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Vor 30 Jahren kam das erste deutsche Retortenbaby auf die Welt

LONDON. Ihre Geburt war ein neues Kapitel in der Medizingeschichte: Die heute 33 Jahre alte Britin Louise Brown ist das erste Retortenbaby der Welt. Mit ihr hatte der britische Arzt und spätere Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards im Jahre 1978 bewiesen, dass künstliche Befruchtung im Reagenzglas nicht nur bei Tieren möglich ist – vier Jahre, bevor in Erlangen mit Oliver das erste deutsche Retortenbaby auf die Welt kam: am 16. April 1982, also vor genau 30 Jahren.

Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wird das Spermium mit einer Pipette (rechts) in die mittels einer Haltepipette (links) fixierte Eizelle eingebracht. Foto: Eugene Ermolovich (CRMI) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wird das Spermium mit einer Pipette (rechts) in die mittels einer Haltepipette (links) fixierte Eizelle eingebracht. Foto: Eugene Ermolovich (CRMI) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Neun Jahre lang hatten Louises Eltern Lesley und John Brown vergeblich versucht, ein Kind auf natürliche Weise zu zeugen. Dann ließen sie sich auf das Experiment ein. Louise selbst hat davon im Alter von fünf Jahren erfahren. „Sie haben alles auf Video“, sagte Louise einmal. Inzwischen ist sie selbst Mutter – ihr Sohn Cameron wurde auf natürliche Weise gezeugt.  „Ich bin heute nichts Besonderes mehr“, hatte sie einmal gesagt. „Es wurden so viele Kinder nach mir auf diese Weise gezeugt.» Sie hat schon als Kindergärtnerin, bei der Post und bei einem Schifffahrtsunternehmen in Bristol gearbeitet.  Anders war das in ihrer Kindheit: „Als ich elf, zwölf Jahre alt war, habe ich oft darüber nachgedacht“, sagte sie. Ihre Schulkameraden hatten natürlich mitgekriegt, dass Louise öfter in der Zeitung und manchmal sogar im Fernsehen war. Wie sie denn in das Reagenzglas gepasst habe, wurde sie von den Kindern gefragt. Heute nervt die etwas pummelige junge Frau mit den blonden Locken eher das Medieninteresse an ihr, das regelmäßig bei Jubiläen anschwillt.

Das erste deutsche „Retortenbaby“ Oliver W. kam im Universitätsklinikum Erlangen zur Welt. Nach dem Erfolg meldeten sich laut „Wikipedia“ in der Bundesrepublik 560 Frauen, die ebenfalls auf diese Weise ein Kind bekommen wollten. Das Klinikum konnte nach eigenen Angaben aber nur 60 Frauen behandeln. Drei Jahre später kamen in Deutschland die ersten „Retortendrillinge“ zur Welt. Weil pro Behandlung bis zu drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden, bekommen im Durchschnitt 18 Prozent der Frauen Zwillinge, zwei Prozent Drillinge. Von April 1982 bis April 2002 wurden in Deutschland rund 100.000 Kinder nach In-vitro-Fertilisation geboren. 2007 schätzte man die Zahl der Geburten, die weltweit durch künstliche Befruchtung zustande kamen, auf über drei Millionen. Drei Prozent der Geburten in Deutschland sind heutzutage auf das Verfahren zurückzuführen.

2010 ging der Nobelpreis für Medizin an den im Jahre 1925 geborenen britischen Wissenschaftler Edwards. Der Vatikan kritisierte die Verleihung scharf. Die Forschungen des Briten zur In-vitro-Fertilisation hatten die Geburten von Retortenbabys möglich gemacht.

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