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Jeden Tag Abenteuer: Kinder lernen in und von der Natur

MÜCHELN/MAGDEBURG. In Sachsen-Anhalt hat die erste «Abenteuer-Kita» eröffnet. Sie will bundesweit eine Vorreiterrolle bei der Kinderbetreuung einnehmen. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber der Erlebnis- und Waldpädagogik ist die Nachfrage nach einem Platz mittlerweile groß.

Kinder lernen in und von der Natur; Foto: Gregor Sticker - Waldkindergarten Duesseldorf /Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Kinder lernen in und von der Natur; Foto: Gregor Sticker - Waldkindergarten Duesseldorf /Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Da ist der Wald, dort ist das Wasser: Wo soll es hingehen? «Zuerst in den Wald, gucken was die Erdgeister in ihren Hütten machen!» – rufen die Jungen und Mädchen ihrer Erzieherin Silvia Taschner aus der Abenteuer-Kita von Mücheln (Saalekreis) in Sachsen-Anhalt zu. Die Einrichtung aus der Kleinstadt am Geiseltalsee hat sich zum Ziel gesetzt, bundesweit eine Vorreiterrolle in Sachen Kinderbetreuung und Vorschulerziehung einzunehmen. Der sechsjährige Nik mit der Zahnlücke ist wie seine Kumpels aus der Gruppe der Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahre ganz aufgeregt, wie es um die am Vortag gebastelte Anlage aus Steinen und Hölzchen für die Wald-«Geistis» an jenem Morgen steht.

Denn es kann sein, dass Tiere des Waldes in der Nacht Gefallen an dem Mini-Häuschen gefunden haben, die Nik wie andere der großen Gruppe der Kita nur aus dem gefertigt haben, was sie in der Natur vorgefunden und wie sie es sich gedacht haben. Und das ist eine Besonderheit der Kita – herkömmliches Spielzeug ist in den kleinen Rucksäcken der Kinder in der Abenteuer-Kita tabu. Sie haben bei ihrem fast täglichen Marsch durch die Natur selbige zu achten und zum Beispiel Vögel in ihrer Brutzeit weder durch Lärm noch durch Nintendo-Geklimper zu stören.

Erzieherin Taschner – mit derben Wanderschuhen, Rucksack, Plane, Seilen, Wasserbehälter und Frühstück ausgestattet – hat auf ihrem Weg mit den Kindern wie ihre Kollegin allerhand zu tragen, auch an Verantwortung. Ziel sei es, die Mädchen und Jungen ebenso wie ihre Altersgenossen in anderen Einrichtungen auf die Schule vorzubereiten – nur eben mit anderen Mitteln: mit der Natur, die es vor der Haustür gibt. Dies nennt sich etwa Erlebnispädagogik und Waldpädagogik.

«Jeder Tag ist anders, denn auch die Natur ist jeden Tag anders», sagt die 46-jährige Erzieherin auf ihrer Tour mit den Kindern, die sie von Montag bis Freitag fast bei jedem Wetter unternimmt. Sie selbst gerate auch immer wieder ins Schwärmen, erzählt sie, als sie inmitten des Waldes die große grüne Plane ausbreitet und die Kleinen ihre Brotbüchsen für das Picknick öffnen. Wie in einer Kita üblich, werden vor dem Essen auch dort die Hände gewaschen – mit frischem Wasser, das die Erzieherin mit ihrer Kollegin Steffi Klupsch in Behältern mitgeschleppt hat.

«Das ist schon ein großer Unterschied zur Stadt, hier ist alles familiärer und näher an der Natur dran», sagt die 22-Jährige, die zuletzt in Leipzig in einer Kita inmitten eines Wohngebietes gearbeitet hat. Die Mittel seien anders, das Ziel aber gleich. So lernen die Kinder auch im Wald anhand der Form eines Blattes, was ein Dreieck ist. Sie sind beim Basteln kreativ und lernen mit am See gesammelten Steinen das Zählen. Beim Hangeln geht es wiederum um Teamgeist, Selbstvertrauen und Rücksichtnahme.

Laut Sozialministerium gibt es in Sachsen-Anhalt vier Kitas mit ähnlichem Konzept. Insgesamt habe das Land 1.460 Kindertageseinrichtungen. «Das Projekt in Mücheln wird sehr positiv gesehen, da es zu einer bunten Kita-Landschaft in Sachsen-Anhalt beiträgt», sagte eine Sprecherin des Ministeriums in Magdeburg.

«Es gab auch Vorbehalte von Eltern, ob die Kinder hier wirklich was lernen», weiß die erfahrene Erzieherin Taschner zu berichten. Mittlerweile sei die Nachfrage nach einem Platz dort groß, sagt Petra Fischer, Geschäftsführerin der Kinderland Geiseltal gGmbH aus Mücheln.  Mehr bezahlen müssten die Eltern für die Betreuung in der Abenteuer-Kita nicht. Mehr Aufwand sei es für manchen Elternteil schon, die Sprösslinge von zu Hause dorthin zu bringen. dpa

(3.6.2012)

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