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Kein Amok-Alarm: Vielen Schulen fehlt Geld für die Technik

HANNOVER (Mit Leserkommentar). Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gerät unter Druck: Eine Untersuchung des Norddeutschen Rundfunks hat ergeben, dass die meisten Schulen nicht ausreichend auf Gewalttaten vorbereitet sind.

In der Kritik: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Foto: Kultusministerium Niedersachsen

In der Kritik: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Foto: Kultusministerium Niedersachsen

Zehn Jahre nach dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium sind viele Schulen schlecht auf Amokläufe vorbereitet. Nur 65 Prozent von mehr als 1000 befragten niedersächsischen Schulen verfügen über einen Notfallplan, obwohl dieser vom Kultusministerium vorgeschrieben ist. Das geht aus einer Umfrage des Radiosenders NDR Info bei Schulträgern in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hervor.

Niedersachsen schnitt im Ländervergleich am schlechtesten ab: Nur 46 Prozent der Schulen haben Krisenteams, 66 Prozent Lautsprechersysteme für Notfalldurchsagen und 22 Prozent spezielle Klingeltöne bei Amokalarm.

Althusmann erklärte: «Wir werden die Ergebnisse der NDR-Recherchen genau auswerten und prüfen, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Hierzu werden wir auch das Gespräch mit den Schulträgern suchen.» Die bestmögliche Prävention schwerer Gewalttaten an Schulen habe höchste Bedeutung, betonte Althusmann. «Alle Schulen in Niedersachsen haben ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet und sind verpflichtet, dieses regelmäßig fortzuschreiben.» Das Ministerium unterstütze sie dabei.

Die Linksfraktion und die Grünen im Landtag warfen der Landesregierung Untätigkeit vor. Es sei nicht akzeptabel, die Zuständigkeit einfach auf die Schulen abzuschieben, sagte Grünen-Schulexpertin Ina Korter. Die Regierung sei nicht einmal über die Sicherheitsvorkehrungen der Schulen informiert, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christa Reichwaldt.

Allein in Niedersachsen 2011 gab es 102 Amokdrohungen

Im vergangenen Jahr gab es in Niedersachsen 102 Amokdrohungen. Wie sich die Schulen in solchen Fällen zu verhalten haben, ist in einem 2010 überarbeiteten Erlass des Kultusministeriums geregelt. Darin geht es auch um die Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft bei Straftaten.

Sicherheitslücken gibt es der NDR-Umfrage zufolge in folgenden Städten: Oldenburg, Emden, Salzgitter, Wolfsburg, Westerstede, Meppen, Jever, Leer, Nienburg, Osterode, Stadthagen, Brake und Lüchow sowie in den Kreisen Lüchow-Dannenberg und Uelzen. Der Landrat von Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz, begründete im NDR-Interview die schlechte sicherheitstechnische Ausstattung der Schulen mit Finanzproblemen.

Erfurt gedachte heute, zehn Jahre nach dem Schulmassaker am Gutenberg-Gymnasium, der Opfer. In einer Zeitung erschien eine große Traueranzeige, die den Schmerz der Angehörigen der 16 Opfer des Blutbads ahnen ließ. «Ihr seid heute so nah wie vor 10 Jahren. Wir vergessen nicht und lieben euch.» Die Stadt schien kurz innezuhalten, als gegen 11 Uhr die Kirchenglocken läuteten. Vor dem Portal des Gutenberg-Gymnasiums, in dem am 26. April 2002 die Todesschüsse durch die Gänge hallten, versammelten sich Schüler und Lehrer. Kinder ließen weiße Luftballons aufsteigen. dpa
(26.4.2012)

2 Kommentare

  1. Schulen können sich auf zweckmäßiges Verhalten in Klassen vorbereiten.
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    Die Feststellungen, dass Schulen sich besser auf Amoklagen vorbereiten können, kann ich aus Erfahrung mit Lehrerkollegien, mit denen ich
    Workshops zum Thema „Zweckmäßiges Verhalten in Amoklagen“ durchführe, bestätigen. Das Thema ist um so brisanter, als nicht nur eine „echte“ Amoklage massive psychische Folgen nach sich ziehen kann, sondern auch ein Amokalarm, der sich nach Stunden als Fehlalarm erweist, psychisch
    belastend wirken kann.
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    Die Polizeien aller Bundesländer haben sich professionell auf Amoklagen vorbereitet und verfügen über erfolgversprechende Einsatzkonzepte. Auch die baulichen und organisatorischen Vorbereitungen der Schulen auf Krisensituationen machen Fortschritte.
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    Den Fortbildungsbedarf sehe ich bei den Lehrerinnen und Lehrern (und dem Verwaltungspersonal der Schulen), die häufig keine konkreten Vorstellungen haben, was im konkreten Alarmfall sinnvoll zu tun ist.
    Nach dem Abschließen/Verschließen der Klasse ist ein Rollenwechsel von der Lehrkraft zum Krisenmanager gefragt; strukturierte Anweisungen an
    die Schüler beugen Panikverhalten vor, mindern Angst deutlich und steigern die Chancen, den Alarmfall (relativ) wohlbehalten zu überstehen.
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    Wer sich mit dem Gedanken, dass kollektive Rettung Vorrang vor individueller Rettung haben muss, beschäftigt, kann vielleicht – wohlgemerkt: kann vielleicht – seiner Klasse selbst dann noch eine
    Anweisung zur Rettung erteilen, wenn der Amoktäter in die Klasse eindringt.
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    Ein Konzept hierzu hat die Gewalt Akademie Villigst (Schwerte/Ruhr)
    entwickelt und zuletzt auf dem 17. Deutschen Präventionstag in München (16. bis 17.4.2012) präsentiert:
    http://www.praeventionstag.de/nano.cms/kongressprogramm?XA=details&ID=74
    .
    Allgemeiner (mit weiteren Links):
    http://www.gewalt-deeskalationstrainings.de/amok/amok.html
    Ganz aktuell:
    http://aktuell.evangelisch.de/artikel/677/man-muss-versuchen-den-amoklaeufer-zu-irritieren

  2. Alternativ gibt es ein sehr erfolgreiches Präventionssystem und es ist erprobt und günstig: http://www.farbleitsystem.com . Der Schwerpunkt liegt in der Signaletik und Orientierung. Hier wird ein anderer Ansatz verfolgt. Die Polizei wird geschult schnell sich im Gebäude zurecht zu finden!!!!!!!!!!!

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