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Nach Amokalarm an Memminger Schule dauern Ermittlungen an

MEMMINGEN. Ein Jugendlicher hat vor drei Monaten mit Waffen seines Vaters einen Amokalarm an einer Memminger Schule ausgelöst. Der Schüler ist noch in einer Psychiatrie untergebracht. Er macht keine Angaben zur Tat und seinem Motiv. Von einem Gutachten hängt ab, ob er angeklagt wird.

Die Lindenschule in Memmingen ist eine Grund- und Hauptschule. Foto: TV Memmingen

Die Lindenschule in Memmingen ist eine Grund- und Hauptschule. Foto: TV Memmingen

Drei Monate nach dem Amokalarm an einer Memminger Schule dauern die Ermittlungen an. Wie die Staatsanwaltschaft Memmingen mitteilte, sind die psychiatrischen Untersuchungen des inzwischen 15 Jahre alten Schülers abgeschlossen. Bis das Gutachten über das geistige Niveau und die Schuldfähigkeit des Jugendlichen vorliegt, werde es jedoch noch einige Wochen dauern, sagte die Oberstaatsanwältin Renate Thanner. Danach werde entschieden, ob es zu einer Anklage kommt.

Am 22. Mai hatte ein damals 14-Jähriger an seiner Schule einen Amokalarm ausgelöst. Die etwa 280 Schüler flüchteten sofort mit den Lehrern in die Klassenzimmer und verschanzten sich darin. Der Schüler hatte zuerst im Eingangsbereich der Mensa und später auf einem Sportplatz mehrere Schüsse abgegeben, dabei aber niemanden verletzt. Erst nach mehrstündigen Verhandlungen konnten Polizisten den Jugendlichen zur Aufgabe bewegen und ihn festnehmen.

Den Angaben zufolge ist der Schütze nach wie vor in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, wo er ärztlich betreut wird. Gegenüber den Ermittlungsbehörden habe er sich bislang nicht zur Tat und seinem Motiv geäußert, sagte Thanner. Der psychiatrische Sachverständige soll nach den Gesprächen mit dem Schüler beurteilen, ob dieser von seiner geistigen Entwicklung her strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. «Wenn er zu dem Ergebnis kommt, dass der Junge nicht das geistige Niveau eines 14-Jährigen hat, wird er behandelt wie ein strafunmündiges Kind.» Darüber hinaus ginge es in dem Gutachten auch darum festzustellen, ob der Schüler zur Tatzeit in seiner Schuldfähigkeit beeinträchtigt war.

Am Sportplatz, wo sich der Schüler in einer Holzhütte verschanzt und mehrmals in Richtung der Polizeibeamten geschossen hatte, waren nach Angaben der Ermittler mehr als 70 Patronenhülsen sichergestellt worden. Drei Polizeiautos wurden von Kugeln getroffen. Gegen den Schüler wird daher unter anderem wegen versuchten Totschlags in mehreren Fällen ermittelt. Ein ballistisches Gutachten soll klären, wie gezielt er auf die Polizisten geschossen hat. Die Ergebnisse dieses Gutachtens liegen laut Thanner ebenfalls noch nicht vor.

Auch die Ermittlungen gegen den Vater des Jugendlichen dauerten noch an. Gegen den Sportschützen wird wegen Verstößen nach dem Waffen- und Sprengstoffrecht ermittelt. Eine Woche nach dem Amokalarm hatte die Polizei im Haus der Familie 37 Waffen sichergestellt. Sie waren in einem eigenen Raum gelagert, der durch eine Stahltür mit Sicherheitsschloss gesichert war. Experten stellten jedoch fest, dass die Stahltür über keine ausreichende Schutzklasse für die große Anzahl der darin gelagerten Waffen verfügt. Der Schlüssel zu dieser Tür wurde in einem Tresor mit elektronischem Zahlenschloss aufbewahrt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Jugendliche das Zahlenschloss so manipuliert hat, dass er an den Schlüssel für den Waffenraum gelangen konnte. dpa

(21.8.2012)

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