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Schwedens Privatschulen in der Kritik

STOCKHOLM. Schwedens Privatschulen, die von rund 20 Prozent der Schüler besucht werden, haben offenbar teilweise pädagogische Maßstäbe aus den Augen verloren. Das berichtet die „Financial Times Deutschland“.

Die Bildung sei weit in den Hintergrund gerückt, zitiert die Zeitung einen Bericht des Wirtschaftsprofessors Jonas Vlachos für einen wirtschaftsnahen Verband. Das verschaffe der Debatte eine neue Perspektive, bisher sei die Kritik vor allem aus linken Kreisen gekommen, schreibt die Zeitung.

In Schweden wurde vor 20 Jahren ein sogenanntes Vouchersystem eingeführt, danach erhalten staatliche wie private Schulen von Kommunen die gleichen Zuschüsse. Schüler zahlen kein Schulgeld. Ziel der Liberalisierung war, dass sich das beste pädagogische System durchsetzen sollte. Der harte Konkurrenzkampf um Schüler führt nun augenscheinlich zu Auswüchsen des Systems. Schulen versuchten Kinder und Jugendliche mit Studienreisen nach Thailand und Indien zu locken oder bieten Laptops zur Einschulung an. Sogar Noten würden als Köder verwendet werden, berichtet die „Financial Times“. So berichtet Vlachos davon, dass er Anzeichen dafür gefunden habe, dass eine Noteninflation stattfinde. Die Schwierigkeiten sind auch Bildungsminister Jan Börklund bekannt. Die Aufsichtsbehörde könne aber erst eingreifen, wenn es sich um klare Regelverstöße handele, sagte Alf Johansson von der Schulaufsichtsbehörde der  Wirtschaftszeitung. So wie im vergangenen Jahr, als die Aufsichtsbehörde eine Friskolor (Freischule) geschlossen habe, die ihren Schülern Fahrstunden spendiert habe. Auch der Leiter des Verbands der Freischulen in Schweden, Carl-Gustav Stawström findet, dass diese Schulen zu weit gegangen sind.

Experten wie Ökonom Vlachos fordern jetzt bessere Kontrollen, um minderwertige Schulen aussortieren zu können. Private Schulen dürften kein Selbstzweck sein, sondern müssten helfen das Bildungsniveau aller Schüler zu verbessern. (nin)

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