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Kaum jemand weiß: Wie putzt man Zähne richtig?

GIESSEN. Medizinpsychologen erforschen gemeinsam mit Zahnmedizinern und Bewegungswissenschaftlern, wie sich die Fertigkeiten in Sachen Mundhygiene verbessern lassen. Eine erste Studie unter Studierenden zeigte: Kaum jemand weiß, wie richtiges Zähneputzen geht.

Richtiges Zähneputzen ist eine Frage der Technik. Foto: adwriter / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Richtiges Zähneputzen ist eine Frage der Technik. Foto: adwriter / Flickr (CC BY-NC 2.0)

Rund 70 Prozent der Deutschen berichten, die Zähne mindestens zweimal täglich zu putzen. Gleichzeitig leiden aber mehr als 90 Prozent unter Erkrankungen, die mit mangelnder Mundhygiene in Zusammenhang gebracht werden.

Fragt man die Deutschen, wie man die Zähne am besten reinigt, sind viele ratlos. Damit spiegeln sie den Stand der Forschung in dieser wichtigen Frage wieder: Zwar werden in der Zahnmedizin viele Zahnbürsttechniken beschrieben, bis heute fehlen aber wissenschaftliche Belege dafür, welche Technik sich am besten für die häusliche Mundhygiene eignet.

An der Justus-Liebig-Universität Gießen hat sich daher ein multidisziplinäres Team unter Federführung des dortigen Instituts für Medizinische Psychologie zusammengefunden, um dieser Frage nachzugehen. In der Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Medizinischer Psychologie und Bewegungswissenschaften wurden Computerpräsentationen entwickelt, die jeweils eine von zwei in der Zahnmedizin in Deutschland besonders häufig empfohlenen Bürsttechniken („Fones-Technik“ vs. modifizierter „Bass-Technik“) vermitteln sollten. Bei der Erstellung der Präsentationen wurden dabei nicht nur zahnmedizinische Aspekte bedacht, wie etwa die Frage nach der richtigen Darstellung der Technik. Auch medizinpsychologische Kenntnisse zur Förderung des Verstehens, Behaltens und Umsetzens des Erlernten wurden berücksichtigt, ebenso wie bewegungswissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Bewegungsabläufe am besten gelernt und eintrainiert werden. In einer ersten Studie konnte das Autorenteam zeigen, dass solche Computerpräsentationen helfen können, die Mundhygienefertigkeiten Studierender zu verbessern. Dabei erzielte die „Fones-Technik“ die besten Erfolge.

Bei der „Fones-Technik“ wird die Zahnbürste wird zur Zahnoberfläche angesetzt und dann in kreisförmigen Bewegungen an der gesamten Fläche entlang geführt. An der Innenseite wird mit kleineren Kreisen bei geöffnetem Mund gearbeitet.

Bei der „Bass-Technik“ wird die Zahnbürste in einem Winkel von etwa 45 Grad zum Zahnfleischrand aufgestellt und dann an einer Stelle mindestens 10-mal gerüttelt, bevor das Ganze an der nächsten Stelle wiederholt wird.

Die Studienleiterin, Prof. Dr. Renate Deinzer, sagt dazu: „Die Fones-Technik erinnerte viele an das, was sie bereits im Kindergarten gelernt hatten. Möglicherweise begründet das ihren Erfolg. Wir hätten allerdings erwartet, dass die Bass-Technik, die in der Zahnmedizin oft für die Methode der Wahl zur Bekämpfung von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis gehalten wird, besser abschneidet. Das Erlernen dieser Technik fiel aber den Studierenden schwer und brachte ihnen keinen Erfolg.“ In weiteren Studien werde nun geprüft, ob sich dieses Ergebnis auch in anderen Bevölkerungsgruppen bestätige. „Ganz unabhängig davon waren für uns die mangelnden Hygienefertigkeiten der Studierenden zu Studienbeginn erschreckend. Möglicherweise ist mangelnde Mundhygiene tatsächlich häufig keine Frage mangelnder Motivation sondern mangelnder Fertigkeiten. Umso wichtiger wäre es demnach, diese Fertigkeiten in der Praxis zu überprüfen und nötigenfalls zu verbessern“, sagt die Forscherin. NINA BRAUN

 

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