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Schavan-Nachfolge: Stimmen für Strobl als CDU-Bundesvize mehren sich

STUTTGART. Das Fernduell um die Nachfolge von Annette Schavan als CDU-Bundesvize ist entbrannt. In Baden-Würtemberg machen sich CDU-Prominente für den Landesvorsitzenden Thomas Strobl stark. Seine Gegnerin sitzt wohl in Mainz.

Wird Landeschef Strobl der neue Bundesvize? Foto: Laurence Chaperon/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Wird Landeschef Strobl der neue Bundesvize? Foto: Laurence Chaperon/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Nach dem Verzicht von Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf den Posten der CDU-Bundesvize hat auch im Südwesten eine Debatte über ihre Nachfolge begonnen. Der baden-württembergische Landeschef der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, und die beiden CDU-Landesvize Winfried Mack und Thorsten Frei sprachen sich für CDU-Landeschef Thomas Strobl als Kandidaten aus. «Er ist der natürliche Bewerber um den Posten, hat das erste Zugriffsrecht», sagte Bäumler am Montag in Stuttgart.

Dagegen schweigt die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner zu der Frage, ob sie für Bundesbildungsministerin in die CDU-Spitze aufrücken will. Die Landespartei sieht keinen Bedarf zur Eile. Generalsekretär Patrick Schnieder sagte am Montag: «Unser Bundesparteitag ist im Dezember, jetzt haben wir August. Es besteht also gar kein Zeitdruck für Entscheidungen.» Schavan will nicht mehr als stellvertretende Bundesvorsitzende kandidieren. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs aus Koblenz macht sich für Klöckner stark. Derzeit ist die 39-Jährige Präsidiumsmitglied.

Mack meinte: «Strobl ist derjenige, der als erster gefragt werden muss.» Er sei der Aufgabe gewachsen. Der gewichtige Landesverband Baden-Württemberg solle in der Lage sein, bei der ein oder anderen bedeutenden Frage im Bundesvorstand mitzubestimmen. Frei, Oberbürgermeister von Donaueschingen, erhob ebenfalls Anspruch auf das Führungsamt für die CDU Baden-Württemberg und betonte: «Thomas Strobl kommt grundsätzlich dafür in Betracht.» Schavan, die von 1995 bis 2005 auch Kultusministerin in Baden-Württemberg war, will sich nach 14 Jahren als Parteivize aus der CDU-Spitze zurückziehen.

Auch der Landeschef der Jungen Union, Nikolas Löbel, plädierte dafür, dass Baden-Württemberg einen Vize von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stelle. Immerhin sei die CDU Baden-Württemberg der «Motor» für eine erfolgreiche Partei im Bund. Anders als Bäumler sprach er sich noch nicht offen für einen Kandidaten aus, ließ aber seine Präferenz für Strobl durchblicken; dieser habe die Partei «frischer und bürgernaher» gemacht. CDU-Fraktionschef Peter Hauk betonte, die Position müsse in Baden-Württemberg bleiben, legte sich aber personell gleichermaßen noch nicht fest.

Annette Widmann-Mauz (CDU), ebenfalls eine der Stellvertreterinnen von Strobl, hält eine angemessene Vertretung der Südwest-CDU für erforderlich. Strobl hatte den Anspruch seines Landesverbandes bereits angemeldet, aber nicht gesagt, ob er selbst seinen Hut in den Ring schmeißt. Er fügte hinzu: «Wir werden jetzt im Landesvorstand und im Präsidium der CDU Baden-Württemberg das weitere Vorgehen besprechen.» Die Gremien werden das Thema am 17. September diskutieren.

Nach Ansicht Bäumlers ist der Landesvorsitzende als ausgleichende Persönlichkeit mit klarer Linie für den Posten sehr geeignet. Zudem habe er den zweitstärksten CDU-Landesverband mit derzeit 71 000 Mitgliedern hinter sich.

Schavan und ihr Landesverband hatten kein ungetrübtes Verhältnis. Es wurde ihr vorgeworfen im Ulmer Wahlkreis zu wenig präsent zu sein. Auch im Landesvorstand, dem sie kraft Amtes angehört, sei sie selten zu sehen, wissen Kritiker. Die Rheinländerin habe im Südwesten nie richtig Fuß gefasst, heißt es. Zudem wird ihr angekreidet, dass sie Stefan Mappus (CDU) Anfang 2010 als damaligen konservativen Hoffnungsträger mit installiert habe. Ex-Ministerpräsident Mappus führte die Partei im vergangenen Jahr in eine historische Wahlniederlage sowie in die Affäre um den EnBW-Aktienrückkauf.

Vor allem Schavans Plädoyer für ein zweigliedriges Bildungssystem verschreckte im vergangenen Sommer die Parteifreunde im Südwesten, die zum großen Teil noch an der dreigliedrigen Schulstruktur hängen. Strobl sprach damals mit Blick auf ein bildungspolitisches Papier Schavans von einer «kommunikativen Katastrophe», weil die Landesverbände vorher nicht eingebunden waren. Beim Bundesparteitag in Stuttgart 2008 hatte die enge Vertraute Merkels mit 73,95 Prozent das schlechteste Ergebnisse aller vier Vize-Bundeschefs erhalten.  JULIA GIERTZ, dpa

(20.8.2012)

Zum Bericht: Mit Schavans Rückzug verliert die Schulpolitik in der CDU an Bedeutung

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