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Studie: Familie beeinflusst Technikintereresse von Mädchen mehr als Schule

Eine Ursache des Fachkräftemangels ist die niedrige Frauenquote in Technikfächern, schreibt die Internetseite der Fachzeitschrift „Technology Review“. An der Schule liege das mangelnde Interesse der Frauen nicht, hat Professor Hans-Jürgen von Wensierski vom Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpolitik der Universität Rostock herausgefunden.

Angehende Elektronikerinnen für Betriebstechnik wie hier sind immer noch ein eher seltenes Bild. Foto: ME-Arbeitgeber / Flickr (CC BY 2.0)

Angehende Elektronikerinnen für Betriebstechnik wie hier sind immer noch ein eher seltenes Bild. Foto: ME-Arbeitgeber / Flickr (CC BY 2.0)

In einer Feldstudie untersucht er, warum sich so wenige Frauen für einen technischen Beruf entscheiden. In einem Interview mit dem Fachblatt „Technology Review“ sagte er: „Väter sind wichtiger als Lehrer.“ Verglichen mit den Vätern spiele die Schule eine sehr verhaltene Rolle. In bisher 25 biografischen Interviews seien Lehrer nicht als prägende Bezugspersonen vorgekommen.Wahrscheinlich habe dagegen die Familie den größten Einfluss auf das Technikinteresse von Mädchen. Technikaffine Bezugspersonen, insbesondere Väter seien wichtig. Auch die Studiensituation sei nicht abschreckend. In den Interviews habe sich gezeigt: Die Ingenieurstudentinnen fühlen sich in den männerdominierten Studiengängen sehr wohl. Diskriminiert würden sie nicht.

Prinzipiell sei es aber so, dass Mädchen von Anfang an eher wenig Interesse und teilweise auch geringere Leistungen in technikrelevanten Fächern zeigten, mit Ausnahme der Mathematik. Sie sei ein großes Einfallstor für das Interesse an Technik. Technikinteressierte Frauen teilten aber nicht unbedingt die harte, durch Experimente und Basteleien gestützte Leidenschaft für Technik. „Sie gehören nicht diesem klassischen Typus an, der schon von klein auf an Geräten herumgeschraubt hat“, sagt Wensierski im Interview mit dem Fachblatt.

Technikstudiengänge interdisziplinärer gestalten

Im Gegensatz zu Männern sei das Interesse an Technik bei jungen Frauen stärker eingebettet in ethische oder soziale Orientierungen. Technische Fächer, die stärker mit ökologischen, humanen oder biologischen Aspekten kombiniert sind, wie Architektur, Raumplanung, Medizin- oder Umwelttechnik, hätten stets deutlich größere Anteile an Frauen. Die Frage sei also, wie man die Technikstudiengänge interdisziplinärer gestalten könnte, sagt der Wissenschaftler.

Unter pädagogischen Gesichtspunkten seien frühzeitige, regelmäßige und kontinuierliche technik- und naturwissenschaftliche Projekte und Angebote in Kooperation zwischen Schulen, Universitäten und Industrie ein sinnvoller Ansatz, um mehr Frauen für Technik zu begeistern.

Die Untersuchung ist noch in der Feldphase, zurzeit werden 3000 Gymnasiasten befragt. Darüber hinaus interviewen die Forscher junge Frauen, die im ersten Semester Elektrotechnik oder Maschinenbau studieren. Der empirische Forschungsstand sei bisher nicht zufriedenstellend, sagt Wensierski „Technology Review“. Es gebe höchstens Vermutungen, warum so wenige Frauen den Weg in die Ingenieursstudiengänge fänden. nin

(25.7.2012)

 

 

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