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Individuelle Förderung: Uni Bochum hilft Lehrern bei der Diagnose

BOCHUM. Marie stockt beim Lesen, Finn schmollt bei der Gruppenarbeit, Simon bekommt hektische Flecken während des Mathe-Tests – jeden Tag prasseln unzählige Eindrücke auf Lehrer ein. Ein neuer Service der Uni Bochum soll Lehrern helfen, den einzelnen Schüler dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Individuelle Förderung ist nur möglich, wenn der Lehrer die Stärken und Schwächen seiner Schüler genau kennt. (Foto: RUBIN/Marion Nelle)

Individuelle Förderung ist nur möglich, wenn der Lehrer die Stärken und Schwächen seiner Schüler genau kennt. (Foto: RUBIN/Marion Nelle)

In Klassen mit 30 Schülern den Überblick zu behalten, ist nicht einfach: Wo liegen beim einzelnen Schüler Schwächen, was kann er besonders gut? Wie kann der Lehrer ihn individuell fördern? Um die Leistungen und Fähigkeiten der Schüler verlässlich einzuschätzen, reichen vage Eindrücke nicht aus. Entscheidend sei eine gute pädagogische Individualdiagnostik, sagt Professor Joachim Wirth von der Ruhr-Universität Bochum.

In der Individualdiagnostik, der Einschätzung des einzelnen Schülers, kommen Testinstrumente zum Einsatz, mit deren Hilfe Lehrer sowohl die Fachleistungen in den Blick nehmen, als auch, wie motiviert oder sozial eingestellt ein Schüler ist. Sie fragen Merkmale ab, die für die schulische Leistung relevant sind. Diese Tests hätten einen großen Vorteil: Sie sind objektiv und helfen, Informationen systematisch zu sammeln. Aber: Am Ende eines individualdiagnostischen Tests stehe keine Note, sondern eine Zahl, zum Beispiel: „Max hat eine Lesegeschwindigkeit von 835“. Dort fangen die Schwierigkeiten bei vielen Lehrern an, sagt Wirth: „Diese Zahl an sich ist ja nichtssagend – ich muss wissen, was sie bedeutet und wie sie zustande gekommen ist.“

Schätzt die Lehrkraft zum Beispiel die Lesegeschwindkeit von 835 als zu niedrig ein, könne sie etwa Max’ Eltern empfehlen, gemeinsam mit ihrem Sohn Texte wiederholt zu lesen. Oder sie kann Max motivieren, nachmittags bei der Lese-AG mitzumachen. Ein positiver Nebeneffekt: Mit der Hilfe von individualdiagnostischen Testinstrumenten gelangt der Lehrer zu objektiven Urteilen, die er jederzeit gegenüber anderen – zum Beispiel Eltern – rechtfertigen kann.

Studienbrief und Datenbank für Testverfahren auf Udikom.de

Um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, hat Wirth den sogenannten Studienbrief Individualdiagnostik entwickelt, der erklärt, wie Ergebnisse aus solchen Tests, beispielsweise eine Lesegeschwindigkeit von 835 – interpretiert werden können. Ist die 835 gut oder schlecht, wie schneiden gleichaltrige Kinder im Durchschnitt ab? Welches Testinstrument eignet sich für ein Fach, was macht eine gute Testung aus, wie interpretieren Lehrer die Testergebnisse, und wie können sie selbstständig einen Test entwickeln – all diese Fragen werden beantwortet. Der Studienbrief kann in verschiedenen Lern-Settings benutzt werden: im Uni-Seminar, auf Lehrerfortbildungen oder im Selbststudium.

Herunterladen kann man den Studienbrief auf der Webseite des Udikom-Projekts. In einer Datenbank können Lehrer hier außerdem gezielt nach speziellen Tests wie „Lesetest“ oder „Einschulungstest“ suchen. Ein Ampelsystem zeigt an, ob ein Testinstrument empfehlenswert (grün), mäßig empfehlenswert (gelb) oder nicht empfehlenswert (rot) ist. Wer selbst einen Test entwickelt hat, bekommt zudem die Möglichkeit, diesen in die Testdatenbank einzustellen und ihn damit anderen zur Verfügung zu stellen. Indem vorab einige Angaben zum Test gemacht werden müssen, greift auch hier das Ampelsystem, und die Person bekommt Hinweise darauf, an welchen Stellen das Testinstrument noch verbessert werden muss.

Hier lässt sich der Studienbrief herunterladen und hier ist auch die Datenbank mit den Testempfehlungen.

(18.5.2012)

 

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