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Frodo-Füße und Spock-Ohren: Maskenbildner machen nicht nur schön

BERLIN. Volle Lippen, gigantische Füße, bildschöne Augen oder Tentakel – manchmal entscheiden solche Details, ob ein guter Film zum Meisterwerk wird. Maskenbildner können die heimlichen Stars großer Filme und Aufführungen werden. Aber ihr Job ist kein Zuckerschlecken.

Bunt und vielseitig ist der Beruf des Maskenbildners; Foto: mueritz  / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bunt und vielseitig ist der Beruf des Maskenbildners; Foto: mueritz / flickr (CC BY-SA 2.0)

Der Dozent für historische Frisuren trägt Glatze und Vollbart. Ralf Wezel stützt seine tätowierten Unterarme auf die Rückenlehne des Drehstuhls, in dem Isabel sitzt. «Du überholst dich hier ein bisschen», sagt er und lässt den Zeigefinger über ihre vom Haarspray harte Hochsteckfrisur fahren. Isabell kann egal sein, was sich wo überholt. Wezels Kritik gilt ihrer Mitschülerin Marie, für die Isabel heute Modell sitzt. Eine spanische Frisur aus der Renaissance ziert jetzt Isabels Kopf. Ganz zufrieden ist Marie nicht. Aber das kennt sie eigentlich nicht anders.

Marie Sommer und Isabel Ruß sind Namen, die man vielleicht mal im Abspann eines Blockbusters lesen kann. Sie lassen sich an der Mephisto Maskenbildnerschule in Berlin in dem Beruf ausbilden, dem Mister Spock seine Ohren verdankt und Frodo seine Füße: dem Maskenbildner. Ist das Kunst oder Handwerk? Maskenbildner lägen irgendwo dazwischen, sagt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Es komme auch immer darauf an, für wen man später arbeite, ob man Gestaltungsfreiheit habe oder im Akkord hinter der Bühne 100 Tänzer schminke.

Vom bloßen Hübschmachen ist die Maskenbildnerei so weit entfernt wie Frodo von Mister Spock. In Maries und Isabels Klassenraum sitzen und stehen, zwirbeln, glätten und toupieren 24 Mädchen und 2 Jungen. Kaum einer spricht, absolute Konzentration herrscht. Die Luft lässt sich schneiden – nicht nur wegen des Haarsprays. Auf die vorbildliche Anspannung seiner Schüler angesprochen, sagt Wezel: «Wahnsinnig laut! Wenn die wirklich konzentriert sind, herrscht hier Totenstille.»

Mephisto ist eine Privatschule. «Ein Sonderweg», sagt Assenmacher. «Der normale Weg ist die klassische duale Ausbildung.» Drei Jahre dauert sie. Zwei Drittel der Zeit verbringen die Auszubildenden im Betrieb, zum Beispiel am Theater, ein Drittel in der Berufsschule. Deutschlandweit gebe es vier davon, in Hamburg, Berlin, Köln und Baden-Baden, erklärt Regine Hergersberg, Vorsitzende der Bundesvereinigung Maskenbild. Außerdem beschäftigten sich zwei Studiengänge mit Maskenbild: die Hochschule für Bildende Künste in Dresden und die Bayerische Theaterakademie in München. «Viele Orte sind das nicht, aber es ist ja auch ein relativ exotischer Beruf.»

Die Zahlen belegen das: Etwa 900 Menschen arbeiteten in Deutschland derzeit als Maskenbildner, sagt Hergersberg. Ungefähr 140 Ausbildungsverträge liefen momentan, gibt Assenmacher an. Im vergangenen Jahr hätten rund 40 Jugendliche eine Ausbildung begonnen.

Die Ausbildungsvergütung liegt laut Assenmacher zwischen 550 und 600 Euro im Monat. «Das ist grausig gering», kritisiert Hergersberg. Etwa 1600 Euro im Monat verdienten fest angestellte Berufsanfänger an öffentlichen Theatern, sagt sie. Die Tarifgage bei Film und Fernsehen werde wöchentlich abgerechnet, weil es selten Projekte gebe, die mehrere Monate dauerten, und liege bei etwas mehr als 1100 Euro für eine 50-Stunden-Woche.

