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Unterrichtsausfall: Verband fordert Lehrerversorgung von 110 Prozent

BERLIN. Dass mehrere zehntausend junge Lehrer keine feste Beschäftigung hätten, nennt Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, einen Skandal. Denn, so hat der Verband ermittelt: Schüler an Gymnasien verpassen in ihrer Schullaufbahn ein ganzes Schuljahr, weil Unterricht ausfällt. Zehn Prozent des Unterrichts in Deutschland finden nicht regulär statt.

Pro Woche müssten an Deutschlands allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen regulär rund 14 Millionen Stunden unterrichtet werden, rechnet der Verband vor. Je nach Land und je nach Schulform fielen zwischen zwei und fünf Prozent ersatzlos aus, weitere vier bis fünf Prozent müssen in Mehrarbeit durch andere Lehrer, zum Teil fachfremd, vertreten werden. Das ergebe pro Woche in Deutschland rund 1,2 Millionen Unterrichtsstunden, die nicht regulär stattfänden. Diese Zahl entspreche der Unterrichtsverpflichtung von rund 45.000 Vollzeit-Lehrern – was geschätzt in etwa der Zahl der Nachwuchslehrer entspreche,  die ohne adäquate Beschäftigung seien. „Viele fristen ihre berufliche Existenz als Aushilfslehrer, in den wenigeren Fällen in Vollzeit und mit Jahresvertrag. Bei diesen befristeten Beschäftigungen handelt es sich häufig um Drei- bis Sechsmonatsverträge; selbst wenn ein sonst beschäftigungsloser Lehrer einen Jahresvertrag hat, kann es sein, dass die großen Ferien ausgeschlossen sind, es sich also nur um einen 10,5-Monate-Vertrag handelt“, erklärt Kraus.

Fachspezifisch besonders ungünstig seien die Aussichten für Lehrer der Fächer Deutsch, Englisch, Geschichte. Hier reichten zuletzt nicht einmal Examensnoten um die Note 1,3 für eine unbefristete Anstellung. Die günstigsten Aussichten hätten Lehrer folgender Unterrichtsfächer: an den allgemeinbildenden Schulen in Mathematik, Physik, Informatik, an den Gymnasien zusätzlich in Latein; an den berufsbildenden Schulen in Elektrotechnik, Metalltechnik, Informationstechnik sowie in wirtschaftlich-kaufmännischen Fächern. „Selbst wenn es in einigen Fachbereichen ein Überangebot an Nachwuchslehrern gibt, muss ein Einstellungskorridor für Nachwuchslehrer offen bleiben“, fordert Kraus.

Denn: Die Schulen bräuchten eine Lehrerversorgung von 110 Prozent, damit halbwegs ertragreiche unterrichtliche Rahmenbedingungen geschaffen seien, meint Kraus. Die Finanzierung dieses zehnprozentigen Zuschlags an Lehrerstunden für jede einzelne Schule müsse möglich sein, zumal Deutschland gemessen am Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt international allenfalls Mittelmaß sei. Eine Unterrichtsversorgung von 110 Prozent ließe nicht nur Unterrichtsausfall vermeiden, sondern sie erlaube auch die Einrichtung von Förderkursen für schwächere und für besonders begabte Schüler.

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