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Wissenschaftsministerin: „Bald wieder Studiengebühren“

HANNOVER. In fünf Jahren wird es nach Ansicht von Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) wieder in allen 16 Bundesländern Studiengebühren geben.

«Nicht zuletzt wegen der Notwendigkeit ausgeglichener und schuldenfreier Haushalte wird es Wiedereinführungen geben», sagte die Politikerin der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Dennoch dürfe nicht der Fehler gemacht werden und die Gebühren als Ersatz für fehlende Landesgelder angesehen werden. Neben Bayern ist Niedersachsen derzeit das einzige Bundesland, in dem Studierende zur Kasse gebeten werden.

Johanna Wanka sieht Studiengebühren als eine Notwendigkeit. (Foto: AxelHH/Wikimedia CC BY 3.0)

Johanna Wanka sieht Studiengebühren als eine Notwendigkeit. (Foto: AxelHH/Wikimedia CC BY 3.0)

Die kategorische Ablehnung der Gebühr von SPD, Grünen und Linken sei «rein ideologisch». «Der Populismus ist in den anderen Ländern aus dem Druck im Zusammenhang mit Wahlen entstanden», sagte Wanka. Es würde weder stimmen, dass die Abgabe Studierende vom Studium abhalte, noch dass diese bei der Suche einer Hochschule einen Bogen um Niedersachsen machten. «Wenn sich jemand in Niedersachsen einschreibt, bekommt er automatisch die Möglichkeit für einen Kredit von der N-Bank.» Da der Kredit niedrig verzinst sei und über eine sehr lange Laufzeit zurückgezahlt werden könne, sei dies ein «sehr komfortabler Zustand».

Darüber hinaus würden die Studierenden unmittelbar von den Einnahmen der Hochschulen profitieren. «Die Hochschulen können mit den Studiengebühren Dinge zur Verbesserung der Lehre machen, die sie mit staatlichen Geldern nicht machen könnten», sagte Wanka. Zudem würden die Studierende bei der Ausgabe der Gelder stark beteiligt.

Niedersachsen will weiter an Studiengebühren festhalten

Auch wenn im kommenden Januar SPD, Linke und Grüne im Wahlkampf mit einer Absage an die Studiengebühren auf Stimmenfang gingen, wolle Wanka an der Zwangsabgabe festhalten: «Man kann versuchen Wahlkampfkampagnen gegen die Studiengebühren zu machen – trotz fehlender Argumente.» Die CDU in Niedersachsen werde aber weiter daran festhalten. «83 Prozent unserer Studierenden schließen ihr Studium erfolgreich ab.» Auch was die Dauer der Studiengänge angehe, sei Niedersachsen spitze.

Das Gerechtigkeitsargument dürfe ebenfalls nicht unterschätzt werden, betonte Wanka. «Warum soll etwa eine Krankenschwester das Studium ihres späteren Chefarztes finanzieren?»

Immer mehr Bundesländer haben sich von Studiengebühren verabschiedet, die sie erst vor wenigen Jahren eingeführt haben. Zahlen müssen aber in vielen Ländern Langzeitstudenten. Gebühren für alle Studierenden nehmen künftig nur noch Niedersachsen und Bayern:

LÄNDER MIT STUDIENGEBÜHREN:  – Bayern: 100 bis 500 Euro pro Semester – Niedersachsen: 500 Euro pro Semester

GEBÜHREN ABGESCHAFFT: – Hessen – 2009 – Saarland – 2010 – Nordrhein-Westfalen – 2011 – Baden-Württemberg – 2012 – Hamburg: Keine Gebühren mehr mit Beginn Wintersemester 2012/2013

KEINE STUDIENGEBÜHREN:  – Berlin – Brandenburg – Bremen – Mecklenburg-Vorpommern – Rheinland-Pfalz – Sachsen – Sachsen-Anhalt – Schleswig-Holstein – Thüringen. Marco Hadem/dpa

(15.7.2012)

6 Kommentare

  1. Studiengebühren finde ich nicht in Ordnung. Kinder aus einkommensschwächeren Familien sind dadurch benachteiligt. Für mich sind Studiengebühren Teil einer insgesamt falschen Politik, bei der der Staat sich aus Gemeinschaftsaufgaben zurückzieht; dem Einzelnen scheinbar mehr Netto vom Brutto überlässt (Steuersenkungen), wir an anderer Stelle aber „draufzahlen“ und das je nach Geldbeutel können oder nicht. Es ist für mich der falsche Weg.

