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Dem Erfolg vietnamesischer Schüler auf der Spur

CHEMNITZ. Ein Projekt der Technischen Universität Chemnitz soll das Bildungsverhalten von Migranten erklären – und nimmt dafür vietnamesische Familien in den Blick.

Kinder aus vietnamesischen Familien sind in der Schule überdurchschnittlich erfolgreich: Foto:lechatpoilu / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Kinder aus vietnamesischen Familien sind in der Schule überdurchschnittlich erfolgreich. Foto: lechatpoilu / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Kinder aus Zuwandererfamilien gelten spätestens seit PISA als Problemgruppe im Schulsystem. Was dabei jedoch oftmals übersehen wird, sind die teilweise erheblichen Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen. Schüler mit vietnamesischem Migrationshintergrund sind in vielerlei Hinsicht sogar erfolgreicher als deutschstämmige Schüler. Weit über 50 Prozent der Kinder aus vietnamesischen Familien schaffen den Sprung auf das Gymnasium. Damit ist der Anteil der vietnamesischen Jugendlichen, die zum Abitur streben, höher als der Anteil unter deutschen Schülern. Und gegenüber ihren Alterskollegen aus türkischen Familien liegt die Gymnasialquote sogar fast fünfmal so hoch.

Warum sind unterschiedliche Herkunftsgruppen unterschiedlich bildungserfolgreich? Mit dem gleichlautenden Projekt wollen Soziologen der Technischen Universität Chemnitz und Erziehungswissenschaftler der Universität Hamburg den Ursachen für das bessere Abschneiden von jungen Menschen aus vietnamesischen Familien im Vergleich zu türkischen und deutschen Familien auf den Grund gehen. Zu diesem Zweck werden in Sachsen und Hamburg persönliche Interviews mit mehr als 1.500 Müttern aus diesen drei Zielgruppen und ihren Kindern durchgeführt.

Angebote der Elternbildung verbessern

Im Zentrum der Untersuchung stehen die Ausstattung der Familien mit bestimmten Ressourcen sowie elterliche Bildungsinvestitionen zum Zeitpunkt des Übergangs der Kinder in den Kindergarten, die Grundschule, die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II bzw. das Berufsbildungssystem. Unter anderem soll geklärt werden, welche Bedeutung dem Bildungsniveau der Eltern und deren Vertrautheit mit den Organisationsformen und Anforderungen des deutschen Bildungssystems hinsichtlich der Schulleistungen und Sprachkompetenzen ihrer Kinder zukommt. Ebenso von Interesse ist die Frage, welche Wege der Beschaffung relevanter Informationen den Eltern offen stehen und inwiefern persönliche Bezugspersonen der Familie einen Einfluss auf Bildungsentscheidungen ausüben.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens versprechen Aufschluss darüber, welche familialen Bedingungen besonders förderlich für Bildungserfolg sind. Damit leiste das Projekt einen wichtigen Beitrag für die Bildungspraxis, wie Prof. Dr. Bernhard Nauck, Inhaber der Professur Allgemeine Soziologie an der TU Chemnitz, betont: „Wir schaffen eine empirische Grundlage für die Gestaltung beziehungsweise Optimierung von Angeboten der Elternbildung, die an den vorgefundenen Erfolgsstrategien familialer Unterstützung anknüpfen.“ Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt für das auf drei Jahre angelegte Projekt eine halbe Million Euro zur Verfügung.

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