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Augenleiden: Im Zweifelsfall zum Facharzt gehen

DRESDEN. Dass Kinder ab und zu mal weinen, ist normal. Dass ihnen aber ständig die Augen tränen nicht. Manchmal steckt eine Erkrankung oder ein Fremdkörper dahinter. Der sollte vom Arzt – und nicht durch den Zeigerfinger des Erwachsenen entfernt werden.

Tränen sind nicht gleich Tränen. Wenn eine Erkrankung der Augen dahinter steckt, muss der Augenarzt entscheiden, ob Handlungsbedarf besteht. Foto: Lars Plougmann/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Manche Babys weinen ständig. Ihnen laufen Tränen über das kleine Gesicht, weil die Tränenwege stark verengt oder verschlossen sind. Das kann zu dauerhaften Entzündungen führen. Bei etwas älteren Kindern deuten tränende oder gerötete Augen häufig auf eine bakterielle Infektion hin. Manchmal steckt aber auch eine Wimper oder ein kleines Insekt im Auge und muss entfernt werden. Bevor Eltern selbst am Auge ihres Nachwuchses herumfummeln, suchen sie besser einen Augenarzt auf, der sich mit der Behandlung von Kindern auskennt.

Verengte oder verschlossene Tränennasenwege treten bei rund sechs Prozent aller Säuglinge auf. Diese sogenannte Tränenwegsstenose ist angeboren. «Eltern fällt auf, dass Tränen über die Wangen ihres Kindes laufen», sagt Falk Sommer, Oberarzt an der Uni-Augenklinik in Dresden. Die Tränen können im Auge nicht ablaufen, weil der Übergang der Tränenwege zur Nase durch ein dünnes Häutchen, die sogenannte Hasner-Membran, verschlossen ist.

Die Membran sollte sich eigentlich vor der Geburt oder wenige Tage danach zurückbilden. Passiert das nicht, staut sich die Flüssigkeit im Tränenkanal. «In der Sackgasse sammeln sich schnell Bakterien, es kommt leicht zu Entzündungen», erklärt Prof. Christian Ohrloff von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Vereinigung deutscher Augenärzte.

Die Babys bekommen gerötete Augen, gelbliches Sekret kann sich bilden, die Augen sind morgens verklebt. Werden diese Entzündungen nicht behandelt, können sie chronisch werden. Gegen die Entzündung selbst helfen Salben oder antibiotische Tropfen.

Augenarzt klärt Handlungsbedarf

Bei der Ursache – der Tränenwegsstenose – warten die Ärzte erst einmal ab, ob sich die Tränennasewege von alleine öffnen. «Man kann hoffen, dass sich das Problem löst, wenn der Kinderkopf wächst», sagt Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands in Düsseldorf. Eltern betroffener Kinder bekommen häufig den Rat, in den ersten ein bis drei Lebensmonaten den Tränengang des Babys vorsichtig zu massieren. «Das Gewebe ist noch sehr weich», erläutert Sommer. Durch eine sanfte Massage von oben nach unten könne sich die Hasner-Membran öffnen.

Passiert das nicht, kann der Verschluss in einer kurzen, ambulanten Operation geöffnet werden. Entweder führt der Arzt eine Sonde ein und spült den Tränenweg frei. Oder die Membran wird durchstoßen. Über den idealen Zeitpunkt dieses Eingriffs gibt es unterschiedliche Ansichten. Eckert rät, zu warten, bis das Kind sechs bis zwölf Monate alt ist. «Man kann sich über die Zeit retten, indem man entzündungshemmende Salben gibt.»

Falk Sommer von der Uni Dresden empfiehlt die Operation dagegen bereits zwischen dem dritten und vierten Lebensmonats des Babys. «Je früher man den Eingriff vornimmt, desto größer sind die Erfolgschancen», sagt er. In diesem Alter lägen sie bei mehr als 90 Prozent. Bei älteren Kindern werde es schwieriger, mit einer Sonde zu arbeiten. Das Gewebe sei fester, es bestehe eher die Gefahr, dass man den kleinen Patient verletzt.

Die Operation dauert dem Oberarzt zufolge zwischen 30 Sekunden und drei bis vier Minuten. Bei Babys im ersten Lebensjahr werde auf eine Narkose verzichtet. «Die Kinder werden in ein Stück Tuch gewickelt und von einer Krankenschwester festgehalten», erklärt Sommer. Das sei für die Eltern zwar häufig schwierig anzusehen, für das Kind aber schonender als eine Narkose. «Ab dem ersten Lebensjahr findet der Eingriff unter Narkose statt.»

Zugluft oder Sonnenlicht können reizen

Tränen bei älteren Kindern plötzlich die Augen, hat das in der Regel andere Ursachen. Die können harmlos sein: Zugluft beim Fahrradfahren oder eine Reizung durch Sonnenlicht beispielsweise. «Wenn das von alleine weggeht, muss man sich keine Sorgen machen», sagt Ohrloff. Lässt das Tränen nicht nach oder sind die Augen stark gerötet, gehen Eltern aber besser zum Arzt.

Häufig liegt eine bakterielle Infektion vor, selten eine virusbedingte. Manchmal reicht es schon aus, die Augen mit einem feuchten Tuch zu reinigen und dem Kind künstliche Augentropfen zu geben. «Es ist nicht nötig, sofort antibiotische Tropfen zu nehmen», sagt der Augenarzt. Geht die Entzündung nicht weg, werden in der Regel Antibiotika verschrieben.

Sind die Augen morgens verklebt, streichen Eltern sie am besten mit einem in lauwarmes Wasser getunkten Mulltuch aus, rät Ohrloff. «Im Sekret in den Wimpern nisten sich gerne Bakterien ein.» Dieses Sekret kann ansteckend sein. Daher schicken Eltern ihr Kind besser nicht in den Kindergarten. «Die Gefahr, dass sich die Entzündung überträgt, ist aber minimal», beruhigt Sommer. dpa

(12.09.2012)

Ein Kommentar

  1. Hallo,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Ich möchte noch einen interessanten Tipp hinzufügen. Wenn man an einer Entzündung der Augen leidet, kann man zur Linderung dieses Problems und eventueller Schmerzen mit Salbeitee arbeiten. Dabei brüht man zunächst den Tee auf und gießt ihn dann über ein kleines Kissen. Wenn der Tee im Kissen ein wenig abgekühlt ist, legt man es vorsichtig auf die Augen und lässt ihn für einige Zeit einwirken. Wenn man diese Prozedur mehrmals anwendet, kann die Entzündung gelindert werden.

    Liebe Grüße, Stefan

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