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„Positive Pädagogik“: Wege zu mehr Lernfreude und Schulglück

HANNOVER. Fragt man nach der Leistung in den Schulen, geht es häufig nur um die PISA-Studie und Standardisierungen. Das Glück spielt hingegen in vielen Schulen keine entscheidende Rolle. Das sagte Olaf Axel Burow, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel, in seinem Vortrag „Positive Pädagogik? Gibt es Glück in der Schule?“ auf der Bildungsmesse „didacta“. Ihm zufolge sind Schulglück und gute Schulleistungen jedoch keine Gegensätze, sondern sie bedingen einander. Der Wissenschaftler erklärte in seinem Referat, wie das Glück aus der Schule verschwand, und gab Tipps, wie man es dorthin zurückholen kann.

Erziehungswissenschaftler Burow will mit seiner "Positiven Pädagogik" das Glück zurück in die Schule bringen; Foto: steve prinz / pixelio.de

Erziehungswissenschaftler Burow will mit seiner "Positiven Pädagogik" das Glück zurück in die Schule bringen; Foto: steve prinz / pixelio.de

Eine Hauptursache in dem Verschwinden des Schulglücks sieht Burow darin, dass Stärken und Neigungen der Kinder in der Schule oft nicht erkannt und gefördert werden. Häufig hätten die Kinder und Jugendlichen nur wenige Gelingenserlebnisse in der Schule. Soweit die schlechte Nachricht, die gute: Laut dem Professor wissen die Lehrer selbst, wie eine optimale Schule und Lernumgebung aussieht, und müssen das nicht von den Forschern vorgeschrieben bekommen. „Wir machen die Schulentwicklung viel zu kompliziert. Das Wissen ist im Feld vorhanden und muss freigesetzt werden“, so der Erziehungswissenschaftler. Die besten Schulentwicklungsexperten sind ihm zufolge eine gemischte Gruppe aus Schülern, Lehrern, Eltern und Wissenschaftlern.

Ein Glückserlebnis und „Flow“ tritt Burow zufolge auf, wenn man seiner Leidenschaft folgt. Leute, wie beispielsweise der vor Kurzem verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs, seien so erfolgreich, weil sie Dinge aus Spaß gemacht haben, und nicht, weil sie von außen dazu angetrieben worden sind. „Schulen müssen Schülern und Lehrern die Möglichkeit geben, ihr Element zu erkennen und ihrer Leidenschaft zu folgen“, sagte er. Allerdings versuche die Schule alles zu regeln und diese überzogene Außensteuerung verhindere die Erfahrung von Selbstbestimmung und Glück. Denn gerade diese Selbstbestimmung, die Perfektionierung, also das Bedürfnis, an Sachen zu arbeiten, die einem leicht fallen, und die Sinnerfüllung seien wichtige Quellen für erfolgreiches Lernen und Schulglück.

Wichtig für eine gute Schule seien engagierte Schulleitungen, die pädagogische Visionen nicht nur predigen, sondern leben, so Burow in seinem Vortrag. Allerdings sei die Schule ein so komplexes System, dass man sie nicht steuern könne. Man müsse geeignete Rahmenbedingungen und ein „kreatives Feld“ schaffen, in dem sich Schüler entwickeln können. „Was man werden kann, hängt nicht nur von den eigenen Fähigkeiten ab, sondern auch vom Umfeld“, erklärte der Fachmann.

Er empfiehlt unter anderem, Schüler zu „Synergiepartnern“ zusammenzubringen, also ein Matheass mit einem Deutsch- und Literaturbegeistertem zu vernetzen. Apple-Gründer Steve Jobs habe keine Ahnung von Technik gehabt und sich deswegen mit einem Freund zusammengetan, der dies gut beherrschte und ihm dabei helfen konnte. Davon hätten beide profitiert. „Die Schule nutzt viel zu wenig, die Fähigkeiten von Heranwachsenden, die entdeckt haben, was sie mögen“, sagte Burow. Stattdessen würde geschaut, dass alle das Gleiche können. Allerdings sei eine derartige Massenproduktion nicht mehr zeitgemäß.

Um das Glück zurück in die Schule zu holen, hat er auf Basis seiner theoretischen Studien und praktischen Arbeit mit Kollegien verschiedene Wege beschrieben, die sich bewährt haben. Sie reichen von großen Projekten, wie einer „Renovierung  als Chance“, über „Schulgrünung statt Burnout“ bis hin zur Arbeit mit „Zukunftswerkstätten“ und dem Verfahren der „Wertschätzenden Schulentwicklung“, für das es keine außergewöhnlichen Voraussetzungen braucht. Beispielsweise rät Burow den Pädagogen – auch in Zusammenarbeit mit Schülern und im Austausch mit Kollegen – zunächst die besten Erfahrungen aufzuschreiben, die sie gemacht haben und dann im nächsten Schritt zu schauen, wie man diese positiven Erlebnisse vermehren kann. Die Kollegien entwerfen unter anderem Diagnose-Plakate, die die Wertschätzung der Schularbeit wiedergeben und schreiben Prinzipien wie Teamarbeit und Gemeinschaft auf, die für ihre Schule und das Schulglück wichtig sind. Die so entwickelten Visionen von einer guten Schule  gelte es dann, Schritt für Schritt gemeinsam umzusetzen. FRAUKE KÖNIG

Nähere Informationen finden Sie im Buch von Olaf Axel Burow: „Positiven Pädagogik – Sieben Wege zu Lernfreude und Schulglück“, erschienen im Beltz Verlag, 26,95 Euro.

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