  2. Frau Wanka hat nie Studiengebühren gezahlt. Ich zahle für meine beiden Kinder für die nächsten vielleicht 5 Jahre zwei Semester- und zwei Studiengebühren, zusammen ca. 3000 Euro pro Jahr. Das entspricht etwa 7,5 Prozent meines Nettoeinkommens. Urlaub und Extrawürste sind damit erledigt. Der Reichtum des Landes liegt in den Köpfen der Menschen. Wanka und ihre Gesinnungsgenossen sehen die Aufgabe des Staates jedoch nicht darin, diesen Reichtum zu hegen und zur Blüte zu bringen – nein, sie will vermeiden, dass eine Krankenschwester das Studium ihres Chefs finanziert. Ihr geht es um soziale Gerechtigkeit. Um die gerechte Verteilung der Torte. Ich wäre, bevor es ans Verteilen geht, zunächst einmal für eine möglichst große Torte. Unser Land ist eine Art Fußballteam. Mit einer Trainerin Wanka hätten wir vielleicht alle die gleichen Fußballschuhe, bei der Meisterschaft jedoch nur bescheidene Chancen.

  3. Ich bin für Studiengebühren, weil Nicht-Akademiker für ihre Weiterbildung auch bezahlen müssen. Für Notfälle ist das Bafög da, das nicht im Gießkannenprinzip allen Studenten zugute kommt.
    Außerdem besteht immer die Gefahr, dass die Qualität der Studien leidet durch Personal- und sonstige Einsparungen.
    Unser aufgeblähter Wohlfahrtsstaat sollte sich auf wichtige und wirklich notwendige Gemeinschaftsaufgaben beschränken, zu denen freie Studien ganz sicher nicht gehören.
    So mancher Steuerzahler steht vermutlich schlechter da als ein Großteil der Studenten, die er mit seinem Beitrag unterstützt. Sogenannte Gemeinschaftsaufgaben können auch zur räuberischen Erpressung werden.

  4. @ wetterfrosch, aber die Erstausbildung ist doch für jeden Beruf kostenlos?!? Ich finde, das sollte so bleiben, damit es nicht (wieder) vom Geldbeutel der Eltern abhängt, wer welchen Beruf ergreifen kann, sodass wieder Ärztsöhne Ärzte werden und Bauarbeitersöhne Bauarbeiter.

  5. Hängt das wirklich vom Geldbeutel ab, sofawolf? Das ist meiner Meinung nach eine weitgehend leere Behauptung bestimmter Parteien, die Sozialneid brauchen für ihre Wahlchancen. Bewährte Parolen sind dabei „soziale Gerechtigkeit“ oder „Chancengleichheit“.
    Hängen Bildung und Berufschancen wirklich vom Gelbeutel ab oder sind dafür nicht andere Faktoren ausschlaggebend?
    Ich vermute mal, dass Sie nicht Lehrer sind, sofawolf, weil Sie sonst wüssten, dass in den öffentlichen Schulen der Geldbeutel überhaupt keine Rolle spielt, auch wenn sogar die GEW dies gebetsmühlenartig behauptet.
    Kein Schüler wird benachteiligt, weil seine Eltern knapp bei Kasse sind. Jedenfalls habe das ich in meinem schon recht langen Berufsleben nicht ein einziges Mal beobachtet.
    Fürs Fortkommen ist die Begabung wichtig, ebenso Lern- obzw. Arbeitswille, gesunder Ehrgeiz, Gründlichkeit, Sorgfalt… usw.
    All dies ist nicht vom Geld abhängig, sondern von dem, was die Eltern dem Kind an Genen und Erziehung (Vorbild) mitgeben.
    Studiengebühren haben klar mit Geld zu tun. Ich ziehe aber eine gute Bafög-Regelung jedem Gießkannenprinzip vor, weil letzteres in den meisten Fällen auch jenen Studenten zugute kommt, die von Haus aus „gut gebettet“ sind. Und für den Luxus dieser Leute sollte kein Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

  6. @wetterfrosch, es ging um Studiengebühren! Nicht um die öffentlichen Schulen!!! Wenn das Studieren kostet, hängt es natürlich von den Eltern ab, ob Kinder studieren können oder nicht, also von dem, was Eltern geben können, je nachdem, wie viele Kinder sie haben bzw. was sie verdienen u.dgl. Wie stellen Sie sich eine „gute Bafög-Regelung“ vor und warum sollen Studenten einen Teil ihrer „Ausbildungskosten“ (die sie vom Bafög bestreiten???) zurückzahlen müssen, alle andere für ihre Erstausbildung (Beruf) aber nicht? Oder soll Berufsausbildung generell künftig kosten???

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