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Umfrage: Jedes zweite Kind kritisiert Leistungsdruck in der Schule

BERLIN. Auch wenn das Lebensgefühl der Kinder grundsätzlich positiv ist, betrachten Kinder die Welt im Vergleich zum Jahr 2006 kritischer. Mehr Kinder sind nach eigenen Aussagen manchmal traurig oder fühlen sich manchmal allein. Auch die Politikverdrossenheit und der Leistungsdruck in der Schule sind in den vergangenen Jahren angewachsen – vor allem bei den Kindern, die in Westdeutschland leben. Das ergab die repräsentative Umfrage „Was Kinder denken, fühlen und wünschen“
 der Zeitschrift „Eltern family“ und des Münchener Forschungsinstituts „Iconkids & Youth“, die zum ersten Mal im Jahr 2006 durchgeführt worden ist. 2011 wurden nun 714 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren befragt.

Kinder betrachten die Welt zunehmend kritisch; Foto: Digital Photografix / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Kinder betrachten die Welt zunehmend kritisch; Foto: Digital Photografix / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Laut der Umfrage finden es 96 Prozent der Kinder schön, auf der Welt zu sein. Das sind fünf Prozent mehr als 2006. Mit 86 Prozent gaben auch mehr Kinder an, sich so, wie sie sind, in Ordnung zu finden. Über 90 Prozent sagten, mit ihren Freunden viel Spaß  zu haben und finden, „meine Eltern sind die besten Eltern, die ich mir vorstellen kann“.  Allerdings hat die Mehrheit der Kinder den Wunsch, dass ihre Eltern mehr Zeit mit ihnen verbringen (73 Prozent) und ihnen mehr zutrauen (67 Prozent).

Wie bereits in der Umfrage von 2006 gefällt mehr als drei Viertel der Schulkinder die Schule, weil man dort mit vielen netten Kindern zusammen ist. Zwei Dritteln macht auch das Lernen Spaß. Insgesamt hat der Leistungsdruck aber deutlich zugenommen: Während 2006 noch ein gutes Viertel (28 Prozent) der Aussage „Vor lauter Lernen habe ich kaum noch Zeit für andere Dinge“ zustimmte, war es 2011 fast die Hälfte (46 Prozent).

Deutliche Unterschiede zwischen Ost und West

Vergleicht man die Antworten der Kinder aus ost- mit denen aus westdeutschen Bundesländern zeigt sich, dass der Lernstress bei den Kindern im Westen mit 47 Prozent höher ist als im Osten (40 Prozent). Ein knappes Drittel der Kinder aus dem Westen wünscht sich der Umfrage zufolge „nie wieder in die Schule zu müssen“, bei den ostdeutschen Kindern ist das bei einem Viertel der Fall.

Insgesamt scheinen ostdeutsche Kinder laut der Umfrage in allen persönlichen Bereichen zufriedener mit sich und ihrem Leben zu sein, und haben einen optimistischeren Blick auf die Welt. So haben zwar mehr ostdeutsche Kinder getrennt lebende Eltern (27 Prozent zu 21 Prozent in Westdeutschland), aber sie sind mit 57 zu 77 Prozent deutlich weniger traurig darüber. Kinder aus dem Osten finden Arbeitslosigkeit nicht so schlimm wie Kinder aus dem Westen (75 zu 80 Prozent) und gleichzeitig ist die Politikverdrossenheit im Westen stärker ausgeprägt als im Osten (70 zu 59 Prozent).

Kinder sehen Welt zunehmend kritischer

Gemäß der Umfrage betrachten Kinder die Welt kritischer als es 2006 der Fall war: Knapp drei Viertel der Kinder sind der Meinung, dass „es viele Erwachsene gibt, die keine Kinder mögen und sich von ihnen gestört fühlen“. 2006 waren es 59 Prozent. Der Aussage „Die Erwachsenen kümmern sich zu wenig um die Umwelt und die Tiere“ stimmen heute 69 Prozent gegenüber 54 Prozent zu.

Während vor fünf Jahren knapp die Hälfte der Kinder Angst hatte, irgendwann nicht mehr auf dieser Welt leben zu können, war dies 2011 bei 62 Prozent der Fall. Ein gutes Drittel gab vor fünf Jahren an, manchmal traurig oder wütend zu sein, ohne zu wissen warum. Nun sind es 45 Prozent. Darüber hinaus fühlen sich mit 42 zu 34 Prozent mehr Kinder manchmal allein.

Kinder wünschen sich bessere Welt und mehr Zeit zum Spielen

Wie die Umfrage zeigt, ist das Konfliktpotenzial unter Kindern in den letzten fünf Jahren gestiegen: 2006 wünschte sich die Hälfte, dass Kinder nicht so gemein zueinander sind, heute sind es mehr als drei Viertel. Befragt nach den Wünschen für sich selbst, nimmt die Gesundheit mit 93 Prozent einen wichtigen Platz ein. Außerdem wünschen sich die Kinder, „dass bei uns nichts Schlimmes passiert“ (92 Prozent), dass „die Reichen den Armen etwas abgeben“ (87 Prozent) und „alle Waffen auf der Welt vernichtet werden“ (83 Prozent). Etwa gleich viele Kinder wünschen sich der Umfrage zufolge später ein Haus mit Garten und vielen Tieren sowie viel Geld zu haben, und ein hohes Alter zu erreichen. Jeweils drei Viertel der Kinder gaben an, dass sie gerne „mehr Zeit zum Spielen“ hätten, „reich und berühmt“ wären und „von anderen Kindern gemocht werden“. FRAUKE KÖNIG

(15.3.2012)

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