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Existiert Bielefeld? Zumindest in den Schulbüchern nicht

MÜNSTER.  (Mit Kommentar) Seit Jahren wird im Internet etwas gehässig die Frage gestellt, ob die Stadt Bielefeld tatsächlich existiert. Zumindest in Schulbücher ist die Stadt nahezu auffindbar, wie eine Studie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ergab. Der LWL bat darum,  die Schulbuchrichtlinie zu reformieren, die klarstellt, dass alle Landesteile gleichwertig zu berücksichtigen sind.

Der Beweis: Bielefeld existiert doch. (Foto: fab/Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Der Beweis: Bielefeld existiert doch. (Foto: fab/Wikipedia CC BY-SA 3.0)

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll – so absurd klingt es. Seit Jahren wird höhnisch gespottet, dass die Stadt Bielefeld in Wirklichkeit nicht existiert und nun scheint eine Schulbuchstudie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) genau das zu belegen. Dabei wurden von dem pensionierten Lehrer Peter Wittkampf aus Telgte 59 Erdkundebücher, die für weiterführende Schulen zugelassen sind, genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: „Der Landesteil Westfalen-Lippe ist in den Erdkunde-Lehrbüchern gegenüber dem Rheinland eklatant unterrepräsentiert“, heißt es in der Pressemitteilung des LWL heißt.

Laut „Welt Online“ werde Bielefeld, eine der 20 größten Städte Deutschlands, nur ein einziges Mal in den Erdkundebüchern der NRW-Gymnasien erwähnt und zwar beim Thema „Pendlerwesen“. Wolfgang Kirsch, Direktor des LWL, sagte: „Seit Jahren hat sich der Eindruck verstärkt, dass Westfalen – überspitzt formuliert – als vorindustrielles Agrarland und allenfalls als beschauliche Freizeit- und Tourismusregion wahrgenommen wird.“

Natürlich fänden sich in vielen Lehrbüchern Kapitel, in denen es um nordrhein-westfälische Räume gehe. Aber wenn man diejenigen Kapitel zähle, die jeweils nur Westfalen-Lippe oder nur dem Rheinland zuzuordnen sind, so zeige sich ein eindeutiges Ungleichgewicht zugunsten des Rheinlandes, sagte Peter Wittkampf, Autor der Untersuchung. Auch wenn die Summe der entsprechenden Buchseiten, die entweder das Rheinland oder Westfalen behandeln, zusammengezählt werden, geht das mit 75 zu 25 Prozent zugunsten des Rheinlandes aus, in der Sekundarstufe II 90 zu 10 Prozent. Aber nicht nur seitenmäßig, sondern auch inhaltlich würden die beiden Landesteile nicht gerecht behandelt: Wenn es um „die Stadt“ gehe, werde dies zu 82 Prozent am Rheinland dargestellt. Zum „Leben in Dorf oder Kleinstadt“ wählten die Bücher dagegen in 90 Prozent aller Fälle Raumbeispiele aus Westfalen-Lippe, ist in der Mitteilung zu lesen. LWL-Direktor Kirsch zufolgte müssten Schüler – jedenfalls aus ihren Büchern – den Eindruck gewinnen, dass Rheinländer in der Stadt leben und Westfalen auf dem Land.

Kirsch will der „verzerrte(n) Darstellung der Region“ entgegenwirken: Man müsse alles dafür tun, dass Westfalen zutreffend dargestellt wird und ihm auch ein gebührender Platz in den Schulbüchern eingeräumt werde, heißt es in der Mitteilung weiter. Aus diesem Grund hat sich Kirsch an das nordrhein-westfälische Schulministerium gewandt und gebeten, das ministerielle Genehmigungsverfahren für neue Lehrwerke zu ergänzen. „Ein weiteres Kriterium für neue Schulbücher könnte lauten: Die beiden Landesteile Nordrhein-Westfalens müssen bei den verwendeten Raumbeispielen quantitativ und qualitativ angemessen berücksichtigt werden“, so der LWL-Chef. Eine solche Regelung gebe es beispielsweise in Bayern.

Wie eine Sprecherin des Schulministerium gegenüber der Zeitung „Welt Online“ sagte, werde man sich mit den Forderungen des LWL auseinandersetzen und diese prüfen. FRAUKE KÖNIG

(1.6.2012)

Zum Kommentar: Viel Lärm um nichts

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