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Burschenschaftler fordern Auflösung der Deutschen Burschenschaft

EISENACH. Hunderte Burschenschafter ziehen diese Woche wieder durch Eisenach und zur Wartburg. 1817 hatten dort Burschenschaften ein einiges deutsches Vaterland gefordert. Diesmal will eine Initiative gegen Rechtsextreme in den eigenen Reihen vorgehen.

Vor dem Burschentag der Deutschen Burschenschaft in Eisenach formiert sich Widerstand gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen. Die Initiative «Burschenschafter gegen Neonazis» fordert die Auflösung des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft (DB), sollte nicht sofort eine Reformierung einsetzen. «Die DB duldet, fördert und finanziert rechtsextreme Burschenschafter im Dachverband», begründete Justus Libig, Burschenschafter und Sprecher der Ende 2011 gegründeten Initiative, die neuen Forderungen. Die Initiative wolle das Thema mit einem Eilantrag auf die Tagesordnung setzen lassen. Zu dem Burschentag werden laut Veranstalter bis zu 800 Teilnehmer erwartet.

«Wir rechnen uns gute Chancen aus», sagte Libig. In den Burschenschaften rege sich zunehmend Unmut über die Duldung rechtsextremistischer Aktivitäten. Erstmals seit Jahrzehnten sei es gelungen, 25 liberale Burschenschaften gegen Rechtsextremismus im Dachverband zu gewinnen. Dem stünden 32 rechtsextreme Burschenschaften gegenüber.

Die Initiative, die laut Libig derzeit 20 Mitglieder und Hunderte Unterstützer hat, fordert unter anderem eine DB-Untersuchungskommission zu rechtsextremistischen Mitgliedern oder Burschenschaften. Führende Burschenschafter in der DB wie Schriftleiter Norbert Weidner sollten wegen schädigender Äußerungen ihrer Ämter enthoben werden. Burschenschaften, die in Verfassungsschutzberichten wegen rechter Aktivitäten erwähnt werden, sollten ausgeschlossen werden. Dazu gehöre die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks. Rechte burschenschaftliche Blätter sollten durch ein demokratisches Blatt ersetzt werden, eine Kommission die Finanzströme fragwürdiger Aktivitäten untersuchen.

Michael Schmidt, Sprecher der Deutschen Burschenschaft, sagte, er könne einer Diskussion auf dem Burschentag nicht vorgreifen. Er kenne die Forderungsliste nicht. Auf die Frage zu Rechtsextremisten in der Organisation sagte er, die Deutsche Burschenschaft wehre sich gegen Extremismus und dulde keinen Extremismus in ihren Reihen.

Gegen den jährlichen Aufmarsch der Burschenschafter aus Deutschland und Österreich in Eisenach will am Samstag wieder das Bündnis gegen den Burschentag protestieren. Die Teilnehmer aus mehreren Bundesländern wollten auf Überschneidungen von rechts-konservativem und neonazistischem Weltbild aufmerksam machen und dem «gesamten reaktionären Verbindungswesen eine Abfuhr erteilen», erklärte Bündnis-Sprecherin Henriette Savasci. dpa

(29.5.2012)

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