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Baumert-Kommission fordert: Mehr Fachwissen für Grundschullehrer

BERLIN. Bislang erlitten viele Lehrer nach dem Studium den Praxisschock. Nicht nur das soll eine Reform der Lehrer-Ausbildung in Berlin jetzt ändern. Eine Kommission unter Leitung des Bildungsforschers Jürgen Baumert hat jetzt Vorschläge vorgelegt.

Jürgen Baumert war im Jahr 2000 Leiter der ersten PISA-Studie. Foto: Doris Poklekowski / Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Jürgen Baumert war im Jahr 2000 Leiter der ersten PISA-Studie. Foto: Doris Poklekowski / Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Berliner Lehrer sollen künftig schon im Studium besser auf den Schulalltag vorbereitet werden. Dazu soll ein verpflichtendes Praxissemester eingeführt werden. Außerdem soll es einen eigenen Studiengang für Grundschullehrer geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) eingesetzte Expertenkommission unter Leitung von Baumert.

«In den letzten Jahren haben wir durch die Umsetzung der zweigliedrigen Schulstruktur die Lehrkräfte vor neue Herausforderungen gestellt», sagte Scheeres. Diese müssten auch in der Ausbildung berücksichtigt werden.

Die neuen Studienmodelle sollten neben der fachlichen Qualifikation der Lehrer auch deren sonderpädagogische Kompetenzen verbessern, erläuterte der Berliner Bildungsforscher Jürgen Baumert. «Berlin wird Vorbild für viele andere Bundesländer sein», sagte er voraus.

Kern der Empfehlung ist die Ausrichtung der Lehrerbildung an der Schulstruktur. Für Grundschule, Integrierte Sekundarschule/Gymnasium und berufliche Schulen soll es drei eigene Studiengänge mit gleicher Ausbildungszeit geben. «Berlin ist das erste Bundesland, das die Lehrerbildung systematisch auf die Schulstruktur abstimmt», sagte Baumert. Das Referendariat – die Praxisausbildung an den Schulen – soll an allen Schulformen künftig 18 Monate dauern und von einem Praxissemester während des Studiums ergänzt werden.

Sonderpädagogik für alle

Vor allem für das Grundschullehramt empfehlen die Experten, künftig mehr Wert auf fachliches Wissen zu legen. So müssen den Vorschlägen zufolge alle Studenten Deutsch und Mathematik studieren und zusätzlich ein drittes Fach wählen. Lehrer an Integrierten Sekundarschulen sollen fachlich künftig die gleiche Ausbildung erhalten wie Gymnasiallehrer. Beide Schulen bereiteten auf das Abitur vor, daher dürften hier keine Unterschiede gemacht werden, sagte Baumert.

Alle Lehramts-Studenten sollen zudem bald sonderpädagogisch ausgebildet werden. Sie können dem Vorschlag zufolge sogar eines ihrer Fächer durch das Studium von Behinderungsformen ersetzen. Damit sei Berlin gut auf inklusiven Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern in der selben Klasse vorbereitet.

Um dem Lehrermangel in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern und an beruflichen Schulen zu begegnen, sollen sogenannte Aufbau-Masterstudiengänge eingeführt werden. Hier könnten Ingenieure oder Wirtschaftswissenschaftler mit abgeschlossenem Studium die nötigen didaktischen Fähigkeiten erlernen und das für Lehrer verpflichtende zweite Fach studieren.

Die Vorschläge der Expertenkommission sollen nun mit Universitäten, Schulen, Gewerkschaften und anderen Betroffenen diskutiert werden. Später sollen sie zu einem Gesetzesentwurf zusammengefasst werden. dpa
(26.9.2012)

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