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Thüringen: Doppelt so viele Anmeldungen für Analphabetenkurs

JENA. Die Volkshochschulen verzeichnen steigende Teilnehmerzahlen in ihren Kursen für Analphabeten. Die Zahl der Nutzer habe sich auf etwa 500 verdoppelt, sagte Angelika Mede vom Thüringer Volkshochschulverband in Jena. Dafür machte sie eine Initiative verantwortlich, die 2010 gestartet ist und vor allem Schlüsselpersonen bei Behörden und Sozialverbänden für dieses Thema sensibilisieren soll. «Es ist uns zwar gelungen, mehr Betroffene zu erreichen, aber das reicht noch nicht aus», betonte Mede nach der Fachtagung «Alphabetisierung – (k)eine Randerscheinung?». Denn Schätzungen zufolge können im Freistaat rund 200.000 Menschen nicht richtig lesen und schreiben – sogenannte funktionale Analphabeten.

«Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass es Analphabetismus auch in unserer modernen Gesellschaft noch gibt», erklärte Kultusminister Christoph Matschie (SPD). «Nur wer Lesen und Schreiben kann, hat die Chance, sich in die Lebens- und Arbeitswelt zu integrieren.» Sein Ministerium fördere Alphabetisierungskurse dieses Jahr mit 120.000 Euro.

Laut Mede haben viele Betroffene Strategien entwickelt, sich auch so in Arbeitswelt und im Privatleben zurechtzufinden. Manchmal seien die Kursteilnehmer schon jenseits der 60 – etwa wenn sie merken, dass sie ihrem Enkel nicht bei den Hausaufgaben helfen können oder der Partner gestorben ist, der ihnen bisher bei Schriftkram geholfen hat. Einen weiteren Schub für die Kurse erhoffen sich die Experten vom Nationalen Pakt gegen Analphabetismus, auf den sich Bund und Länder verständigt haben. Dabei sollen Betroffene etwa mit Fernsehspots angesprochen und auf Hilfsangebote hingewiesen werden. dpa

(25.6.2012)

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