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Mausklick-Kampagne gegen Kriegsherr Kony

DÜSSELDORF. Das hatte Jason Russell nicht erwartet, als er Anfang März seinen Film beim Videoportal “youtube” hochlud.  Damit wollte er auf die 30 000 Kindersoldaten des afrikanischen Warlords Joseph Kony aufmerksam machen.

Über 80 Millionen Menschen wollten seinen Film sehen. Der Amerikaner will mit dem Film, der Teil der Kampagne „Kony 2012“ ist, erreichen, dass Kony festgenommen und vor ein Gericht gestellt wird. Nicht nur den Regisseur hat dieses Interesse überrascht. Sein Film ist weder der erste noch der einzige zu diesem Thema. Sie hätten mit einigen tausend Interessenten gerechnet, sagte seine Frau Danica Russell laut „Spiegel-Online“.

Eindeutige Schurkenrolle: Kony in einer Reihe mit Osama bin Laden und Hitler macht jede Verwechslung unmöglich.

Eindeutige Schurkenrolle: Kony in einer Reihe mit Osama bin Laden und Hitler macht jede Verwechslung unmöglich. (Bild: Kampagne Kony 2012)

Die mediale Aufmerksamkeit und die damit verbundenen kritischen Diskussionen waren offenbar zu viel für Russell. Nach Angaben der Polizei in San Diego in Kalifornien ist er verwirrt und halbnackt auf der Straße herumgelaufen, nervlich zusammengebrochen und in eine Klinik eingeliefert worden. Ein Vertreter der Organisation „Invisible Children“, die die Kampagne „Kony 2012“ ins Leben gerufen haben und dessen Sprecher Russell ist, erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, Russell sei “wegen Erschöpfung, Dehydrierung und Unterernährung” ins Krankenhaus gebracht worden. Die vergangenen zwei Wochen seien für alle Mitarbeiter, besonders aber für Russell sehr anstrengend gewesen. Dies habe zu dem “bedauerlichen Vorfall” vom Donnerstag geführt.

In dem Film fordert Russell dazu auf, den Rebellenführer Kony, der im Übrigen schon seit 2005 auf der Fahndungsliste des internationalen Strafgerichtshof in den Haag steht, noch im Jahr 2012 zu stoppen. Das größte Problem sei aber, dass niemand den Mann kenne. Deshalb bietet „Invisible Children“ für 30 Dollar ein „Action Kit“ an, mit Poster, Armbändern und Aufklebern. Am 20. April sollen die überall auf der Welt als Massendemonstration aufgehängt werden, um Politiker auf das Problem aufmerksam zu machen und zum Handeln zu zwingen.

Kontroverse Debatte um das Video

Die Kampagne wird kontrovers diskutiert. Während die einen es begrüßen, dass damit das öffentliche Interesse auf den Kindersoldaten-Missbrauch gelenkt werde, kritisieren andere die hoch emotionale, aber wenig fundierte Darstellung des Problems. Bedenken waren auch wegen der Finanzierung von Invisible Children und der Verwendung von Spendengeldern aufgekommen. Die Organisation wehrt sich gegen die Vorwürfe. Zudem seien die Informationen zu Kony und den Kindersoldaten in Uganda veraltet. Wie “Süddeutsche.de” berichtet, geht besonders dieser Punkt Ugandas Ministerpräsident Amama Mbabazi gegen den Strich. Per Internet teilte er mit, er wolle die “gut gemeinte” Absicht des Videos korrigieren. Kony sei nicht mehr in Uganda, zudem befinde sich das Land nicht mehr in einem Konflikt. “Kommt und schaut Euch Uganda selbst an, Ihr werdet einen sehr anderen Ort vorfinden, als den, den Invisible Children darstellt”, sagte er in einer Nachricht über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ und über den Videodienst „Youtube“. Er habe die Unterstützer des Films, darunter viele Hollywoodstars, in sein Land eingeladen, meldet “Süddeutsche.de”. Mbabazi habe am Samstag geschrieben: “Ich schätze Euer Interesse und lade Euch zu einem Besuch ein. Wir haben Frieden, Stabilität und ein großartiges Volk.”

Kony 2012: Eines der Poster, das am 20. April überall auf der Welt hängen soll.

Kony 2012: Eines der Poster, das am 20. April überall auf der Welt hängen soll. (Bild: Kampagne Kony 2012)

Wer das Video sieht, versteht, warum es wirkt. Es ist emotional aufrüttelnd und gut gemacht. Und viele Jugendliche werden sich deshalb ernsthaft erstmals mit dem Thema auseinandersetzen. Aber der Film arbeitet tatsächlich mit Vereinfachungen und einem doch recht simplen Ziel. Schickt Soldaten und dann wird alles gut! Wie die Wochenzeitung „Zeit“ schreibt, sei es naiv bis gefährlich, zu suggerieren, man müsse nur genügend Elitesoldaten losschicken, um Kony aus dem Busch zu “pflücken”. Für solche Operationen benötige man aufwendige Begleitmaßnahmen, damit es nicht so ende wie 2008. Damals hatte das ugandische Militär mit amerikanischer Unterstützung bereits Militärmaßnahmen gegen das Camp von Kony im Kongo eingeleitet. Sie scheiterten. Aus Rache verübte die Armee Konys, die Lord’s Resistance Army (LRA), in den folgenden Monaten Massaker im Kongo mit mehreren Hundert Toten. NINA BRAUN

(19.3.2012)

Der Film “Kony 2012″:

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