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Fall Chantal: Lehrerin alarmierte das Jugendamt – vergeblich

HAMBURG. Die Vorwürfe an das zuständige Jugendamt im Fall des an einer Methadon-Vergiftung gestorbenen Pflegekinds Chantal (11) werden immer härter:  Wie jetzt bekannt wurde, hat eine Lehrerin der kleinen Stiefschwester von Chantal mehrfach die Behörde im Stadtteil Wilhelmsburg um Hilfe gebeten – vergebens.

Dabei waren die Hinweise alarmierend, wie sich jetzt bei der Durchsicht der Akten aller vier Kinder der Familie durch die Schulbehörde herausstellte.  Dies berichtet die „Hamburger Morgenpost“. Zwar sei bei Chantal keinem Lehrer etwas aufgefallen. Dafür geriet das zweites Pflegekind der Familie, Ashley (8), in den Fokus der Aufmerksamkeit. Im Haushalt lebten zwei Pflegekinder und zwei leibliche Kinder der Pflegeeltern.

„Die Klassenleitung spricht von erheblicher Verwahrlosung, von Desinteresse seitens der Pflegeeltern und von einem groben und sehr lieblosen Umgang mit dem Kind“, so erklärte ein Behördensprecher gegenüber der Zeitung. Die Lehrerin habe auch davon gesprochen, dass das Kind teilweise von Terminen nicht abgeholt worden sei. Zunächst habe sich die Lehrerin an die Pflegeeltern gewandt. Als dies laut Bericht nichts brachte, habe sie im April 2011 mehrfach das Jugendamt um Hilfe gebeten. Die zuständige Mitarbeiterin habe sich überrascht gezeigt – und betont,  „dass es bei ihren Besuchen immer nach heiler Welt aussah. Die Aktenlage zeige: Trotz dieser Informationen wurde seitens des Jugendamtes nicht eingegriffen.

Chantal starb am 16. Januar an einer Vergiftung mit der Heroin-Ersatzdroge Methadon. Ermittler fanden in der Garage der Pflegeeltern Methadon-Tabletten. In der Wohnung soll es recht chaotisch ausgesehen haben. Chantal hatte offenbar nicht einmal ein eigenes Bett. Das Jugendamt will über Jahre keine Hinweise auf Drogenkonsum gehabt haben. Tatsächlich sollen die Pflegeeltern noch in jüngster Zeit harte Drogen konsumiert haben.

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