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„Für ausreichende Vorbereitung des Unterrichts fehlt die Zeit“

SCHWERIN. Unter den Lehrern in Mecklenburg-Vorpommern herrscht große Unzufriedenheit. Rund 80 Prozent empfinden ihre tägliche Arbeit als starke Belastung, ergab eine Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Nur 128 der 690 Pädagogen, die sich Anfang des Jahres an der Umfrage beteiligten, schätzten ihr tägliches Arbeitspensum als normal ein. Im Land sind rund 12 000 Pädagogen tätig.

Vor allem Lehrer an Grund- und Gesamtschulen klagten über mangelnde Zeit für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, obwohl sie 45 Stunden je Woche für die Schule arbeiteten. „Lehrer wollen, dass ihr Unterricht die Kinder erreicht und erfolgreich ist. Viele müssen aber erkennen, dass sie das unter den gegebenen Bedingungen nicht schaffen können. Und das führt häufig zu psychischen Problemen und auch zu erhöhten Ausfallzeiten“, stellte VBE-Landeschef Michael Blanck fest. Er forderte die Einstellung zusätzlicher Lehrer als „Unterrichtsreserve“, die Absenkung der sogenannten Pflichtstundenzahl von 27 auf 25 Unterrichtsstunden pro Woche und die Entlastung vor allem von Klassenleitern.

Der Studie zufolge entfällt nicht einmal die Hälfte der Lehrer-Arbeitszeit auf den Unterricht selbst. Für die Vor- und Nachbereitung stehen laut Umfrage 20 Prozent, für Korrekturen 15 Prozent und für Beratungen sowie die Elternarbeit jeweils etwa 5 Prozent zur Verfügung. Der Rest entfiel auf Aufsicht und Sonstiges. „Im Idealfall sollte ein Lehrer zur Vorbereitung soviel Zeit haben wie für den Unterricht selbst“, sagte Blanck. Er verwies auf die beginnende Integration von Schülern mit körperlichen und Lernbehinderungen in den regulären Unterricht. Das erfordere besondere Vorbereitungen, um möglichst jedem Schüler gerecht werden zu können.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) erkannte die ermittelten 45 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit als „ehrliches Ergebnis“ an. „Die Arbeitsbelastung von Lehrerinnen und Lehrern in der Schulzeit ist höher als bei vielen anderen Beschäftigten. Allerdings ist die Belastung in der unterrichtsfreien Zeit geringer“, betonte der Minister. Durch die Ferien hätten Lehrer zudem mehr Urlaub als andere Beschäftigte. Brodkorb stellte eine Entlastung von „wenig sinnvollen bürokratischen Aufgaben“  in Aussicht. So müsse geklärt werden, ob es sinnvoll ist, für jeden Schüler einen individuellen Förderplan zu erstellen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, nannte als maßgebliche Ursache für die hohe Lehrerbelastung völlig veraltete Vorschriften. „Lehrerinnen und Lehrer arbeiten seit 21 Jahren nach einer Dienstvereinbarung, in die weder die zahlreichen Änderungen des Schulgesetzes noch neue Verordnungen eingearbeitet wurden“, kritisierte Oldenburg. Mit jeder Änderung im Schulwesen steige die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte vor allem im außerunterrichtlichen Bereich. Das wirke sich nachteilig auf den Unterricht aus und ginge zulasten der Schüler. Sie forderte die Überarbeitung der „antiquierten Verordnung“. „Die Lehrkräfte brauchen bessere Arbeitsbedingungen, um auch den Schülerinnen und Schülern bessere Bedingungen für das Lernen zu ermöglichen“, erklärte die Oppositionspolitikerin. dpa

(05.06.2012)

Ein Kommentar

  1. So ist es. Was sollte man noch mehr dazu sagen. Viel zu viel bürokratischer Aufwand.

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