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Neonazis: Immer mehr Frauen aktiv – sie drängen in Kitas und Schulen

MARBURG. Die Zahl der rechtsextremen Frauen in Deutschland hat offenbar rapide zugenommen. Sie emanzipieren sich, wollen ihren eigenen Platz in der Szene. Harmlos im Äußeren, versuchen sie auch zunehmend in Vereinen, Kitas und Schulen Fuß zu fassen. Eine Gefahr.

Das Foto zeigt eine junge Frau aus der Skinhead-Szene mit Schlagring. Foto: ♪♫PSICO--MOD♪♫ / Flickr (CC BY 2.0)

Das Foto zeigt eine junge Frau aus der Skinhead-Szene mit Schlagring. Foto: ♪♫PSICO--MOD♪♫ / Flickr (CC BY 2.0)

Immer mehr Mädchen und Frauen in Deutschland agieren nach Expertenangaben in der rechtsextremen Szene. Außerhalb der Parteien habe sich ihr Anteil in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, sagte die auf diesem Forschungsgebiet spezialisierte Politikwissenschaftlerin Prof. Ursula Birsl von der Uni Marburg anlässlich einer Fachtagung zum Thema in Fulda.

In Teilen der rechten Szene betrage ihr Anteil mittlerweile 30 bis 40 Prozent. Genaue Zahlen seien schwer zu ermitteln. Die jungen Mädchen und Frauen seien zunehmend in freien Kameradschaften aktiv. Das sind regional stark verwurzelte Netzwerke, die nicht mit festen Organisationsstrukturen wie Parteien arbeiten.

Der Grund für den stark erhöhten Frauen-Anteil ist ein Rollenwandel: «Sie sehen sich nicht mehr nur als Bräute von Skinheads, sondern sind selbst aktiv.» Immer mehr selbstbewusste Mädchen und Frauen wollten einen eigenständigen Platz in der Szene. «Sie emanzipieren sich und sind gewaltbereit», sagte Birsl.

Bisher seien es zwar nur fünf bis zehn Prozent der Frauen, die selbst Gewalt ausübten, «das heißt, die auch selbst mit dem Baseballschläger zuschlagen», erklärte Birsl. Die Frauen betätigten sich öfters als Anstifterinnen, Alibi-Geberinnen und Helferinnen.

Regionaler Schwerpunkt: Ostdeutschland

Die Motive für Frauen, sich zu beteiligen, unterscheiden sich je nach sozialer Schicht. Das Nationalistische, etwa bezogen auf den Arbeitsmarkt und Job-Ängste, könne Frauen ansprechen. «Man muss von Rechtsextremismen sprechen, weil wir je nach Schichtzugehörigkeit ganz unterschiedliche inhaltliche Ausprägungen und Zugänge zur Szene beobachten», so Birsl.

Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern seien regionale Schwerpunkte für freie Kameradschaften und auch für rechte Frauen. «Vor allem der ländliche Raum ist geprägt, da sind mitunter ganze Dörfer politisch übernommen worden – die Situation ist dramatisch.» Die rechten Frauen versuchen laut Birsl in Vereinen Fuß zu fassen. Sie engagierten sich in Kitas oder Grundschulen. «Sie richten Feste aus, wollen im Elternbeirat aktiv werden.» Frauen seien im Gegensatz zu vielen Männer äußerlich nicht als Rechte zu identifizieren. «Die Vereine und Schulen wissen oft nicht, mit wem sie es zu tun haben.»

Die inhaftierte, mutmaßliche Rechts-Terroristin Beate Zschäpe vom Nationalsozialistischen Untergrund nehme keine Vorbildfunktion für Frauen ein. Birsl: «Ich glaube nicht, dass sie zur Nachahmung reizt.»

Um gegen das Problem des zunehmenden Frauen-Anteils etwas zu tun, müsse das Phänomen in der Gesellschaft sichtbar gemacht und thematisiert werden. Die Szene differenziere sich immer weiter aus. Parteien wie die NPD würden immer unwichtiger. «Lokale Initiative gegen Rechts gilt es zu stärken.» Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) müsse sich mehr engagieren. «Sachsen und Thüringen haben sich bislang sehr schwergetan, diese Initiativen zu stärken.» JÖRN PERSKE;  dpa (24.6.2012)

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