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PISA-Sonderstudie: Mehr als zwei Jahre Fortschritt durchs Vorlesen

POTSDAM. Vorlesen zahlt sich aus: Wird Grundschülern vorgelesen, haben sie als Teenager mehr Spaß an Büchern und verstehen Texte deutlich leichter. Dies ergab die internationale Studie «Let’s read them a story – The parent factor in education» der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die in Potsdam vorgestellt wurde. Demnach hätten Jugendliche in PISA-Tests deutlich bessere Leseergebnisse erzielt, wenn ihnen die Eltern in den ersten Schuljahren vorgelesen haben. Besonders in Deutschland und Neuseeland sei der Zusammenhang deutlich geworden, hieß es.

Vorlesen zahlt sich später aus, das zeigt die Sonderauswertung der PISA-Studie. Foto: Lars Plougmann / flickr (

Vorlesen zahlt sich später aus, das zeigt die Sonderauswertung der PISA-Studie. Foto: Lars Plougmann / flickr (CC BY SA 2.0)

Laut der Pressemitteilung der OECD, lagen die Leseergebnisse bei den 15-jährigen Schülern, die in Deutschland an den PISA-Tests teilgenommen hatten, im Schnitt um 51 Punkte höher, wenn ihre Eltern ihnen in den ersten Schuljahren vorgelesen hatten. Das macht einen Fortschritt von etwa zweieinhalb Schuljahren aus.

Der Mitteilung zufolge spiegelt sich der soziale Hintergrund der Familien häufig in den schulischen Leistungen der Kinder. Die positive Wirkung des Vorlesens auf das spätere Lesevermögen ist laut der Studie aber quer durch alle sozialen Gruppen zu beobachten. Ähnlich Erfolg versprechend seien zudem alle Beschäftigungen, die Kinder dazu anregen, Wörter in einen größeren Bedeutungsrahmen zu setzen. So wirkten sich auch das Singen von Liedern oder das Geschichtenerzählen positiv auf die Lust am Lesen aus.

Nach Ansicht des OECD-Bildungskoordinators Andreas Schleicher beweist die Studie, dass Eltern einen entscheidenden Beitrag zum schulischen Erfolg ihrer Kinder leisten können, wenn sie ihnen vorlesen. «Dafür brauchen sie keinen Doktortitel und müssen auch nicht Stunden mit der Betreuung von Hausaufgaben zubringen», sagte Schleicher.

Wichtig sei es vielmehr, mit den Kindern regelmäßig über die Schule zu sprechen, ihnen eine hohe Wertschätzung von Bildung zu vermitteln und auf Schwierigkeiten gemeinsam einzugehen. „Bessere Leistungen sind auch dort sichtbar, wo Eltern hohe Anforderungen an Schulen stellen und diese aktiv einfordern“, heißt es in der Mitteilung der OECD.

Die Studie «Let’s read them a story – The parent factor in education» wertete Daten aus der PISA-Erhebung 2009 aus. In 14 Ländern wurden neben den Schülertests auch Befragungen der Eltern durchgeführt. Darin wurde unter anderem nach dem Bildungshintergrund der Eltern, nach ihrem Beruf und ihrer Einkommensgruppe gefragt sowie erfasst, welche Rolle Bücher in den Familien einnehmen. FRAUKE KÖNIG mit Material von dpa

(11.5.2012)

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