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„Helfer und Miterzieher“: Wie Schüler Lehrer entlasten

HANNOVER. Burn-out von Lehrern? Muss nicht sein – meint jedenfalls der renommierte Fortbilder und Buchautor Heinz Klippert. Er stellte auf der „didacta“ sein Programm zur Entlastung vor.  

Foto: Nina Braun

Heinz Klippert referierte vor 200 Lehren auf der "didacta". Foto: Nina Braun

Individuelle Förderung? „Nichts dagegen“, meinte Heinz Klippert. Daraus allerdings die Forderung abzuleiten, ein Lehrer müsse eine „lehrerzentrierte Einzelkindförderung“ samt individueller Diagnose und Betreuung leisten, sei vermessen. „Wie das gehen soll, kann ich nicht nachvollziehen“, sagt der Lehrerfortbilder, „der Anspruch treibt Lehrer in eine klassische Überforderungssituation“. Ohnehin  sei der Berufsstand arg belastet. Ein hoher Lärmpegel, das Desinteresse vieler Schüler und häufige Störungen setzten Lehrern zu. Andererseits gebe es an den Schulen hierzulande nicht so viel pädagogisches Personal, um den Unterricht zu zweit oder zu dritt gestalten zu können, und in absehbarer Zeit werde es solche Bedingungen, so wünschenswert und notwendig sie seien, auch kaum geben. Bleibt also nur die Resignation? Keineswegs, meint Klippert. Er empfiehlt eine Umgestaltung des Unterrichts,  konkret: „als Lehrer loszulassen – und Schüler stärker einzubeziehen“.

Methodentraining als Grundlage

Das geht allerdings nicht ohne Vorbereitung, wie Klippert bei seinem Vortrag vor rund 200 Lehrern anschaulich machte. Erstens, „eine konsequente Lernkompetenzförderung“, also ein Methodentraining der Schüler, sei zunächst notwendig, damit sie selbstreguliert lernen könnten. „Es gibt nichts Schöneres als Schüler, die zu arbeiten verstehen“, meinte der Experte und Buchautor. Darüber hinaus müsse das kooperative Lernen gefördert werden. Schüler könnten als Helfer und Miterzieher eingesetzt werden. Vorbild: das geschwisterliche Miteinander. „Viele Schüler sitzen dafür in den Startlöchern. Nur: Sie können es häufig noch nicht“, meinte Klippert. Deshalb sei es als Grundlage nötig, unter Einbeziehung der Schüler eindeutige Regeln zu entwickeln. Selbst Problemschüler ließen sich dann als „Regelwächter“ einsetzen. Dabei entwickelten sie häufig ein bemerkenswertes Engagement. Leistungsstärkere Schüler könnten es übernehmen, leistungsschwächere zu korrigieren und ihnen als Ansprechpartner bereitzustehen. Das Modell sei darüber hinaus für alle Beteiligten ein Gewinn. Auch die stärkeren Schüler profitierten. „Gute Schüler sind nicht die Benachteiligten, wenn wir sie einsetzen“, sagte der Fachmann, „Untersuchungen belegen, dass vom Erklären am meisten derjenige profitiert, der erklärt“.

Würden Schüler mit in die Verantwortung genommen, sei auch die Gruppenarbeit („eine sehr komplizierte Arbeitsform“) ein wirkungsvolles Instrument. In der Praxis sei häufig eine „Verwahrlosung in Grupppenarbeitsphasen“ zu beobachten – Disziplin und Lernlust litten gleichermaßen. Würden jedoch die Grundlagen der Gruppenarbeit mit den Schülern gemeinsam entwickelt, ließe sich die Motivation der Kinder und Jugendlichen enorm steigern. Würden dann noch Gruppen gebildet, denen jeweils immer auch mindestens ein leistungswilliger Schüler angehöre, dann entwickele sich ein „Selbsthilfepotenzial“, das den Lehrer entlaste.

„Wenn wir Selbstregulierung haben wollen, dann müssen wir sie entwickeln“, sagte Klippert. Der Aufwand allerdings lohne sich: „Der Lehrer kann dann vor die Tür gehen und es wird weiterhin in der Klasse gearbeitet“, versprach er. NINA BRAUN

Das aktuelle Buch von Heinz Klippert „Unterrichtsvorbereitung leicht gemacht“ ist erschienen im Beltz-Verlag. Mehr Informationen hier

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