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Angestellte Lehrer fordern: Schluss mit Beamtenprivilegien

BERLIN. An Berliner Schulen kursiert ein „Manifest der angestellten Lehrkräfte“, in dem ein Ende der Ungleichbehandlung von angestellten und verbeamteten Lehrern gefordert wird. Tatsächlich verdient ein angestellter Lehrer netto rund 500 Euro weniger im Monat, weil Beamte keine Sozialabgaben zahlen müssen.

Ob der Lehrer angestellt oder verbeamtet ist, merkt der Schüler nicht - der Lehrer wohl. Foto: Luis Priboschek

Ob der Lehrer angestellt oder verbeamtet ist, merkt der Schüler nicht - der Lehrer wohl. Foto: Luis Priboschek

„Berlin bietet gut ausgebildeten Lehrern und Lehrerinnen keine berufliche Perspektive“, heißt es in dem Schreiben, mit dem derzeit in Berlin Unterschriften gesammelt werden, um damit die neue  Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) unter Druck zu setzen. Denn: „Im Gegensatz zu der Mehrheit der Bundesländer werden Junglehrer in Berlin nicht verbeamtet und die angestellten Lehrkräfte werden gegenüber ihren beamteten Kollegen ungleich behandelt.“ Und das wollen die Initiatoren, eine Gruppe namens „Bildet Berlin!“ (eine Umkehrung des offiziellen Slogans „Berlin bildet!“), nicht länger hinnehmen. Der Initiative gehören nach eigenen Angaben gut 120 angestellte Lehrer aus 55 Berliner Schulen an. Sie kritisieren konkret, dass …

  • … ein angestellter Lehrer im Verlauf seiner Berufsjahre deutlich weniger verdiene als sein beamteter Kollege,
  • … es im Krankheitsfall, bei der Altersvorsorge sowie der späteren Altersversorgung gravierende Ungleichheiten gebe,
  • … Familien nicht in gleicher Weise unterstützt würden.

Die Folge sei ein Qualitätsverlust bei der Bildung, denn qualifizierte und engagierte Lehrkräfte verließen Berlin. In Anbetracht der Pensionierungswelle fehlten die Nachwuchskräfte und nicht besetzte Stellen führten zu Unterrichtsausfall. Die Initiative fordert deshalb entweder die Verbeamtung für alle – oder:

  1. Gehaltsstufen und ein Nettoverdienst, die dem Vergleich mit Beamten standhielten,
  2. Zahlung eines Krankengeldzuschusses über die 39. Woche hinaus sowie  Zahlung eines Zuschusses für eine Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung,
  3. eine gleiche Berücksichtigung der Familienverhältnisse von angestellten und beamteten Lehrkräften und
  4. den Ausgleich gravierender Unterschiede bei Altersvorsorge und der späteren Altersversorgung.

Das Land Berlin hatte 2003 beschlossen, seine Lehrer nicht mehr zu verbeamten. Das hatten laut „Berliner Zeitung“ seinerzeit alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien mit den hohen Pensionslasten, die später fällig werden, begründet. Allerdings sind mittlerweile nahezu alle Bundesländer zur Verbeamtung von Lehrern zurückgekehrt, zuletzt auch Brandenburg, oder aber haben die Verbeamtung stets beibehalten. Denn: Angestellte Lehrer sind zunächst teurer, weil für sie Sozialabgaben zu zahlen sind. Die Folge der unterschiedlichen Praxis in den Bundeländern: In den vergangenen Monaten haben laut „Berliner Zeitung“ bereits mehr als 100 Berliner Junglehrer so genannte Freistellungsanträge gestellt, um aus dem Berliner Schuldienst ausscheiden zu können und in ein anderes Bundesland zu wechseln.

Wowereit gegen verbeamtete Lehrer

Bei den jüngsten Koalitionsverhandlungen in Berlin habe sich vor allem die CDU für die Rückkehr zur Verbeamtung eingesetzt, berichtet die Zeitung, doch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe dies durch persönliche Intervention verhindert. „Als Volksbildungsstadtrat von Tempelhof  hatte er in den1980er Jahren offenbar verstörende Erfahrungen mit verbeamteten Lehrern gemacht. Vor allem die Tatsache, dass verbeamtet Lehrer rechtlich gesehen über Jahre bei vollem Gehaltsbezug krank zu Hause bleiben können, haben Wowereit zu einem erbitterten Feind der Lehrerverbeamtung gemacht“, so schreibt das Blatt.

Der Streit um die Ungleichbehandlung von angestellten und verbeamteten Lehrern ist nicht neu.  In Nordrhein-Westfalen etwa gibt es die „Schutzgemeinschaft angestellter Lehrerinnen und Lehrer“, die vergleichbare Forderungen wie die aktuelle Berliner Initiative stellt. „Es muss endlich Schluss gemacht werden mit dem andauernden Skandal, dass ein angestellter Lehrer etwa 500 Euro netto pro Monat weniger verdient als ein verbeamteter Lehrer, obwohl er eine identische Ausbildung und Qualifikation besitzt“, sagt Rainer Lummer vom Landesvorstand der Gruppe, die seit mittlerweile zehn Jahren in NRW existiert. Erreicht hat sie allerdings bislang nichts, und auch die rot-grüne Landesregierung unternimmt – nachdem Schwarz-Gelb in dieser Frage untätig war – keinerlei Anstalten, die Ungleichbehandlung zu beenden. „Es gibt in der Koalition keine Verabredung, am Status quo in Sachen Verbeamtung etwas zu ändern”, betonte unlängst Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge. NINA BRAUN

Ein Kommentar

  1. sehr geehrte leser,
    wer dauerhaft im schweinestall lebt wird naturgemäß sich sprache und benehmen seines umfeldes annehmen oder sich krankmachend verweigern. seit jahren wurde blinder aktionissmuss in form von immer wieder neuen reformen proklamiert, jedoch nicht praktiziert, weil es versäumt wurde, die rahmenbedingungen derer zu verbessern, die ursächlich für die umsetzung verantwortlich waren – den lehrern-.
    ausfluss dieser politik sehen wir an den vielen abwanderungen vieler lehrer, den ausbildungsabbrechern und den ergebnissen der pisa studien.
    wenn herr wowereit ein trauma hinsichtlich verbeamteten lehrern mit sich trägt, bleibt er dennoch eine antwort den diskriminierten angestellten lehrern schuldig: trauma- keine beamten mehr, kein geld- schlechter bezahlte oder keine lehrer, keine motivierten lehrer- keine guten schüler, keine guten schüler- keine qualifizierten arbeitskräfte, keine facharbeiter- kein wirtschaftswachtum, …mein trauma lautet: berliner schulpolitik!
    ich grüße alle optimisten

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