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Karl-Liebknecht-Gymnasium will sich vom Namenspatron trennen

FRANKFURT/ODER. In der Stadt wird das Thema kontrovers diskutiert: Das Städtische Gymnasium I in Frankfurt an der Oder möchte sich von seinem Namenszusatz „Karl Liebknecht“ trennen.

Karl Liebknecht wurde 1919 gemeinsam mit Rosa Luxemburg ermordet. Foto: Wikimedia Commons

Karl Liebknecht wurde 1919 gemeinsam mit Rosa Luxemburg ermordet. Foto: Wikimedia Commons

Die Schule hatte bei der Stadtverwaltung beantragt, diese 1949 verordnete Bezeichnung zu streichen. Nun empfahl der Bildungs- und Sportausschuss mit knapper Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, den vorliegenden Beschluss anzunehmen. Jetzt muss der Rat entscheiden.

Der kommissarische Schulleiter Torsten Kleefeld sagte, die Diskussion um den Namenszusatz gehe auf ein Treffen mit Absolventen aus den 50er Jahren zurück, die zum 100-jährigen Bestehen der Schule 2011 beim Festakt waren. «Sie regten eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Zeit an, als die Schule den Namen per Dekret erhielt.» Dies sei aufgegriffen worden. Es folgten Befragungen, Diskussionen, Konferenzen. «Es war ein interessanter Prozess.» Die Schulkonferenz stimmte für die Änderung.

An der Schule lernen knapp 900 Schüler, davon etwa 100 Polen. Seit Jahrzehnten wird Polnisch gelehrt, deutsch-polnische Projekte gehören dort zum Alltag. Derzeit heißt die Bildungsstätte „Städtisches Gymnasium I Europaschule Karl Liebknecht“.

Als „Vordenker des Sozialimus“ geehrt

Liebknecht war ein prominenter Marxist und Antimilitarist zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches. Seit 1900 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war er von 1912 bis 1916 einer ihrer Abgeordneten im Reichstag. Ab 1915 bestimmte er zusammen mit Rosa Luxemburg wesentlich die Linie der Gruppe Internationale. 1916 wurde er wegen seiner pazifistischen Haltung aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen und dann fast bis zum Ende des Ersten Weltkriegs inhaftiert. Zum Jahreswechsel 1918/19 war Liebknecht einer der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Kurz nach der Niederschlagung des Berliner Januaraufstands wurden er und Rosa Luxemburg von Freikorps-Offizieren ermordet.

In der DDR wurde Karl Liebknecht laut „Wikipedia“ als „Vordenker des Sozialismus“ geehrt. Dies habe zur Errichtung zahlreicher Denkmäler ihm zu Ehren sowie zur Benennung von Straßen und Schulen nach ihm geführt. Teilweise seien diese nach der Wiedervereinigung wieder umbenannt worden.

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