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Berliner Kitas nutzen Platzmangel für hohe Zusatzbeiträge

BERLIN. Berliner Kitas nutzen nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» den Notstand an Plätzen, um zusätzlich Kasse zu machen. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hätten beispielsweise Eltern für einen Kita-Platz monatlich 250 Euro mehr als üblich zahlen sollen, berichtete die Zeitung. In einem Fall sei eine Extra-Anmeldegebühr von 500 Euro verlangt worden.
Der Kita-Aufsicht der Senatsverwaltung seien solche Beschwerden von Eltern bekannt; konkrete Träger wollte die Behörde laut Zeitung aber nicht nennen. Die Senatsverwaltung für Bildung will den illegalen Geschäften der Kindertagesstätten nun ein Ende setzen. «Zusatzgebühren dürfen nur für besondere pädagogische Angebote erhoben werden», sagte die Staatssekretärin für Jugend und Familie, Sigrid Klebba, der «Morgenpost». Diese Angebote, die noch nicht eindeutig definiert seien, müssten über das normale Programm einer Kita hinausgehen und zusätzliches Personal erfordern. dpa
(7.7.2012)

Ein Kommentar

  1. Die im Morgenpost-Artikel geäußerten Kritikpunkte sind an vielen Stellen berechtigt und die Auswüchse, was Zusatzbeiträge u.ä. betrifft, bei manchen Trägern alles andere als begrüßenswert und nachvollziehbar.
    ABER: Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass Kitas in Innenstadtbezirken wie Prenzlauer Berg oder Mitte im Gegensatz zu Einrichtungen in den Randbezirken oftmals das Doppelte, Dreifache, Vierfache… an Miete bezahlen. Vom Senat bekommt eine Kita im Wedding jedoch genau dasselbe Geld zur Verfügung gestellt wie eine Kita in der City, wo aktuell jedoch mit die meisten Betreuungsplätze benötigt werden. Zusatzbeiträge sind somit oftmals die einzige Möglichkeit der Kitas, dieses Ungleichgewicht bei der öffentlichen Finanzierung auszugleichen. Eltern, die in die Innenstadtbezirke ziehen und ihre Kinder standortnah betreut wissen wollen, sollten sich dessen vorher bewusst sein. Ebenso Journalisten, die sehr vorsichtig mit Formulierungen wie „illegales Geschäft“ umgehen sollten, wenn sie sich zuvor nicht intensiv mit den Finanzierungsmodalitäten der Kindertagesbetreuung in Berlin auseinandergesetzt haben.
    Zum Zahlen von zusätzlichen Beiträgen darf, kann und muss im übrigen niemand gezwungen werden. Der Kitagutschein berechtigt Berliner Eltern dazu, ihr Kind in jeder Kita Berlins (und nötigenfalls sogar Brandenburgs) betreuen zu lassen. Freie Plätze gibt es in vielen Bezirken – das hat der gerade erschienene Bedarfsatlas gezeigt. Nur muss man als Eltern dann halt auch bereit dazu sein, eventuell eine viertel Stunde mehr Fahrzeit auf sich zu nehmen.
    Um Entwicklungen wie den im Artikel beschriebenen entgegen zu wirken, müsste wohl auch über die beitragsfreien Kitajahre diskutiert werden: Nur in Rheinland-Pfalz und in Berlin sind, von einer monatlichen Verpflegungs-Pauschale in Höhe von 23 Euro abgesehen, die letzten drei Kitajahre vor der Einschulung komplett kostenfrei. Ein Luxus, um den viele Bundesländer (und hier gerade die „Geberländer“ im Rahmen des Länderfinanzausgleiches) Berlin beneiden und der prinzipiell auch zu begrüßen ist – sorgt er doch dafür, dass in Berlin überdurchschnittlich viele Eltern ihren Kindern die Vorteile der frühkindlichen Bildung und Sozialisierung in einer Kindertagesstätte angedeihen lassen. Allerdings darf diese Beitragsfreiheit nicht dazu führen, dass die Kitas mit unzureichenden Mitteln ausgestattet werden.
    Es ist zum Beispiel vollkommen unverständlich, warum das in Berlin praktizierte Finanzierungs-System für Kitas vorsieht, dass mit steigendem Alter der Kinder in einer Einrichtung die monatlichen Senats-Zuschüsse kontinuierlich reduziert werden. Die Begründung des Landes Berlin: Ältere Kinder brauchen weniger Pädagogen. Eine Argumentation, der man folgen kann – oder auch nicht. Gerade vor dem Hintergrund, dass Kitas heutzutage eben keine reinen Verwahr- und Betreuungs-Anstalten mehr sein sollen, sondern Bildungseinrichtungen, in denen die Kinder wesentliche Schritte auf dem Weg zum Spracherwerb machen und auf ihre Schulzeit vorbereitet werden.
    Fakt ist jedenfalls, dass diese Mittelkürzungen gerade in kleinen Kitas praktisch nur durch den Abbau von Personal aufgefangen werden können – oder eben durch das Erheben von Zusatzbeiträgen, wodurch auch in Kita-Gruppen mit älteren Kindern ein sinnvoller Betreuer-Kind-Schlüssel aufrecht erhalten werden kann.
    Die Liste mit Gründen, warum viele Kitas, die auf eigene (!) Kosten standortnahe Betreuungsplätze schaffen, die ihren Bildungsauftrag ernst nehmen und die ihre Mitarbeiter nicht für Hungerlöhne arbeiten lassen wollen, Zusatzbeiträge erheben, ließe sich noch sehr lang weiterführen. Es bleibt zu hoffen, dass die Öffentlichkeit – Eltern, Presse und allen voran natürlich die Politik – auch diese Aspekte in ihre Urteilsbildung mit einbezieht, bevor Formulierungen wie „illegales Geschäft“ vorschnell und unüberlegt in die Welt gesetzt werden und die Diskussion zu diesem gesellschaftlich so wichtigen Thema in eine unangemessene und nicht zielführende Richtung gelenkt wird.

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