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Helium-Versuch enthüllt: Gibbons singen wie Sopranistinnen

TOKIO. Es hört sich an wie ein quietschendes Kätzchen, aber hinter den Rufen des Gibbons verbirgt sich große Kunst: Die Affen können singen wie professionelle Opernsängerinnen.

Außergewöhnliche Stimmtechnik:  Weißhandgibbons. Foto: Matthias Gabel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Außergewöhnliche Stimmtechnik: Weißhandgibbons. Foto: Matthias Gabel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Weißhandgibbons trällern wie Opernsängerinnen. Genauer gesagt: wie Sopranistinnen. Die Affen nutzten für ihre Rufe fast immer die Soprantechnik, wie japanische Forscher herausgefunden haben. «Eine schwierige Stimmtechnik, die bei Menschen nur professionelle Opernsängerinnen meistern», sagte Takeshi Nishimura vom Primaten-Forschungsinstitut der Universität Kyoto. Die Wissenschaftler hatten einen Weißhandgibbon (Hylobates lar) aus dem Fukuchiyama City Zoo in Kyoto unter Einfluss von Heliumgas singen lassen – die Ergebnisse erschienen im «American Journal of Physical Anthropology».

«Ein Gibbon-Lied ist akustisch einzigartig unter Primaten, mit einer lauten Melodie, die mehr als zwei Meilen entfernt zu hören ist», heißt es in einer Mitteilung des Journals. In der Wildnis nutzten die Gibbons ihre klaren lauten Rufe, um mit benachbarten Pärchen, Fremden und potenziellen Partnern im dichten Dschungel zu kommunizieren.

Um die außergewöhnliche Stimmtechnik der Tiere näher zu untersuchen, testete das Team deren Tonsteuerung mit Hilfe von Helium. Das Gas ist dafür bekannt, die menschliche Stimme quietschig hoch zu machen, indem es die Schallgeschwindigkeit erhöht. Die Forscher wollten herausfinden, ob die Affen trotz der Heliums ihre lauten Rufe erzeugen können.

Ein zwei Jahre altes Gibbon-Weibchen wurde gemeinsam mit seinem Betreuer in eine kleine Kammer gesetzt. Von Angesicht zu Angesicht animierte der Pfleger den Affen durch eigenes Rufen zum Gesang. Die Forscher zeichneten 20 Laute ohne Helium auf. Dann gaben sie ein Helium-Gemisch in die Kammer, zeichneten erneut 37 Schreie des Gibbons auf und werteten sie anhand eines mathematischen Models aus. Was sich anhört wie ein quietschendes Katzenbaby, enthüllt Erstaunliches: Der Weißhandgibbon kann seine Stimme offenbar so kontrollieren wie eine professionelle Opernsängerin.

Der Versuch zeigt nach Meinung der Wissenschaftler, dass auch Affen Geräusche ganz bewusst durch Form-Veränderungen des Vokaltrakts steuern – das sind Rachen, Mund- und Nasenhöhle. Um trotz des Heliums weiter seine typischen Rufe aussenden zu können, reagierte das Gibbon-Weibchen und veränderte offenbar gezielt die Form des stimmerzeugenden Vokaltrakts. Eine solche Steuerung ist nach Expertenmeinung auch für Sopranistinnen schwierig zu meistern.

«Dies ist der erste Beweis, dass Gibbons beim Singen fast immer – und ohne großen Aufwand – die Soprantechnik nutzen», meint Nishimura. Die Studie offenbare ein neues Verständnis der Sprach-Evolution von Gibbons und enthülle, dass die physiologische Grundlage der menschlichen Sprache gar nicht so einzigartig sei wie bislang angenommen. dpa
(25.8.2012)

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