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Auslandslehrer: „Die Menschen sind sehr traditionsbewusst“

LIMA. Rund 2.000 deutsche Lehrer befinden sich ständig im Ausland. Einer davon ist Jens Erner. Für den vierten und letzten Teil unserer Serie berichtet er von seinem Leben im Ausland und seiner Arbeit an der Deutschen Alexander von Humboldt Schule in Lima, Peru:

„Ich habe gerade meinen Vertrag verlängert und das war keine leichte Entscheidung. Die Eingewöhnungszeit für mich und meine Familie war lang und jetzt, im vierten Jahr, dreht sich unser Leben immer noch meist um die deutsche Gemeinschaft. Der deutsche Club ist hier unsere Hauptanlaufstelle und hat uns vieles einfacher gemacht. Eine Wohnung zu finden war etwa kein Problem, zum schwimmen und Sport treiben gehen wir dorthin. Dass es so schwierig sein würde, Einheimische kennen zu lernen, hätten wir nicht erwartet. Die Menschen sind zwar auf den ersten Blick sehr fröhlich und freundlich, aber wenn man sie näher kennen lernen will, erweisen sie sich als eher verschlossen und sehr traditionsbewusst. Zusätzlich belastend war, dass meine Frau hier nicht arbeiten darf wegen unseres Diplomatenstatus. Mittlerweile engagiert sie sich aber ehrenamtlich und es geht allen besser.

Jens Erner musste sich in Peru erst eingewöhnen, hat seinen Vertrag nun aber verlängert; Foto: privat

Jens Erner musste sich in Peru erst eingewöhnen, hat seinen Vertrag nun aber verlängert; Foto: privat

Dass wir in Peru gelandet sind, war eher Zufall. Ich hatte mich in die zentrale Datenbank eingetragen und wurde ausgewählt. Der Unterricht unterscheidet sich bei uns nicht sehr von dem Unterricht in Deutschland. In peruanischen staatlichen Schulen hingegen fühlt man sich in die 50er Jahre zurückversetzt.

Das Land ist wunderschön. Vom wenig attraktiven Lima sind es nur 200 km in die Anden. Aber Vorsicht, dort geht es sehr schnell sehr hoch bis auf 6.000 Meter und über 3.000 Meter kann man leicht höhenkrank werden. Das passiert vielen Besuchern. Weiter im Norden gibt es außerdem den sehenswerten Amazonas-Regenwald. Das Essen in Peru ist toll und günstig, ich empfehle zum Beispiel „Ceviche“, das ist roher Fisch in Zitronensaft.“

Bewerbung und Finanzierung:

Miete: Vergleichbar mit Mieten in deutschen Großstädten wie Köln.

Lebenshaltungskosten: Etwas niedriger als in Deutschland.

Beste Reisezeit Peru: Juni/August (peruanischer Winter, Trockenzeit im Hochland) oder Januar/Februar (peruanischer Sommer, Regenzeit im Hochland).

Da Lehrer nur maximal sechs Jahre im Ausland bleiben dürfen, ist der Bedarf eigentlich nie gedeckt, berichtet die Zentralstelle für das Auslandschulwesen. Besonders gute Chancen haben Deutschlehrer aus der Sekundarstufe II. Es gibt zwei Möglichkeiten für Lehrer, sich bei Schulen im Ausland zu bewerben: Entweder über den üblichen Bewerbungsweg bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) als ‚entsandte Lehrkraft‘ oder direkt bei den Schulen (zum Beispiel als ‚Ortslehrkraft‘). Die Auslandsbezüge setzen sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen: Dem steuerpflichtigen Grundgehalt entsprechend der Besoldungsgruppen und Dienstalterstufen sowie gegebenenfalls einem Mietzuschuss und Auslandszulagen wie Kaufkraftausgleich, Zuschüsse für Ehepartner und Kinder. Die Auslandszuwendungen reichen aus, um einen angemessenen Lebensunterhalt, selbst in der zweitteuersten Stadt der Welt Tokio, zu bestreiten. nin

(31.7.2012)

Zum 1. Bericht von Peter J. Alexander, der in Japan lebt: „In Japan ist die 80-Stunden-Woche die Regel“

Zum 2. Bericht von Rolf Linse, der in Kalifornien arbeitet: „Das Wort ‚Problem‘ ist tabu“

Zum 3. Bericht von Sybill Ravens, die in Kopenhagen arbeitet: „Der Kontakt mit den Schülern in unbefangener“

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