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Immer mehr Kinder werden von Logopäden behandelt

HANNOVER. Sprechen unsere Kleinen immer schlechter? Bei mittlerweile jedem dritten Kind im Vorschulalter wird eine Sprachentwicklungsstörung festgestellt. Dies ist Ergebnis des „Arztreports“ der Krankenkasse Barmer GEK. Der Bericht beleuchtet die Gesundheit der Kinder in Deutschland.

Logopäden haben in Deutschland großen Zulauf. Foto: Barmer GEK

Logopäden haben in Deutschland großen Zulauf. Foto: Barmer GEK

Bezogen auf alle Kinder bis 14 Jahre in Deutschland liegt der Anteil derer mit Sprech- und Sprachstörungen bei 10,3 Prozent – was einer Zahl von mehr als 1,1 Millionen Kindern entspricht. Dabei, so heißt es in dem Bericht, fallen die Diagnoseraten bei Jungen durchgängig höher aus: Im sechsten Lebensjahr kommen sie auf einen Anteil von rund 38 Prozent, Mädchen auf 30 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Behandlung: 20 Prozent aller fünfjährigen Jungen erhalten eine Logopädie-Verordnung, dagegen nur 14 Prozent der gleichaltrigen Mädchen.

Hinter den hohen Diagnoseraten dürfte dem Autor des „Ärztereports“ zufolge,  Dr. Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) aus Hannover, vermutlich auch das Problem stecken, dass Sprachentwicklungsstörungen sich gerade bei jungen Kindern nur schwer erkennen lassen. „Hier fehlen in der ärztlichen Praxis offenbar zum Teil noch geeignete, praktikable und einheitlich angewendete Kriterien der Diagnoseerstellung“, sagte er.

Fast alle Vorschul-Kinder beim Kinderarzt

Bis einschließlich dem sechsten Lebensjahr haben jährlich mindestens 89 Prozent der Kinder ambulanten Kontakt zu einem Kinderarzt. Insgesamt liegt die Inanspruchnahme von Ärzten (Haus-, Kinder- und Fachärzte) in den ersten sechs Lebensjahren bei 98 Prozent. Der Anteil an Kindern ohne Kontakt zum Kinderarzt liegt in Bremen bei nur drei Prozent, in Berlin und Hamburg bei fünf Prozent. Flächenbundesländer wie Bayern oder Niedersachsen kommen dagegen auf zehn bzw. elf Prozent – und Mecklenburg-Vorpommern sogar auf rund 16 Prozent.

Hoch ist auch die Teilnahmerate bei den Kindervorsorgeuntersuchungen U5 bis U7 mit rund 95 Prozent, bei der U8 und U9 sind es etwa 90 Prozent. Eine Ausnahme bildet die 2008 eingeführte U7a. Hier zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Während im Saarland bereits rund 97 Prozent aller Kinder teilnehmen, sind es in Hamburg und Berlin erst rund 75 Prozent. Autor Grobe sieht hier Nachholbedarf: „Gerade in den Stadtstaaten haben wir einerseits eine starke Gesundheitsinfrastruktur, andererseits ausgeprägte Bedarfslagen. Bei den unterschiedlichen Teilnahmeraten dürfte aber auch die Einladepraxis eine maßgebliche Rolle spielen.“

Auffällig: die Häufigkeit von Diagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Dabei fällt auf, dass Jungen von diesen Diagnosen überdurchschnittlich betroffen sind.  So geht mittlerweile jeder zehnte neunjährige Junge zum Neurologen oder Psychiater, 60 Prozent davon mit der Diagnose ADHS. Zum Vergleich: Bei den neunjährigen Mädchen sind es sechs Prozent, davon rund 40 Prozent mit ADHS-Diagnose.

Und noch etwas bringen die Forscher vom ISEG ans Licht: Über elf Prozent aller Kinder zwischen 0 und 14 Jahren haben Neurodermitis. Bei den 0- bis 3-Jährigen sind es sogar rund 16 Prozent. Auffällig ist die regionale Verteilung: Alle ostdeutschen Bundesländer erreichen deutlich höhere Diagnoseraten. Spitzenreiter ist Thüringen (17,1 Prozent), gefolgt von Sachsen-Anhalt (16,4 Prozent) und Sachsen (15, 6 Prozent).

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