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Lachen macht den Lehrer gut

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, sagt der Volksmund. Zugegeben: Ein spätes Vergnügen ist besser als gar keins, aber ganz so puritanisch sollte man es in der Schule nicht angehen, findet Humortrainerin Eva Ullmann. Lehrer sollten mehr Humor wagen, denn das wirke sich positiv auf Unterricht und Lernen aus. „Wenn ich Humor benutze, stelle ich Vertrauen zu meinen Schülern her, ich bekomme ihre Aufmerksamkeit und gewinne an Sympathie“, sagt Eva Ullmann, Gründerin und Leiterin des Deutschen Instituts für Humor. Humor sei außerdem ein gutes Schmiermittel zur Deeskalation – ganz gleich, ob Schüler nicht zuhören, oder dem Lehrer Fehler passieren. Ullmanns Erfahrungen decken sich mit (neuro-)wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zeigen, dass Unterrichtsstoff besser behalten wird, wenn er mit einer Prise Humor serviert wurde. „Aber ein Comedian ist nicht automatisch ein guter Lehrer“, warnt die 33-Jährige. Um Schüler zu gewinnen, seien Didaktik und Methodik entscheidend. Ihr Rat: „Humor sollte dosiert und wohlwollend im Unterricht eingesetzt werden, wie eine Grafik, ein Film und eine andere Methode.“

Und wie können Lehrer Humor in den Unterricht einbringen? „Ein gutes Material für Humor ist das, was die Schüler im Unterricht machen“, sagt die Expertin. Sie arbeitet in ihren Humorseminaren gerne mit den Techniken „Übertreibung“ und „Gegenteil/Ironie“. Zwei Beispiele: Montag, erste Stunde: Anna kommt 20 Minuten zu spät und wird mit „Du bist ja überpünktlich, großartig!“ begrüßt. Freitag, 11.30 Uhr, Chemie: Tobias schaut alle zwei Minuten angenervt auf die Uhr. Der Lehrer fängt den Widerstand humorvoll auf: „Tobias hat total Lust auf den Unterricht. Er macht schon seit zehn Minuten ein ganz fröhliches Gesicht!“ – und sorgt mit seiner übertriebenen und gegensätzlichen Reaktion für Erheiterung und Aufmerksamkeit.

Neben den Schülern ist auch der Lehrer ein vielversprechendes Angebot für Humor. „Der sicherste Humorkredit bin ich selbst und meine Selbstironie“, sagt Pädagogin Ullmann. Wenn Lehrer einen Fehler machen und Schüler sie darauf hinweisen, sollten sie nicht gekränkt sein, sondern ihnen entgegnen, dass sie lediglich prüfen wollten, ob diese den Fehler bemerken. Zur Selbstironie gehöre, über sich selbst lachen zu können, und dies auch den Schülern zu gestatten.

„Viele Lehrer haben Angst davor, einen Fehler zu machen und ihren Status und ihre Autorität zu verlieren. Aber sie tun sich einen großen Gefallen, wenn sie ihren Status kurz senken, um Humor produzieren zu können, und dann zurück in ihre Autoritätsrolle gehen“, erklärt die Fachfrau. Die Mischung also macht’s: Nicht zu autoritär und ernst sein, aber auch nicht zu lasch und albern. Ullmann: „Die erfolgreichsten Lehrer – sowohl humoristisch als auch in der Unterrichtsführung – sind die Menschen, die mit ihrem Status spielen.“

Aber welcher Humor ist gut und wo stößt er an Grenzen? „Miteinander zu lachen ist wesentlich wirksamer als übereinander zu lachen“, weiß Ullmann. „Humor auf Kosten von Schülern funktioniert zwar, aber er bringt kein Vertrauen“. Um Humor zu trainieren und gezielt einsetzen zu können, sollten Lehrer zunächst eine Bestandsaufnahme machen. Sie sollten schauen, wann und wie sie andere zum Lachen bringen und wo Situationen sind, in denen sie ihren Humor ausbauen können. Das Improvisationstheater bietet hierfür gute Gelegenheiten. Hilfreich sei es, den Humor nicht nur vor der Klasse zu üben, sondern auch Zuhause, in der Familie und im Freundeskreis – dort, wo er nicht unbedingt funktionieren muss.

Ullmann empfiehlt, Humor an einen ernsthaften Inhalt zu koppeln. Sind Lehrer sicher in ihrem Unterrichtsstoff und dessen Präsentation, sollten sie nach skurrilen Bildern suchen, die zunächst überhaupt nicht zum Unterricht passen, aber humorvoll sind und bei Schülern auf Interesse stoßen. Warum nicht mal Germanys-Next-Topmodel in den Matheunterricht einbinden oder eine Liebesbeziehung physikalisch messen lassen? Denn so wird selbst die Arbeit zum Vergnügen. FRAUKE KÖNIG

Aus: Forum Schule 3/2011

Eva Ullmann bietet gemeinsam mit der Cornelsen- Akademie schulinterne Fortbildung an (http://www.cornelsen.de/lfb).

Weitere Informationen finden Sie unter:  www.humorinstitut.de

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