Marie und Isabell werden vollständig in der Schule ausgebildet, ohne Betrieb. Für die drei Jahre bezahlen sie rund 28.000 Euro. «Für mich lohnt das», sagt Marie und lässt eine Haarspraywolke auf Isabel niederrieseln. «Ich will ja später ins Filmgeschäft.» Ein prüfender Blick auf Isabels Schläfenrolle. «Wenn man am Theater eine Ausbildung macht – da wird eher grob geschminkt.» Klar, es muss ja auch aus der Ferne wirken. «Beim Film wird das aber schwierig. Und hier lernt man eben alles.» Außerdem: «Die Theater müssen sparen. Die nehmen manchmal nur einen Lehrling alle drei Jahre.»

Gegen eine Privatschule spricht für Assenmacher der Klebeeffekt: Wer bereits in einem Theater- oder Filmbetrieb gelernt habe, bekomme dort auch schneller einen festen Job. Ob Betrieb oder Privatschule: Kontakte sind alles in der Branche. Isabel und Marie bekommen von der Schule deshalb ab und zu frei, wenn sie kleine Jobs an Land gezogen haben, zum Beispiel bei der Komischen Oper in Berlin oder bei der Fashion Week. «Kontakte sind das Wichtigste für den Einstieg – je früher, desto besser», weiß Hergersberg.

«In dem Beruf muss man es auch mögen, wenn man nur ein kleines Rädchen in einem großen Uhrwerk ist», sagt Hergersberg. «Es gehört ein enormes Maß an Idealismus dazu», warnt sie. Viele Regisseure übten auf ihre Schauspieler einen hohen Druck aus. «Und es kommt nicht selten vor, dass so ein Druck dann nach unten weitergegeben wird.» Aber auch der kreativste Menschenkenner kommt in dem Job an seine Grenzen, wenn er sich mit Betriebswirtschaft nicht auskennt. «Es gibt so viele, die nur Künstler sind. Das reicht nicht.»

Vor allem deshalb nicht, weil die meisten Maskenbildner später eher als Selbstständige auf Rechnung arbeiten. «Maskenbildner werden oft für eine Inszenierung engagiert und ziehen danach weiter. Das ist sehr unsicher. Wer eine Familie gründen will, sollte sich das mit dem Job also gut überlegen», gibt Hergersberg zu bedenken.

Auch wenn viele vorher eine Friseurlehre machen, eine Voraussetzung sei das nicht. «Wenn das so wäre, wäre die Ausbildung zum Maskenbildner ja eine Fortbildung.» Schaden könne die Friseurlehre allerdings nicht, sagt Hergersberg.

Auch Marie hat eine Friseurausbildung abgeschlossen. Auf der Borte vor ihrem Spiegel liegt ein brauner Flechtzopf. Den hält sie kurz an Isabels Schläfenrolle, prüfender Blick, nein, das wäre zu viel. Was Wezel sagen wird, weiß sie jetzt noch nicht, aber sie ahnt: «Es ist immer was.» Als der Dozent nach seiner Kritik die Ellenbogen von Isabels Rückenlehne hebt, drückt er dann aber doch die Finger auf sein bärtiges Kinn und murmelt: «Ich finde aber: wacker geschlagen.» JOHANNA UCHTMANN, dpa

Maskenbildner, Visagist, Make-up-Artist, Kosmetiker – was ist was?

Laien bringen die Berufe Maskenbildner, Visagist, Make-up-Artist und Kosmetiker schnell durcheinander. Aber es gibt Unterschiede: Visagistik sei nur ein Teil der Maskenbildnerei und befasse sich mit dem Schönermachen, erklärt Regine Hergersberg von der Bundesvereinigung Maskenbild. «Maskenbildner machen auch hässlicher, älter, zu Monstern oder Tieren.» Die Bezeichnung Make-up-Artist sei nicht geschützt und werde oft für die einjährige Ausbildung an Privatschulen ohne IHK-Abschluss verwendet. Kosmetiker kümmerten sich um die Diagnose und Pflege der Haut und arbeiteten weniger dekorativ.

 

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