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Semperoper rockt – Schüler spielen die «Konferenz der Tiere»

DRESDEN. Erich Kästners Roman «Die Konferenz der Tiere» ist nur auf den ersten Blick ein Kinderbuch. Jetzt spielen junge Leute die märchenhafte Parabel in der Semperoper – und wollen dabei ordentlich rocken.

Erlebt am Sonntag eine Premiere der besonderen Art: die Semperoper. Foto: Suttewal / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Erlebt am Sonntag eine Premiere der besonderen Art: die Semperoper. Foto: Suttewal / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

In der Semperoper Dresden ist der Löwe los. Und nicht nur der – auch Klapperschlangen, Giraffen, Elefanten oder Schnecken werden zu Bühnenstars. Wenn an diesem Sonntag die Revue «Die Konferenz der Tiere» ihre Uraufführung hat, bekommt die Bezeichnung «jüngste Inszenierung» einen doppelten Sinn. Denn 150 Kinder und Jugendliche aus Hessen, Sachsen und Thüringen verkörpern die Figuren in einem turbulenten Stück mit ernstem Hintergrund.

Es geht um Krieg und Frieden. Und wieder einmal bringen die Menschen ihr wichtigstes Problem nicht auf die Reihe. Löwe Alois, Elefant Oskar und Giraffe Leopold sind sauer. Deshalb beschließen sie, den Weltfrieden zu retten. Erich Kästner schrieb seinen Roman «Die Konferenz der Tiere» kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Was er nicht ahnen konnte: Das Werk ist auch mehr als 60 Jahre später noch aktuell.

Manfred Weiß hat sein Libretto der Neuzeit angepasst. Bei der «Konferenz der Tiere» 2012 geht es auch um Fragen wie Umwelt und soziale Gerechtigkeit. «Ich bin immer wieder positiv überrascht, wie kritisch Kinder Dinge wahrnehmen», sagt Weiß. Auch Komponist Johannes Wulff-Woesten hat von den Akteuren auf der Bühne viele Impulse erhalten. «Da kommt eine unglaubliche Energie rüber.» Seine Musik im Stil der 1920-er Jahre klingt mitunter rockig und jazzig.

Semperoper-Verwaltungschef Wolfgang Rothe hat bei den Proben «frischen Wind» im Haus gespürt. Via Lautsprecher drangen bisweilen ungewöhnliche Inspizientenanweisungen an die Ohren der Mitarbeiter. «Hessische Giraffen bitte auf die Bühne» oder «Vier Kamele bitte ins Zimmer 5». Als einmal der Spruch «Alle Menschen auf die Bühne» durch die Oper schallte, habe es fragende Anrufe von Angestellten gegeben, berichtete Nora Schmid von der Intendanz.

Keine Erfahrungen auf der Bühne

Die Mädchen und Jungen – allesamt Stipendiaten der Roland Berger Stiftung – hatten bis auf Ausnahmen zuvor keine musikalischen oder schauspielerischen Vorkenntnisse. Die Stiftung fördert junge Leute aus sozial benachteiligten Familien und legt dabei ganz individuelle Förderpläne auf. Mentoren sollen sie bis zur Hochschulreife begleiten. «In diesem Jahr haben 30 das Abitur gemacht – mit Bestnoten», sagt Stiftungsgründer Roland Berger stolz.

Jetzt sind die Mädchen und Jungen im Alter zwischen 7 und 18 Feuer und Flamme. Die 17-Jährige Tina Wittig war zunächst als Schildkröte vorgesehen, agiert aber nun als Klapperschlange. Laura Luther aus Hessen hat sich inzwischen in die Rolle von Giraffe Gabi so eingefühlt, dass sie den Namen auch im Freundeskreis trägt. Lars Lotter aus Sachsen empfindet schon vor der Premiere Abschiedsschmerz. «Am Sonntag werden wir ordentlich die Semperoper rocken», sagt er.

Ein Jahr lang haben die jungen Leute an dem Stück geprobt, erst separat, dann länderübergreifend. Nach Meinung von Berger hat die «Konferenz der Tiere» die Stipendiaten zusammengeschweißt. Lars Lotter verspürt nun große Lust, diese Erfahrung zum Beruf zu machen. Irgendetwas mit Musical schwebt dem 18-Jährigen vor. Auch Laura Luther ist vom Bühnenvirus infiziert. Nach der Generalprobe wollte sie erst mal zum Ballett in die Semperoper gehen. Jörg Schurig, dpa

(6.7.2012)

Ein Kommentar

  1. Wie auch in vielen anderen Beiträgen zu diesem tollen Projekt wird hier kein Wort über die Musiker verloren. Diese waren nämliche keine Stipendiaten und haben neben dem Schulstress zusätzlich die Musik einstudiert. Das Jugendsinfonieorchester vom sächsischen Landesgymnasium für Musik Dresden. Ich als Teil des Orchesters fühle mich dabei etwas übergangen und unwichtig. Es ist kein tolles Gefühl, wenn nirgendwo die Leistung des jungen Orchesters anerkannt wird sondern als selbstverständlich hingestellt wird. 🙁 schade

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