerle“ – hätten erschüttert gewirkt und so etwas offenbar noch nicht erlebt, sagte Schulleiter Krapp dem „Tagesspiegel“. Daraufhin habe der Schulleiter selbst nachgesehen, die Toilettentür verriegelt und die Polizei sowie einen Rettungswagen verständigt. Die beiden seien am Leben gewesen, hätten aber deutlich unter Drogeneinfluss gestanden. Der Schulleiter sei froh, dass sich der Zwischenfall während der Unterrichtszeit ereignete und ihn daher nicht so viele Schüler mitbekommen hätten, heißt es im „Tagesspiegel“.

Vor der Entscheidung über den erneuten Einsatz eines Wachdienstes sagte Krapp gegenüber der „Berliner Morgenpost“, dass das Land in der Pflicht sei, für die Sicherheit der Lehrer und Schüler in der Schule zu sorgen. Der Senat müsse das Geld zur Verfügung stellen, wenn ein Wachschutz nötig sei. Die Schule falle in den Zustand von vor vier Jahren zurück. Seit der Einführung des Wachschutzes habe es keinen einzigen Störfall gegeben. Zuvor seien Pöbeleien, Gewalt und Diebstahl durch Schulfremde häufig vorgekommen.

Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) sagte der „Berliner Morgenpost“, dass ihn der Vorfall nicht überrasche. Er habe sich 2007 – trotz heftiger Kritik aus den eigenen Reihen – für einen Wachdienst eingesetzt: „Das haben wir nicht gemacht, weil wir zu viel Geld hatten, sondern weil es dringend nötig war, die Lehrer und Schüler zu schützen“, so Buschkowsky gegenüber dem Blatt.

Auch Hartwig Beier, Schulleiter der Clay-Oberschule in Rudow, äußerte seine Bedenken zu dem Abzug des Wachpersonals. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, rief er die Schüler in einem Brief zu mehr Wachsamkeit auf und verpflichtete die Lehrer zu zusätzlichen Aufsichten in den Pausen. Beier sagte, dass er die Lehrer während der Unterrichtszeit unmöglich patrouillieren lassen könne. Schließlich könnten die Pädagogen schon jetzt nur durch viel Mehrarbeit überhaupt den Unterrichtsbedarf abdecken. Mit dem Wachschutz hätten sie vier Jahre lang ungestört arbeiten können, so Beier gegenüber der „Berliner Morgenpost“. FRAUKE KÖNIG

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