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Mitschüler trauern um Lena: „Wie ist es im Himmel?“

EMDEN. Die ostfriesische Stadt Emden sucht fast drei Wochen nach dem Mord an der elfjährigen Lena den Weg zurück in den Alltag. Am ersten Schultag nach den Osterferien trauern Schüler und Lehrer um das getötete Mädchen.

Schüler gedachten am ersten Schultag nach den Osterferien der ermordeten Lena. Foto: spcbrass / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Schüler gedachten am ersten Schultag nach den Osterferien der ermordeten Lena. Foto: spcbrass / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Kinder der Emder Grundschule sind zurück aus den Osterferien, doch Lenas Stuhl bleibt für immer leer: Nach dem gewaltsamen Tod des elfjährigen Mädchens ist an der Emsschule in der ostfriesischen Stadt nichts mehr wie vorher.
Zum Schulbeginn trauern die Schüler um Lena. Sie versammeln sich in der Turnhalle und singen den Gospel «He’s got the whole world in his hands». Und Pastor Manfred Meyer versucht, den Kindern die Frage zu beantworten, auf die es keine befriedigende Antwort geben kann: «Warum musste Lena sterben?» Die Mädchen und Jungen wollen von dem Pfarrer auch wissen: «Wie ist es im Himmel?»
Fast drei Wochen nach dem Verbrechen sucht die Stadt den Weg zurück in den Alltag. Am ersten Tag der Osterferien war Lena nach einem Sexualverbrechen in einem Emder Parkhaus ermordet worden. Der Tatort liegt in Sichtweite der Polizeistation. Ein 18-Jähriger gestand rund eine Woche später die Tat. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Ermittler räumten später eine schwere Panne ein: Der Verdächtige hatte sich bereits Ende 2011 selbst angezeigt, was jedoch folgenlos blieb.
Am Tag des Verbrechens war es sonnig und warm in der Stadt mit 50 000 Einwohnern. «Niemand ahnte, dass sich Emden so verändern sollte», sagt der für Schulen zuständige Fachbereichsleiter Thomas Sprengelmeyer. «Das wird einen langen Nachhall an der Schule geben.» Die Trauerfeier fand von den Medien abgeschirmt statt, doch Anwesende berichten, sie sei bewegend gewesen. Danach hätten sich alle umarmt – und Lenas Mitschüler seien ein wenig erleichtert nach Hause gegangen.
«Wir spüren hier eine große emotionale Welle», sagt Schulleiter Christian Max. Seinem Kollegium stehen Seelsorger der Kirchen und Psychologen zur Seite, die Schüler, Lehrer und auch Eltern betreuen. Pastor Meyer berichtet, Lenas Familie sei zutiefst berührt von der großen Anteilnahme, müsse aber auch mit der Trauer und einem Leben ohne das Mädchen zurecht kommen.
Schulpsychologin Barbara Kubesch von der Landesschulbehörde hofft, dass die Kinder das Geschehen bald verarbeiten können. «Kinder können offener mit Gefühlen umgehen und intensiver erleben», sagt sie. Helfen soll dabei ein Gedenkort in Lenas Schule, wo ihre Mitschüler Briefe oder Blumen hinterlegen können.
Das Verbrechen spielt auch an der Berufsbildenden Schule II eine Rolle: Dort lernt ein junger Mann, der irrtümlich für drei Tage unter Mordverdacht und in Haft kam. In sozialen Netzwerken im Internet wurden darauf Hassparolen und ein Aufruf zur Lynchjustiz verbreitet. Die Polizei hat inzwischen einen 18-Jährigen als Urheber des Aufrufs ermittelt. Sein Motiv: hohe emotionale Betroffenheit über den Mord. Er bereut inzwischen die Folgen seines Aufrufs und will sich bei dem zu Unrecht Verdächtigten entschuldigen. «Auch das müssen wir aufarbeiten», sagt Björn Holzgrabe von der BBS-Schulleitung. Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Unschuldsvermutung und Umgang mit dem Internet sollen nun im Unterricht diskutiert werden.
Einen weiteren Schritt in die Normalität wollen die Emder am Freitag gehen. Die Stadt hat zu einer Aktion als Zeichen gegen Intoleranz, Vorverurteilungen und Selbstjustiz aufgerufen. «Wir sind nicht die Stadt der Vorverurteilung und Gewalt, sondern der Anteilnahme und gegenseitigen Hilfe», betont Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD). HANS-CHRISTIAN WÖSTE, dpa

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