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Kinderarmut geht zurück – aber …

BERLIN. Die Zahl der von Armut betroffenen Kinder in Deutschland sinkt. Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt, ist die Zahl der minderjährigen Hartz-IV-Empfänger in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen. Der Kinderschutzbund sieht jedoch keinen Grund zur Entwarnung: Der Rückgang sei wesentlich weniger deutlich, als er auf den ersten Blick erscheine.

Die Zahl der unter 15-Jährigen, die staatliche Grundsicherung erhielten, ist in der vergangenen fünf Jahren um rund 250.000 gesunken. Foto: apdk / Flickr (CC BY 2.0)

Die Zahl der unter 15-Jährigen, die staatliche Grundsicherung erhielten, ist in der vergangenen fünf Jahren um rund 250.000 gesunken. Foto: apdk / Flickr (CC BY 2.0)

Von September 2006 bis September 2011 sank laut „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) die Zahl der unter 15-Jährigen, die staatliche Grundsicherung erhielten, von knapp 1,9 Millionen auf etwa 1,64 Millionen. Besonders deutlich sei der Rückgang im vergangenen Jahr gewesen: Von September 2010 bis September 2011 sei die Zahl der unter 15-Jährigen in Hartz-IV-Haushalten um fast 84.000 geschrumpft. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), werte dies als Erfolg: „Weniger Kinder in Hartz IV bedeutet, dass es den Jobcentern gelungen ist, ihre Eltern in Beschäftigung zu integrieren”, so zitiert ihn die SZ. Die Chance, eine Arbeit zu finden, sei heute deutlich besser als vor drei oder vier Jahren. „Auch Langzeitarbeitslose oder Geringqualifizierte profitieren verstärkt von der Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes”, sagte er dem Bericht zufolge.

Die Auswertung der BA zeige aber, dass es große regionale Unterschiede gebe: Der Rückgang sei in Bayern am deutlichsten ausgefallen, in Stadtstaaten wie Bremen oder Hamburg oder im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen habe er dagegen zum Teil deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von minus 13,5 Prozent gelegen. Schlusslicht sei  Berlin: In der Bundeshauptstadt hat sich die Zahl der hilfebedürftigen Kinder im gleichen Zeitraum nur um 1,2 Prozent verringert. Mehr als jedes dritte Kind unter 15 Jahren lebt in Berlin von Hartz IV. Bundesweit trifft dies auf fast jedes siebte (15,1 Prozent) zu.

Die Zahl der Kinder ist rückläufig

Für die Bundesregierung ist die Entwicklung ein Zeichen für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Der veränderte Blick der Wirtschaft auf Frauen mit Kindern und der veränderte Blick der Jobcenter bei der Vermittlung von Frauen mit Kindern zahlt sich allmählich aus”, so zitiert „Welt Online“ Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Der Deutsche Kinderschutzbund warnte hingegen davor, aus den Zahlen falsche Schlüsse  zu ziehen. Zwar sei die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die Sozialgeld (Hartz IV) beziehen, von 2006 bis heute um annähernd 250.000 gesunken, aber: Die Zahl der Kinder in Deutschland sei auch rückläufig. Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, rechnete vor: „Seit dem Jahr 2006 gibt es fast 750.000 Kinder unter 15 Jahren weniger in unserem Land. Wenn es also immer weniger Kinder gibt, so ist es keine Überraschung, dass in absoluten Zahlen betrachtet auch immer weniger Kinder von Sozialleistungen leben.” Der Rückgang der Armutsgefährdungsquote betrage zwischen September 2006 und September 2011 lediglich 1,5 Prozentpunkte.  Seien 2006 noch 16,6 Prozent der Kinder unter 15 Jahren hilfebedürftig gewesen, so seien es nach den aktuellsten Erhebungen 15,1 Prozent. „Dies ist zwar eine positive Entwicklung, die derzeitige Berichterstattung irritiert jedoch, da sie einen deutlich stärkeren Rückgang der Kinderarmut suggeriert“, befand Hilgers und meinte:  „Kinderarmut ist nach wie vor eines der dringendsten Probleme unserer Gesellschaft.” NINA BRAUN

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