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Umfrage: Eltern-Mehrheit in Bayern gegen freie Schulwahl nach Probeunterricht

MÜNCHEN. Der Wechsel von der Grundschule auf Mittelschule, Realschule oder Gymnasium kann die erste Vorentscheidung für das spätere Leben sein. Um das Übertrittsverfahren gibt es Dauerstreit. Kultusminister Spaenle darf sich nach einer Ministerial-Umfrage bestätigt fühlen.

Eine Umfrage des Kultusministeriums an 700 bayerischen Grundschulen hat ein überraschendes Ergebnis gebracht: Eine wachsende Mehrheit der befragten Eltern lehnt demnach eine Freigabe der Schulwahl ab, wenn die Kinder nach dem Probeuinterricht in den beiden Fächern Deutsch und Mathematik nur die Note vier erzielen. 58 Prozent der befragten Eltern hätten sich dagegen ausgesprochen – fünf Prozent mehr als noch vor drei Jahren, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).

Laut Umfrage ist eine Mehrheit von Eltern und Lehrern mit dem jetzigen Übertrittsverfahren zufrieden: Zwar geben die Grundschullehrer eine Empfehlung für die weiterführende Schule, doch haben auch die Eltern in gewissem Rahmen Wahlmöglichkeiten. Spaenle sieht deswegen keine Notwendigkeit einer weiteren Reform. «Ich sehe das jetzige Verfahren als gewogenes Ganzes», sagte er.

Spaenle ließ vom 7. bis 21. Mai Schulleitungen, Klassenlehrer und -lehrerinnen und Elternvertreter an 700 Grundschulen befragen. Demnach halten 67 Prozent der Lehrer und 80 Prozent der Elternvertreter die Übertrittsempfehlung für sinnvoll. «Ich bin froh, dass die Grundelemente des weiterentwickelten Übertrittsverfahrens bei den Eltern auf wachsende Zustimmung stoßen», sagte Spaenle dazu. Neben den Übertrittsempfehlungen gehört dazu die Beratung und Information der Eltern, die Ankündigung von Proben und die Einteilung von Prüfungs- und Lernphasen. «Was mich selbst überrascht, ist die zunehmende Ablehnung des freien Elternwillens bei der Schulwahl», sagte Spaenle. «Wir interpretieren das so, dass die Empfehlungen und die intensivierte Beratung auf Zustimmung stoßen.»

Die Vorbereitung des Übertritts habe Struktur, und die Eltern würden aktiv in die Übertrittsentscheidung eingebunden. «Von daher sehe ich keine Notwendigkeit wesentliche Strukturveränderungen vorzunehmen», sagte der Kultusminister. Das derzeitige Übertrittsverfahren gilt seit dem Schuljahr 2009/2010. Spaenle lässt eine jährliche Evaluation vornehmen, damit das Ministerium eine ausreichende Zahl direkter Rückmeldungen von Eltern und Lehrern hat. dpa

(16.6.2012)

2 Kommentare

  1. Soll das Gymnasium seinem Anspruch gerecht werden, ist es sinnvoll, dass kompetente Fachkräfte entscheiden, wer an das Gymnasium gehen soll. Das tut dem Gymnasium gut und das tut auch den anderen Schularten gut (wenn dort nicht mehr nur “der Rest” verbleibt).

  2. Wenn sich in Bayern viele Eltern an der Schullaufbahnempfehlung orientieren, kann ich das nur begrüßen. Warum klappt es aber in diesem Bundesland, in Niedersachsen jedoch überhaupt nicht? Dort werden die Lehrervoten in hohem Maße ignoriert, so das sich z.B. in Realschulklassen bis zu 30% potentielle HS-Schüler befinden. Auf die Gymnasien gehen dann viele potentielle Realschüler. Konsequenz:
    Wegen der fehlenden SchülerInnen müssen immer mehr HS schließen. Sie gehen mit Realschulen zusammen und nennen sich dann Oberschulen.
    Das Leistungsniveau an den Realschulen sinkt, und an Gymnasium gibt es tatsächlich Fördermaßnahmen für SchülerInnen, die Defizite im Rechnen, Schreiben und Lesen aufweisen.
    Wenn es stimmt, dass sich bayerische Eltern bei der Wahl der Schulform für ihr Kind rationaler verhalten, kann ich mich über die niedersächsische Schulrealität nur wundern.

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