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Bayerns Erzieher gehen auf die Straße – gegen „Bildung zu Discountpreisen“

MÜNCHEN.  Unter dem Motto „Mehr Qualität für Kinder in Kitas: Jetzt!“ demonstrierten bayerische Erzieherinnen und Erzieher bei einer Kundgebung in München für Änderungen des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes. Mit Transparenten und Trillerpfeifen bekundeten sie lautstark ihren Unmut über die Gesetzesnovelle, die ihrer Ansicht nach nicht weitreichend genug ist. Die Erzieher fordern unter anderem mehr Personal, vor allem für die Betreuung von Kleinkindern, bessere finanzielle Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie bei der Inklusion behinderter Kinder. Initiiert wurde die Kundgebung mit rund 3000 Teilnehmern von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern.

„Investieren statt später reparieren“ oder „Bildung, Erziehung und Betreuung zu Discountpreisen – Bildung kostet auch Geld“ hieß es auf den Plakaten. Rund 84 Millionen Euro sind nach Ansicht der Verbände notwendig, um die Situation in Krippen, Kindergärten, Horten und anderen Einrichtungen zu verbessern. Die Gesetzesnovelle sehe für diesen Qualitätsschub aber nur 53 Millionen Euro vor, davon 33 Millionen Euro für mehr Personal, kritisierte der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Nach unseren Berechnungen sind 33 Millionen Euro deutlich unterfinanziert für die Erhöhung des Anstellungsschlüssels“, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen, Pia Theresia Franke. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte, man dürfe bei der Versorgung der Kinder nicht auf Masse statt Klasse setzen.

Die Verbände kritisierten auch die Zuschüsse für das letzte Kindergartenjahr, die ab September erstmals gezahlt werden sollen. Ab 2013 koste diese Unterstützung der Familien den Freistaat rund 132 Millionen Euro im Jahr, für die Verbesserung der Qualität gebe es aber nur 53 Millionen Euro. Dies sei unverhältnismäßig, bemängelte Franke. „Die Qualitätsentwicklung muss mit dieser Ausweitung der Familienförderung Schritt halten.“ Ein beitragsfreies erstes Jahr sei zudem aus pädagogischen Gründen sinnvoller.

Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) wies die Kritik zurück. Das neue Gesetz senke erneut den Anstellungsschlüssel und sorge für kleinere Gruppen, sagte sie. „Das bedeutet ein Plus von circa 260 pädagogischen Kräften bayernweit.“ Insgesamt steckt der Freistaat nach Angaben des Ministeriums mit den geplanten Änderungen pro Jahr zusätzlich rund 185 Millionen Euro in die Kinderbetreuung. Für das letzte Kindergartenjahr erhalten Eltern pro Monat ab September erst 50 Euro, ein Jahr später dann 100 Euro. Auch die Inklusion Behinderter werde durch die Novelle gestärkt. dpa

(16.07.2012)

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