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Studie: Kinderbetreuung häufig nur Mittelmaß

BERLIN. Noch immer fehlen Kita-Plätze. Doch häufig mangelt es auch an der pädagogischen Qualität der frühkindlichen Bildungsangebote. Eine erste bundesweite Untersuchung fordert deutliche Verbesserungen.

Die pädagogische Qualität in deutschen Kindergärten ist in der Regel nur mittelmäßig. Dieses Fazit zieht der Zwischenbericht der ersten «Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit» (NUBBEK). Innerhalb jeder Betreuungsform – ob Krippe, Kita, Kindergarten oder Tagesmütter – klaffen erhebliche Qualitätsunterschiede. Nach wie vor schneiden ostdeutsche Einrichtungen dabei im Schnitt schlechter ab als westdeutsche. Unzufrieden waren die Forscher auch mit der Betreuungsqualität in Einrichtungen mit hohem Migrantenanteil.

Analysiert wurden für die Studie vor allem frühkindliche Bildungsangebote, Gruppengröße, Zuwendung durch die Erzieher sowie Zufriedenheit von Kindern, Personal und Eltern.

Bei einem gezielt auf die Bildungsbereiche Lesen, Mathematik, Naturwissenschaft und interkulturelles Lernen ausgerichteten Qualitätstest schnitt jede zweite Betreuungseinrichtung «unzureichend» ab. In der Gesamtwertung erreichten allerdings 80 Prozent der Betreuungseinrichtungen auf einer pädagogischen Qualitätsskala mittlere Werte. Gute Qualität bescheinigten die Forscher weniger als zehn Prozent der Einrichtungen, schlechte Qualität hingegen mehr als zehn Prozent.

Für die Studie wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren in acht Bundesländern 600 Betreuungseinrichtungen untersucht. Dabei besuchten die Forscher rund 2000 zwei- und vierjährige Kinder und ihre Familien und machten Tests und mehrstündige Interviews auch mit dem Personal.

Bei einem frühen Eintritt zweijähriger Kinder in Betreuungseinrichtungen stellten Mütter wie Erzieher nach einer Weile eine bessere Entwicklung des Kommunikationsverhaltens der Kleinen fest. Die Mütter bescheinigten ihren Kindern zugleich auch bessere Alltagsfertigkeiten.

Die Autoren der Studie ziehen den Schluss, dass der quantitative Ausbau der Kinderbetreuung durch intensivere Anstrengungen zur Verbesserung der pädagogischen Qualität begleitet werden muss. Ein Vergleich mit früheren Untersuchungen zeige, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in Sachen Weiterentwicklung der Qualität nicht viel getan habe. Vor allem für Kinder-Betreuungseinrichtungen mit hohem Migrantenanteil fordern die Autoren mehr und besser ausgebildetes Personal.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sieht in der Verbesserung der Qualität von Betreuung, Erziehung und Bildung in Kindertagesstätten wie Kindertagespflege «eine besondere Herausforderung». Ihr Ministerium unterstütze bereits heute Kitas in Stadtteilen, in denen viele Familien mit Migrationshintergrund wohnten. Etwa 4000 Einrichtungen sollten zu «Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration» weiterentwickelt werden.

Der komplette Forschungsbericht erscheint im Herbst 2012. Die NUBBEK-Studie wurde vom Bundesfamilienministerium, der Jacobs Foundation und der Robert Bosch Stiftung gefördert sowie von den Bundesländern Bayern, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.  dpa

(26.4.2012)

 

2 Kommentare

  1. Mich erschreckt, dass es in der Diskussion über Krippen gar nicht mehr um die Frage geht, ob wir sie tatsächlich flächendeckend brauchen, sondern offensichtlich nur noch darum, dass ein möglichst breites Angebot zur Verfügung gestellt wird.
    Dabei wird Frankreich oftmals als leuchtendes Beispiel genannt. Es könnte ja sein, dass glühende Vertreter der Krippenbetreuung nach dem Lesen des Zeit-Artikels etwas nachdenklicher werden.

    http://www.zeit.de/2013/37/frankreich-kinder-staatliche-fruehfoerderung/komplettansicht

    • Die Krippenbetreuung ist ebenso wie die Inklusion oder die Ganztagsbeschulung das Ergebnis neo-sozialistischen Zeitgeistes, den Winston Churchill so charakterisiert:
      “Sozialismus ist die Philosophie des Versagens, das Credo der Ignoranz und das Glaubensbekenntnis des Neids”

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